1. Lokales
  2. Aachen

Streit zwischen Neonazis und Linksaktivisten im Frankenberger Viertel

Prozess vor dem Jugendschöffengericht : 14 Tage Arrest und zwei niedergelegte Verfahren

Der Prozess gegen zwei linke Aktivisten wegen einer Auseinandersetzung mit zwei Neonazis im Frankenberger Viertel geht unspektakulär zu Ende. Starkes Sicherheitsaufgebot.

Mit einem 14-tägigen Arrest für die 20-jährige Angeklagte Leandra B. endete ein Verfahren vor dem Jugendschöffengericht. Begonnen hatte der Prozess unter dem Vorsitz von Richterin Katrin Thierau-Haase mit der Erörterung eines aufgeheizten Aufeinandertreffens von Linken und Rechten Ende März 2017 im Frankenberger Viertel.

Hier waren Aktivisten der linken und der rechten Szene aufeinander losgegangen. Pfefferspray kam zum Einsatz und Bierflaschen flogen in Richtung zweier bekannter Neonazis, die von den Antifaschisten der sogenannten Identitären Bewegung zugerechnet wurden. Diese zückten einen Schlagstock, durch den sich der jetzt angeklagte Felix G. (25) aus Aachen bedroht fühlte und Pfefferspray einsetzte.

Zu klären war am Ende nicht mehr viel, auch die als Zeugen geladenen mutmaßlichen Opfer sagten nicht aus. So stellte die Kammer das Verfahren gegen den linken Aktivisten Felix G. ohne Auflagen ein, er verließ umgehend die Anklagebank.

Leandra B. jedoch war in zwei Fällen wegen Widerstandshandlungen gegen die Polizei angeklagt. Die linke Aktivistin hatte bis zum Ende zu den Vorwürfen geschwiegen. Doch auch die als Zeugen geladenen Polizisten bewerteten den Widerstand eher „im unteren Bereich“ angesiedelt, wie am Ende Richterin Thierau-Haase die Sache wertete. Auch für sie wurde das Verfahren wegen der Vorfälle im Frankenberger Viertel eingestellt. Allerdings war B. bei der morgendlichen Räumung des besetzten Hauses am Muffeter Weg im Sommer gemeinsam mit einem Kumpel einer Zivilstreife in die Arme gelaufen. Der Beamte hatte sie niederringen müssen, wie er am Freitag als Zeuge schilderte. Dabei sei die Hose kaputtgegangen und er habe eine Schürfwunde am Bein davongetragen, weswegen „ich mich eine Woche krank gemeldet habe“, berichtete er unter dem Gelächter des linken Publikums. Für diese Tat kassierte Leandra B. den 14-tägigen Jugendarrest, der allerdings, so die Richterin, „durch die Dauer der Untersuchungshaft bereits abgegolten“ sei.

Das Verfahren fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde von einer Vielzahl von Polizeikräften gesichert, da Leandra B. sich auch bei den Ankettungen an die Schienen der Hambachbahn im Kampf um den Hambacher Forst hervorgetan hatte.