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Die Woche in Aachen: Streit um Argumente und ein Verdachts-Wolf als Sensation

Die Woche in Aachen : Streit um Argumente und ein Verdachts-Wolf als Sensation

Nicht nur Corona schreibt in Aachen Schlagzeilen. Manchmal reichen auch Verdachtsfälle. Ein Rückblick auf die Themen der Woche.

Es gibt Meldungen, die könnten einem (eingefleischten Fußballfan) das Herz ein wenig höher hüpfen lassen: „Tivoli ausverkauft!“, hieß es diese Woche. „Alle Achtung“, ist man da versucht, seiner mit Verwunderung angereicherten Freunde Ausdruck zu verleihen. Eine reife Leistung für einen Viertligisten, der einer Sportart nachgeht, die ansatzweise mit Fußball zu tun haben soll. Passen doch in das schmucke Stadion immerhin rund 32.000 Menschen hinein. Naja, die Wahrheit liegt in diesem Fall nicht in der Mitte, sondern ziemlich am Anfang. Ausverkauft, das bedeutet in Corona-Zeiten gerade einmal 750 Unentwegte, die sich bei widrigem Januarwetter das Treiben auf dem sicherlich auch nicht ganz grünen Rasen anschauen dürfen. Mehr ist nicht erlaubt. Und das in einem solch großen Stadion. Wenn, ja wenn die Ladies in Black an diesem Wochenende auch gespielt hätten, was sie wegen Coronafällen im Team nicht tun, hätten das auch 750 Menschen verfolgen dürfen. Allerdings in der ziemlich kleinen Halle an der Neuköllner Straße. Irgendwie seltsam, oder?

Es bleibt das alles bestimmende Thema: Omikron und Corona. Oder umgekehrt. Die Inzidenz klettert unaufhörlich, die Intensivstationen sind glücklicherweise (noch) nicht ausgelastet. Kitas melden coronabedingten Personalmangel, in Schulen und in Betrieben steigt die Zahl der Betroffenen. Und es wird mächtig diskutiert und gestritten. Wie auch am heutigen Samstag, wenn die Impfgegner wieder durch die Stadt ziehen und eine sicher zahlenmäßig deutlich kleinere Anzahl Menschen eine Gegenkundgebung abhält. Warum ist das so? Warum ist die überwiegende Zahl der Menschen geimpft, überlässt aber den Gegnern die Meinungshoheit auf der Straße? Es liegt wohl traurigerweise in der Natur der Sache, dass diejenigen, die sich aufregen, die sich zurückgedrängt, gegängelt, verfolgt oder weiß der Lauterbach was fühlen, mehr Impuls verspüren, das auch laut und deutlich zu sagen, zu schreiben, zu schimpfen.

Im Streitgespräch, zu dem unsere Redaktion diese Woche Sprecher der Impfgegner und -befürworter eingeladen hatte, wurde es deutlich: Man habe einfach ein Mobilisierungsproblem, gestand Grünen-Parteichef Henning Nießen zu. Während Demo-Organisator Walter Schumacher auf Hunderte Unterstützer zählen kann. Leider wird freie Meinungsäußerung da in besonderer Weise ausgelegt. Man ist so frei, sich nicht öffentlich von Rechten, die immer mitmarschieren, zu distanzieren. Unakzeptabel! Genauso wie die pauschale Beschimpfung der Impfgegner als Nazis. Das Streitgespräch unserer Zeitung mit Nießen und Schumacher jedenfalls hat gezeigt, dass man sich in der Sache hart, mit den Argumenten emotional, aber immer fair auseinandersetzen kann!

Manch einer würde sich wünschen, dass der Begriff „verwaiste Innenstadt“ auf auf den heutigen Demo-Samstag zutreffen würde. Sicher gibt es auch massive Beschwerden darüber, dass der Verkehr lahmgelegt wird, dass Besucher abgeschreckt werden, dass die Polizei massives Aufgebot bereitstellen muss. Aber: Am Grundrecht der Versammlungs- und Meinungsfreiheit wird keiner rütteln! Das müssen, das können wir aushalten.

Aber verwaiste Innenstadt hat in dieser Woche auch eine andere Bedeutung gehabt. Ein altes Problem mit immer neuen Beispielen: Eingeschränkte Öffnungszeiten, verlängerte Betriebsferien – die Zapfhähne in vielen Gaststätten und Restaurants bleiben länger hochgeklappt, als es dem ein oder anderen Schluckspecht Recht ist. Pontviertel, rund um Dom und Rathaus – es gibt immer mehr Beispiele. Als „unfassbar leer“ bezeichnete ein Gastronomieexperte die Innenstadt, besonders in Tages- und Nachtzeiten, in denen normalerweise nicht nur die Kneipen voll sind. Ein Lockdown mit staatlichen Ausgleichszahlungen wäre für manche Betriebe lukrativer als geöffnete Kneipen ohne Gäste ...

Und dann auch noch der Wolf! Schlimmer geht’s nimmer? Früher rannten Problem-Bären durchs Gehölz, heute sind es „Verdachts-Wölfe“. Die Natur macht mit uns aber auch, was sie will. Es ist auf nichts mehr Verlass. Demnächst müssen wir uns mit Beweis-Igeln und Anklage-Nachtigallen befassen. Wer weiß. Jetzt also der Verdachts-Wolf. Es wird dauern, bis wir genau wissen, welcher Vierbeiner sich denn ein Lamm gegönnt hat. Es käme einer „Sensation für NRW“ gleich, wenn sich die Wolfsgeschichte nicht als Märchen entpuppt, hat Aachens neuer Umweltdezernent gesagt. Und Sensationen hat diese Stadt in jüngerer Vergangenheit wahrlich nicht viele hervorgebracht. Also muss es der Wolf richten. Wenn es denn ein Wolf war. Man wird den Verdacht nicht los, dass solche Geschichten doch ziemlich viel Wirbel auslösen, oder?

Die Woche in Aachen: märchenhaft spannend, extrem themenstark – so soll es sein. Demonstrieren Sie bei aller Aufregung lieber Gelassenheit. Das passt immer noch am besten.

In diesem Sinne: schönes Wochenende!

a.peltzer@medienhausaachen.de