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Ergebnisse des Snapshot-Projekts ausgestellt: Street-Art belebt das Stadtbild und das verwaiste „Lust for Life“-Kaufhaus

Ergebnisse des Snapshot-Projekts ausgestellt : Street-Art belebt das Stadtbild und das verwaiste „Lust for Life“-Kaufhaus

Little Shao, Styler 007 – 0815 oder Gradi Mayassi alias Greezy – diese Namen kannte bis dato vermutlich nur, wer tief mit der Street-Art-Szene in und um Aachen verwoben war. Mit einer Ausstellung in den Schaufensterscheiben des ehemaligen „Lust for Life“-Gebäudes sowie im Heerlener Maankwartier soll sich das nun ändern.

Davon ist zumindest Sibylle Keupen überzeugt. Das von ihr gegründete Aachener Werk- und Bildungszentrum hat in enger Zusammenarbeit mit dem Heerlener Projekt „Art in Contexture“ die Street- und Urban-Art-Aktion unter dem Titel „snapshot – Next Generation Europe“ realisiert.

Graffiti, Breakdance, Foto- und Videografie – mit diesen Schlagworten lässt sich „snapshot“ treffend beschreiben. „Bei unserem deutsch-niederländischen Projekt ging es in erster Linie darum, junge Menschen für Fotografie und Videoaufnahmen zu begeistern und ihnen durch die Kunst ihre eigene und die jeweils andere Stadt näherzubringen“, erklärt Keupen. Dafür zogen 50 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 20 Jahren aus Aachen und Heerlen durch beide Stadtgebiete und hielten beeindruckende Graffiti, Breakdance-Perfomances oder auch urbane Motive per Kamera fest. „Begleitet wurden unsere Teilnehmer dabei nicht nur von professionellen Fotografen, sondern auch von in der Szene bekannten Street- und Urban-Art-Künstlern, die die geschossenen Fotos gemeinsam mit den Jugendlichen auswerteten“, erläutert Keupen die Vorgehensweise.

Städtische Kultur durch Kunst entdecken – eine Idee, die in Deutschland bisher zu kurz kommt, wie Keupen und ihre niederländische Kollegin von „Art in Contexture“, Anna Müller, beobachteten. „In den Niederlanden und besonders in Heerlen ist die Szene sehr groß und bekannt, das ist Aachen noch nicht so der Fall“, findet Müller. Gerade Keupen als deutsche Vertreterin sieht da Handlungsbedarf: „Street-Art belebt das Stadtbild und bringt gerade junge Menschen viel in Kontakt. Zusätzlich wird dadurch die Kreativität gesteigert und der eine oder andere hat vielleicht durch die Workshops im Fotografieren schon seine Leidenschaft entdeckt.“

Little Shao, heute Fotograf und ehemaliger Breakdancer, hat die Workshop-Teilnehmer während der gemeinsamen Zeit begleitet und ist ein weltweit bekannter Künstler. Zusammen mit ihm besuchten die Nachwuchs-Fotografen im August 2019 auch den Höhepunkt der Workshop-Reihe: Das jährlich auf mehreren Bühnen in Heerlen stattfindende Breakdance-Event IBE. In diesem Jahr fällt das Festival aufgrund der Corona-Pandemie flach, Müller berichtet dennoch: „An den Tagen, an denen das Event stattfindet, ist die ganze Stadt eine Bühne und die Begeisterung riesig – ideal für die Kids, um Aufnahmen für unsere Ausstellung zu machen.“ Keupen ergänzt: „Dieses Festival ist in Aachen leider viel zu wenig bekannt, was ein weiteres Indiz für die vergleichsweise wenig vorhandene Street- und Urban-Art-Infrastruktur ist.“

Mithilfe von „snapshot“ soll das jetzt anders werden, und Keupen denkt sogar noch weiter. Gemeinsam mit Fotograf Jo Magrean, der zudem auswählte, welche Fotos der Jugendlichen ab jetzt in der Komphausbadstraße zu beobachten sein werden, schwebt ihr eine komplette Umgestaltung des ehemaligen „Lust for Life“-Gebäudes vor: „Es wäre schön, wenn man das leerstehende Gebäude in ein Jugendkulturzentrum verwandeln könnte. Mit Skateranlage auf dem Dach, begrünten Flächen und zahlreichen künftigen Events“, erklärt sie ihre Idee einer „Green Mile“. Mit der Ausstellung hofft sie, darauf aufmerksam zu machen und ist sich eines Vorteils bewusst: „Da wir die Fotos aufgrund von Corona sowieso nur draußen aufhängen können, sind wir an keine sonderlich strikte zeitliche Begrenzung gebunden.“

Darüber hinaus wird die unter anderem vom Kulturministerium NRW und der Stadt Aachen geförderte Fotoausstellung online für die Ewigkeit festgehalten werden: Unter www.snapshotnge.eu können sich Interessierte durchklicken.