Aachen: Straffälligenhilfe Aachen meldet Insolvenz an

Aachen: Straffälligenhilfe Aachen meldet Insolvenz an

35 Jahre nach ihrer Gründung gilt sie längst als soziale Institution in der Region: Jetzt ist die Straffälligenhilfe Aachen (SHA) nachhaltig in finanzielle Schieflage geraten.

Die gemeinnützige GmbH, die vor einigen Jahren aus dem Verein Arbeitskreis Straffälligenhilfe hervorgegangen ist, hat Insolvenz anmelden müssen. Hintergrund sind juristische Auseinandersetzungen um Sozialversicherungsbeiträge für freiberufliche Mitarbeiter. Zum Insolvenzverwalter ist der Aachener Anwalt Frank Graaf bestellt worden.

Gehälter werden weiter gezahlt

„Wir arbeiten jetzt sehr vertrauensvoll mit Herrn Graaf zusammen, ich gehe in jedem Fall davon aus, dass wir das Verfahren zu einem positiven Abschluss bringen“, erklärte SHA-Geschäftsführer Martin Czarnojan am Donnerstag auf Anfrage. Die Gehälter für die 24 hauptamtlich angestellten Mitarbeiter würden weiter gezahlt. „Der Geschäftsbetrieb läuft in vollem Umfang weiter“, betonte Czarnojan.

Bereits 2015 hatte die Rentenversicherung die Zahlung von Beiträgen für Honorarkräfte gefordert, die im Zusammenhang mit Angeboten für betreutes Wohnen von Haftentlassenen für die Straffälligenhilfe im Einsatz waren. Die Auseinandersetzung rund um den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit endete seinerzeit vor dem Aachener Sozialgericht. „Im Urteil wurde unsere Position zunächst auch bestätigt“, so Czarnojan.

In zweiter Instanz habe das Landessozialgericht den Spruch jedoch zulasten der Straffälligenhilfe revidiert. Nach einer Einzelfallprüfung sei das Urteil rechtskräftig geworden, die SHA habe daraufhin die geforderte Nachzahlung geleistet. „Der Rentenversicherer geht jetzt aber davon aus, dass die Forderungen für sämtliche Honorarkräfte rückwirkend beglichen werden müssen“, sagte Czarnojan.

Dies betreffe eine Reihe von freien Mitarbeitern, die bis 2015 über mehrere Jahre hinweg ausschließlich im Bereich des betreuten Wohnens im Einsatz gewesen seien. Auch dort seien inzwischen ausschließlich Festangestellte beschäftigt. Die Beratungsstelle für Haftentlassene und deren Angehörige sei von dem Verfahren nicht betroffen. „Unsere Klienten werden weiterhin im gewohnten Umfang betreut“, so Czarnojan.

Bei der SHA engagieren sich derzeit auch zahlreiche Ehrenamtliche. Sie stehen Gefangenen und Haftentlassenen in der JVA Aachen und in der Jugendhaftanstalt Heinsberg bei der Resozialisierung zur Seite. Freiberufliche Mitarbeiter beschäftige die Initiative seit 2015 nicht mehr, sagte Czarnojan.