Strabag und Stadt Aachen unbesorgt wegen Chemikalie im Straßenbau

Diskussion um Titandioxid : Granulat soll im Straßenbau unbedenklich sein

Titandioxid, das als Bestandteil des neuen schadstoffmindernden Asphalts auf dem Adalbertsteinweg aufgebracht worden ist, wird in vielen Bereichen der Industrie verwendet, auch in Zahnpasta, Kosmetik oder Farben. Doch der Stoff ist nicht unumstritten, da er krebserregend sein könnte.

Ist der schadstoffmindernde Asphalt, den die Firma Strabag gerade im Auftrag der Stadt am Adalbertsteinweg eingebaut hat, eventuell gesundheitsgefährdend? Einige Leser hatten diesbezüglich ihre Sorgen geäußert, weil der neue Asphalt unter anderem Titandioxid enthält – einen in der Industrie seit Jahrzehnten eingesetzten Stoff, der aber in Frankreich und auf europäischer Ebene seit wenigen Jahren als eventuell krebserregend eingestuft wird. Zumindest unter bestimmten Bedingungen.

„‚ClAir-Asphalt’ nutzt Titandioxid als Photokatalysator zum Abbau von giftigen Stickoxiden in der Luft direkt an der Fahrbahnoberfläche“ erklärt Birgit Kümmel von der Strabag-Pressestelle. Bei diesem Prozess werde der Stoff weder verbraucht noch systematisch freigesetzt. Das Titandioxid sei vor und nach dem Einbau der Asphalt-Deckschicht „fest und dauerhaft eingebunden im Beton-Granulat“.

Die Firma argumentiert also: Das Titandioxid könne weder eingeatmet noch über die Haut aufgenommen werden. Außerdem seien nur sehr geringe Mengen nötig, damit der Katalysator seine Wirkung entfalten kann: „Der Titandioxid-Anteil liegt bei unter einem Prozent“, sagt Kümmel. Entsprechend zu vernachlässigen sei auch der Abrieb im Zuge der Asphaltabnutzung. Es bestehe keinerlei Gefahr, dass Menschen in Straßennähe die gelösten Kleinteilchen als Mikropartikel einatmen, betont die Strabag, da der Stoff in Sekundenschnelle eine feste Verbindung mit den Sauerstoffmolekülen der Luft eingeht.

Auch auf Seiten der Stadt hält man Titandioxid im Straßenbau für unbedenklich. Aus dem Presseamt heißt es aber auch, dass es sich bei dem neuen Asphalt am Adalbertsteinweg um einen Test handelt und man erst einmal schauen müsse, ob die gewünschten Ziele – Luftreinhaltung und eventuelle Lärmminderung – überhaupt erreicht werden. Aachen ist eine der ersten Städte bundesweit, in denen die Strabag solchen Asphalt verbaut.

Das Risikobewertungskomitee der europäischen Chemikalienagentur hatte 2017 Titandioxid als „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ eingestuft und war damit einem Vorschlag aus Frankreich gefolgt. Man kam zu dem Ergebnis, dass Titandioxid dann krebsverdächtig ist, wenn es eingeatmet wird. Die Regierung Frankreichs hat in diesem Jahr beschlossen, Titandioxid ab 2020 zumindest für Lebensmittel zu verbieten.

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