Aachen: Stickoxide bereiten der Stadt Kopfschmerzen

Aachen : Stickoxide bereiten der Stadt Kopfschmerzen

Es könnte alles so schön sein. Aachen liegt nicht in einem Ballungsgebiet, Schwerindustrie gibt es auch keine. Dummerweise aber liegt Aachen in einem Talkessel. Und je nach Wetterlage gibt es kaum Luftaustausch.

Deswegen hat Aachen Probleme, die in NRW sonst fast nur Metropolen oder das Ruhrgebiet haben: Es sind zu oft zu viele Schadstoffe in der Luft. Allerdings: „Die Luftqualität hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert“, sagen Umweltdezrnentin Gisela Nacken und Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt.

So liegt Aachen bei den Feinstaubwerten im Jahresmittel unter den von der EU vorgegebenen Grenzen. Zwar wurde die gesetzliche Höchstzahl der Tage, an denen die Feinstaubwerte erhöht sein darf, vergangenes Jahr — wie zuvor nur 2009 — überschritten. Doch dafür sei die „Aquis Plaza“-Baustelle verantwortlich. Das werde in Absprache mit den Aufsichtsbehörden als „Sondereffekt“ herausgerechnet, wodurch man dann doch unter der Marke von 35 Tagen lande. Diese Baustelle sei zeitlich begrenzt und könne nicht generell in die Analyse der Luftqualität einbezogen werden.

Habe man sich anfangs ohnehin sehr stark auf den Feinstaub fokussiert, so sei das mittlerweile durchaus etwas anders gelagert. Denn Kopfschmerzen bereiten Nacken und Meiners nunmehr die Stickoxid-Werte. Zwar sei auch hier ein kontinuierlicher Rückgang zu erkennen, aber im Jahresmittel liegen die Werte rund 20 Prozent jenseits des Erlaubten. Ab 2015 schreibt die EU zwingend die Einhaltung des Grenzwerts vor. Aachen wie auch die meisten anderen betroffenen Städte könnten dies aber nicht schaffen, so Meiners. Vielmehr geht man in Aachen davon aus, im Jahr 2020 im unbedenklichen Bereich zu sein.

Die Stadt will jedoch mit weiteren Maßnahmen gegensteuern. So sehen Nacken und Meiners Aachens Luftreinhalteplan als Erfolgsmodell. Er sei effektiver als die Umweltzonen in anderen Städten. Aachen durfte mit Genehmigung der Bezirksregierung damals den Weg des Reinhalteplans wählen, was in Städten mit Umweltzonen argwöhnisch beäugt wird. Im ersten Teil des Plans wurde zum Beispiel die verschäfte Verordnung für Abgaswerte von Kaminöfen, die bei den Feinstaubwerten eine große Rolle spielen, durchgesetzt — die schärfste ihrer Art landauf, landab. Zudem sind nach der Einschätzung von Meiners dank der Jobticket-Offensive mittlerweile 1500 Menschen vom Auto auf den Bus umgestiegen. Auch beim Radverkehr wurde einiges investiert.

Ab Herbst sollen im „Luftreinhalteplan 2.0“ neue Maßnahmen für 2014 bis 2018 folgen, die noch von der Politik beraten werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel Trassen nur für Busse oder Radfahrer. Die Aseag-Flotte soll weiter umweltfreundlich modernisiert werden. Und: Fremdfirmen, die im Auftrag der Aseag fahren — ein Drittel aller Fahrten — sollen ebenfalls bestimmte Standards erfüllen. Wer dies nicht tue, soll von weiteren Aufträgen ausgeschlossen werden. Das sei eine „harte Nummer“, so Meiners, werde aber in anderen Städten bereits praktiziert.

In Sachen Stickoxid geht es ingesamt um den Kfz-Verkehr, der für die hohen Werte großteils verantwortlich sei. So soll denn auch zum Beispiel weiterhin der Radwegeausbau forciert werden. Zudem sollen 10 000 Bäume übers Stadtgebiet verteilt gepflanzt werden. Das soll deutlich mehr bringen als die Umweltzone. Schon jetzt seien die meisten Autos und immer mehr Lkw mit grünen Plaketten unterwegs. Viel Potenzial zur Verbesserung der Luftqualität gebe es da also nicht. Erarbeitet werde der neue Luftreinhalteplan wieder im breiten Schulterschluss, so Gisela Nacken. Die Umweltverbände beispielsweise seien mit im Boot. Deren Forderung nach Tempo 30 etwa auf der Wilhelmstraße wurde Freitag allerdings nicht erwähnt. Auch die Aseag, die IHK, die Handwerkskammer und der Einzelhandelsverband würden in die Überlegungen einbezogen.

Mehr von Aachener Zeitung