Aktion Dreikönigssingen: Sternsinger sammeln für Kinder im Libanon

Aktion Dreikönigssingen : Sternsinger sammeln für Kinder im Libanon

Damit Kinder im Beiruter Stadtteil Bourj Hammoud lernen und spielen können, organisiert die Caritas ein Nachmittagsprogramm.

„Mädchen sind auf jeden Fall friedlicher als Jungen“, sagt Rabella, und lacht. „Jungen spielen mit Spielzeugwaffen oder prügeln sich auf dem Schulhof.“ Die Achtjährige wohnt in Bourj Hammoud, einem Stadtteil der libanesischen Hauptstadt Beirut. Überall gibt es Geschäfte, die Plastikpanzer und Spielzeugwaffen verkaufen. Mit der Plastikversion der Waffen, die im Libanonkrieg vor rund 30 Jahren zum Kämpfen eingesetzt wurden, spielen heute schon Kindergartenkinder. Passend dazu gibt es kleine Plastiksoldaten oder Soldatenuniformen in Kindergrößen zu kaufen. „Aber ich spiele am liebsten mit Puppen oder mit meiner Hündin Kira“, erzählt Rabella.

Pia Lehmler, Antonia Reinhold, Pia Hamm und Sophie Elisabeth Breuer aus Herzogenrath feiern als Sternsinger mit Papst Franziskus den Neujahrsgottesdienst. Foto: Robert Baumann / Kindermissionswerk

Das Mädchen weiß, dass die vielen Einschusslöcher in den Mauern ihrer Heimatstadt noch aus der Zeit stammen, als im Libanon Krieg herrschte. Von Granateinschlägen durchlöcherte Gebäude sind bis heute Mahnmale des Bürgerkriegs. Als Rabella zur Welt kam, war der Krieg zum Glück lange zu Ende. „Frieden ist, wenn kein Krieg ist“, sagt Rabellas Freund Raman, aber auch für den Neunjährigen sind beide Wörter eher abstrakte Begriffe.

Auch darüber, was in der syrischen Heimat ihrer Eltern derzeit passiert, wissen die beiden nichts. Dabei ist die Grenze zu Syrien weniger als hundert Kilometer entfernt. Die Eltern von Rabella und Raman sind schon vor vielen Jahren in den Libanon gekommen, lange bevor der Krieg in Syrien begann. In Bourj Hammoud leben viele Armenier, aber auch Libanesen, syrische und irakische Flüchtlinge und Arbeitsmigranten aus Asien und Afrika. Und es gibt viele verschiedene Glaubensrichtungen. Über Lautsprecher schallt das christliche Angelusgebet mittags genauso durch die Straßen wie der Gebetsruf des Muezzins.

Doch das scheinbar friedliche Miteinander der multikulturellen Gesellschaft trügt. Rund 150.000 Menschen wohnen auf einer Fläche von 2,5 Quadratkilometern, was Bourj Hammoud zu einem der am dichtesten besiedelten Orte des Nahen Ostens macht – mit vielen sozialen Problemen. Im Straßenverkehr, wenn der Nachbar zu laut Musik hört oder wenn es um die Frage der syrischen Flüchtlinge geht – schnell kann eine Bagatelle eskalieren. „Die syrischen Flüchtlinge sind schuld“, sagen wütende Libanesen. „Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg, und die Mieten werden ihretwegen immer teurer.“

Spielplätze sucht man in den engen, verwinkelten Straßen von Bourj Hammoud vergeblich. Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder draußen spielen zu lassen. Auch Rabella und Raman verbringen viel Zeit zuhause, schauen YouTube-Videos oder Kinderfernsehen. Die Nachmittagsbetreuung der Caritas ist für die beiden eine willkommene Abwechslung. In den Räumen einer christlichen Schule treffen sich nachmittags rund hundert Jungen und Mädchen aus dem Stadtviertel. Dabei spielt es keine Rolle, woher die Kinder kommen oder welcher Religion sie angehören. Auch für Rabella und Raman ist das völlig egal. Während Rabella in einer christlichen, libanesisch-syrischen Familie aufwächst, stammen Ramans Eltern aus Syrien und sind Muslime.

Unterstützung der Sternsinger

Zwei Stunden lang lernen und spielen die Kinder im Caritas-Nachmittagsangebot, das von den Sternsingern unterstützt wird, in friedlicher Atmosphäre. Rabella und Raman sitzen im Klassenzimmer nebeneinander. Heute üben die beiden Drittklässler das Rechnen mit Längenmaßen, und schwierige Aufgaben lösen sie gemeinsam. Die Schule macht Rabella und Raman Spaß. Aber wenn die Hausaufgaben erledigt sind, kommt der schönere Teil: die Freizeit. Dann können die Kinder im Caritas-Zentrum spielen, tanzen oder basteln. Auch Aktivitäten zu Kinderrechten und Friedensförderung stehen auf dem Programm.

Im Filmprojekt „Schule ohne Gewalt“ haben die Kinder zum Beispiel gemeinsam mit einem Filmemacher einen Film zum Thema Mobbing und Gewalt an Schulen produziert. Sie haben selbst das Drehbuch entwickelt und die Figuren entworfen. Um diese wichtigen Themen auch in die Gesellschaft zu tragen, beziehen die Organisatoren bei regelmäßigen Frühstücken und Ausflügen auch die Eltern mit ein. So lernen sie mehr über die Kinderrechte und die Herausforderungen, denen sich ihre Kinder stellen müssen, können sich aber auch gegenseitig besser ­kennenlernen und Vorurteile abbauen.