Aachen: Steilpass in Sachen Integration

Aachen: Steilpass in Sachen Integration

Es herrscht reges Treiben in der Turnhalle Eintrachtstraße. Eine Handvoll Grundschülerinnen liefert sich ein hitziges Fußball-Duell. Das mutet zuweilen so chaotisch an, dass man die junge Frau inmitten des kreischenden Pulks leicht übersieht.

Hevidar Acar absolviert seit vier Monaten ein freiwilliges soziales Jahr beim „Aachener Förderverein Integration durch Sport“. Im Rahmen des landesweiten Projekts „Mädchen mittendrin“ organisiert sie Fußball-AGs an vier Grundschulen, vornehmlich für Kinder mit Migrationshintergrund. Doch um ein Haar hätte ihr Engagement ein jähes Ende gefunden. Die Mittel, die vonnöten sind, um eine FSJlerin zu beschäftigen, wurden bislang zum Großteil von der Stadt bereitgestellt. Leere Kassen sind der Grund dafür, dass dieser Zuschuss nun wegfällt. Eine Katastrophe, findet Fördervereinsmitglied Uschi Brammertz. „So etwas Wertvolles darf nicht den Bach runtergehen.“ Dieser Meinung war auch Vereinsvorsitzender Hans Georg Suchotzki, der sich sogleich auf Sponsorensuche begab.

Fündig wurde er im Aachener „Kiwanis Club“, einer Organisation, die zahlreiche Kinderhilfsprojekte unterstützt. „Diese Fußball-AGs stellen eine gelungene Einführung in das hiesige Leben für Menschen mit Migrationshintergrund dar“, begründet Kiwanis-Vizepräsident Leo Savelsbergh die Spende in Höhe von 3000 Euro. „Völlig richtig“, meint Suchotzki. „Der Sport eignet sich bestens, um Mädchen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben.“ Gerade in Zuwandererfamilien sei das Fußballspielen häufig den Jungen vorbehalten, Mädchen blieben außen vor. Aber nicht nur den AG-Teilnehmern wolle man unter die Arme greifen, es gehe auch darum, den FSJlerinnen den Berufseinstieg zu erleichtern. „Danach sind die Mädels gestärkt für eine neue Lebensperspektive“, sagt Brammertz. „Wir öffnen Horizonte.“

Im Falle von Hevidar Acar stimmt das. Sie habe nach der Schule nicht gewusst, wie es weitergehen sollte, erzählt sie. „Am liebsten wollte ich etwas mit Kindern und Sport machen.“ Mit ihrer jetzigen Tätigkeit sei sie sehr zufrieden. Neben den Fußball-AGs geht sie zweimal pro Woche mit den Grundschülerinnen schwimmen, mittwochs wird gemeinsam gekocht. „Das macht total Spaß“, sagt sie. Und ist obendrein sehr sinnvoll, findet Brammertz. „Unser Augenmerk liegt stets auf den Schwächsten der Gesellschaft. Wir nehmen jedes Kind mit.“

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