Steht Julia Klöckner vor einem Karrieresprung aus dem AKV-Käfig?

Karrieresprung nach Käfig-Auftritt : Sonnige Aussichten für viele AKV-Ritter

Nach der AKV-Ordensverleihung wider den tierischen Ernst geht es für etliche Politiker bergauf. Die Geschichte ist reich an Paradebeispiele und Pleiten: Klöckner, Lindner, Söder, Kramp-Karrenbauer und viele mehr...

Im Narrenkäfig trennt sich die Spreu vom Weizen. Für Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist das natürlich keine Überraschung. Aber womöglich fragt sich die buchstäblich bauernschlaue Bundespolitikerin, ob ihr Auftritt beim Aachener Karnevalsverein (AKV) am kommenden Samstagabend (Ausstrahlung in der ARD am Montag, 18. Februar, 20.15 Uhr) als neue Ordensritterin wider den tierischen Ernst irgendwelche Früchte trägt.

Denn etliche Ordensritter erlebten nach der närrischen Kür im Aachener Eurogress – und vor etlichen Millionen Fernsehzuschauern – einen echten Karrieresprung. Dafür gab es zuletzt einige prominente Beispiele, wie der AKV jetzt im Rahmen tatsächlicher ausschweifender Landschaftsmalerei zum 160. Geburtstag aus der Vogelsperpektive erkannte (dazu später mehr).

Denn rein objektiv gesehen sieht der Aufstieg so aus: Markus Söder wurde 2016 als bayrischer Finanzminister AKV-Ordensritter – und ist nun seit 2018 bayrischer Ministerpräsident. Annegret Kramp-Karrenbauer zeichnete der AKV 2015 als saarländische Ministerpräsidentin mit der Ritterwürde aus – sie wurde 2018 erst Generalsekratärin und dann Angela Merkels Nachfolgerin als CDU-Parteivorsitzende. Christian Lindner wurde einige Monate nach seiner Ritter-Nominierung zum FDP-Vorsitzenden gewählt – und eilt seitdem von Wahlsieg zu Wahlsieg. Guido Westerwelle stieg als FDP-Generalsekretär in den Narrenkäfig – er wurde später Außenminister und Vize-Kanzler.

Aufstiegskandidaten: Für Annegret Kramp-Karrenbauer und Christian Lindner ging es aus dem AKV-Narrenkäfig die Karriereleiter weiter hoch. Foto: HARALD KROEMER

Oder noch früher: Johannes Rau (1986) stieg vom NRW-Ministerpräsidenten bis zum Bundespräsidenten auf. Ähnlich Walter Scheel (1974): Er zog noch im selben Jahr als Präsident in die Villa Hammerschmidt ein. Helmut Schmidt (1972) wechselte vom Verteidigungsminister zum Bundeskanzler. Und sein österreichischer Kollege Bruno Kreisky (1961) war danach von 1979 bis 1983 der Kanzler Österreichs. Es gibt noch einige Beispiele mehr bei bislang 69 Verleihungen. Sieht man mal von Kandidaten wie Edmund Stoiber (2000) ab, der danach als Kanzlerkandidat an Boden verlor – oder Cem Özdemir (2013), den Lindners Regierungsabsage der JamaiKa-Koalition im Jahr 2017 wahrscheinlich das Außenministeramt kostete.

„Grundsätzlich darf man feststellen, dass der AKV-Elferrat gerade bei den politischen Rittern ein hervorragendes Händchen hat“, freut sich AKV-Präsident Werner Pfeil. Die allermeisten klettern auf der Karriereleiter nach oben. „Ich würde nicht sagen, dass unser Narrenkäfig ein Sprungbrett ist. Aber wenn man ihn beherrscht, schadet er sicher nicht auf dem weiteren Weg“, sagt Pfeil. Er kennt die Herausforderung, auch weil der AKV-Präsident selbst als Anwalt und seit 2017 als Landtagsabgeordneter über politische Befindlichkeiten bestens Bescheid weiß.

Tritt am Samstag in die Bütt: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Foto: Andreas Steindl

Nur dem AKV gelingt es, prominente Politiker (die in der Regel jecke Amateure sind) reihenweise auf die närrische Bühne zu lotsen. „Darauf darf man stolz sein“, bekräftigt Pfeil. Nicht jedem gelingt der Rollenwechsel, auch der diesjährigen Ritterin Klöckner ist das bewusst. Sie war bereits 2015 im Programm der AKV-Ordenssitzung. Als „Christel von der Post“ reiste die Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz im Jahr 2018 erneut nach Aachen – und kehrt nun, wie beschrieben, als Landwirtschaftsministerin zurück.

Apropos: Ihr wird besonders gefallen, was der AKV-Elferrat gerade erst auf ein riesiges Feld bei Monschau-Mützenich gestampft hat. In fünfstündiger Fußarbeit stapften die vermeintlichen Lackschuh-Karnevalisten unter Federführung von Landart-Künstler Martin Stockberg und AKV-Elferrat David Lulley einen 80 mal 80 Meter großen AKV-Sessionsorden in den Schnee. Mit einer Drohnenkamera wurde das Kunststück von oben aufgezeichnet – in bewegten Bildern zu sehen natürlich auch bei der Ordensverleihung.

Stellte sich als König Ludwig dem Aachener Publikum: Markus Söder. Foto: Andreas Steindl

Dort wird es neben bewährten Kräften aus der Politik (zum Beispiel Winfried Kretschmann, Grüne; Katharina Barley, SPD; Nicola Beer, FDP, Paul Ziemiak, CDU), vielen Aachener Fastelovvends-Freunden wie Prinz, Prinzengarde, Ex-Prinzenkorps, Sarah Schiffer, Kurt Christ, De Originale und 4 Amigos auch bekannte Comedy-Stars ins Rampenlicht locken: Ingo Appelt, Bernd Stelter, Hastenraths Will und erstmals WDR2-Moderatorin Steffi Neu treten auf.

Da werden Erinnerungen wach. Friedrich Nowottny (1984) erhielt als Bonner Chefkorrespondent der ARD den Orden. Er wurde 1985 WDR-Intendant und 1991 schließlich ARD-Vorsitzender. Keine schlechten Aussichten – in der Winterlandschaft von Mützenich und neben dem AKV-Narrenkäfig. Und vielleicht ackert sich Klöckner ja auch noch zu Kanzlerkandidatin hoch...

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