Aachen: Steht das Projekt „Blue Gate“ nun am Scheideweg?

Aachen: Steht das Projekt „Blue Gate“ nun am Scheideweg?

Ein Großprojekt, an dem kaum noch ein Politiker ein gutes Haar lässt, ein Sozialdemokrat als einsamer Investorenfürsprecher, ein Planungsdezernent, der sich auch auf eindeutige Aufforderung hin kein Urteil über die architektonische Qualität erlauben will, und schließlich interfraktionelle Flurgespräche vor der Abstimmung.

Die Beratungen über das Bauprojekt „Blue Gate“ am Hauptbahnhof trieben im Planungsausschuss mitunter seltsame Blüten.

Und sie endeten mit einem heftigen Dämpfer für die Projektverantwortlichen: Einstimmig verweigerte die Politik den Offenlagebeschluss für den Bebauungsplan zu dem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke. Stattdessen wurde auf Antrag von Grünen, Linken, FDP und Piraten eine lange Mängelliste erstellt, die die Verwaltung nun mit den „Blue Gate“-Planern abarbeiten muss.

Damit steht das Projekt, in das die deutsch-niederländische Blue-stone GmbH mit der Rüsselsheimer Merkur Holding nach eigenen Angaben 70 Millionen Euro für Bürotürme, 300 Studentenappartements und ein Hotel investieren will, möglicherweise am Scheideweg. „Ich kann einen Tag danach nicht sagen, was das für unser Vorhaben bedeutet“, wurde Marcus Hientzsch, Geschäftsführer der Merkur Holding, am Freitag von der Nachricht aus Aachen „völlig überrascht“.

Man verhandele seit drei Jahren mit der Verwaltung und habe den Signalen vertraut, dass man einen Konsens gefunden habe. Der ins Auge gefasste Zeitplan, im Sommer mit dem Bau zu beginnen, sei nun wohl nicht mehr zu halten, beklagt Hientzsch. „Das ist paradox, denn wir stehen bereit, den Bauantrag einzureichen.“ Nun müsse man erst einmal überlegen, wie es weitergehe, aber es sei schon „sehr erstaunlich, in solch einer Situation diese Vorwürfe und solch einen Beschluss zu bekommen, wo wir solch eine Summe investieren wollen“.

Allerdings war der Ärger im Planungsausschuss ebenfalls groß, und das nicht nur bei der Opposition, sondern auch in der CDU. Seit Jahren schiebe man eine „Bugwelle von Problemen“ vor sich her, monierte Alexander Gilson. Immer wenn man vorne ein Problem löse, tue sich hinten ein neues auf. Einzig Norbert Plum (SPD) nahm wiederholt den Investor in Schutz, was ihm heftige Vorwürfe des grünen Ratsherrn Michael Rau eintrug. Rau forderte im Übrigen auch ein Statement von Aachens „oberstem Planer“ Werner Wingenfeld zur architektonischen Qualität des Projekts ein — woraufhin der Dezernent, der auch den Titel Stadtbaurat trägt, es vorzog zu schweigen.

Plum wiederum war zunächst als einziger der Meinung, die strittigen Punkte im weiteren Planverfahren klären zu können, was ihm vom Ausschussvorsitzenden Harald Baal (CDU) eine Belehrung eintrug: Sinn einer öffentlichen Auslegung sei nämlich, ein Projekt so zu zeigen, wie es gebaut werden solle. Details könne man danach noch ändern, „schwerwiegende Fragen“ müsse man vorher klären.

Und da fällt einiges ins Gewicht, beispielsweise schon der generelle Stand der Planung: Von „Zumutung“ über „Unding“ bis hin zu „Entsetzen“ reichten im Ausschuss die Reaktionen auf die Pläne, die überdies nur „fragmentarisch“ seien. Die „Blue Gate“-Macher müssen nun vollständige Ansichten zu den fünf bis zu siebengeschossigen Baukörpern sowie ein Modell vorlegen. Und sie sollen die Änderungswünsche des Architektenbeirats umsetzen und dort ihr Projekt erneut vorstellen.

Verkehr: Der Mobilitätsausschuss soll noch einmal über die „Kiss & Ride“-Zone, die als zu eng, und über das Fahrradparkhaus, das als zu klein angesehen wird, beraten. Außerdem will die Politik das Gutachten, mit dem die nötigen Pkw-Stellplätze zuletzt von 330 auf 275 reduziert wurden, sehen.

Sozialer Wohnungsbau: Lage und Zahl der öffentlich geförderten Wohneinheiten sollen verifiziert werden. Eigentlich soll sie an anderer Stelle, aber innerhalb des Grabenrings gebaut werden. Nach AZ-Informationen ist aber ein Grundstück außerhalb — am Drosselweg — im Gespräch, allerdings noch nicht im „Blue Gate“-Besitz.

Wie es weitergeht? Am Ende ergriff der Dezernent dann doch noch das Wort. Er könne „den Klärungsbedarf nachvollziehen“, sagte Wingenfeld, und werde versuchen, „das zeitnah mit dem Investor zu klären“.

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