1. Lokales
  2. Aachen

Energiekosten: Stawag dreht weniger stark am Gaspreis

Energiekosten : Stawag dreht weniger stark am Gaspreis

Aufgrund der geplanten reduzierten Mehrwertsteuer und des Wegfalls der Gasumlage steigen die Tarife für die Gasversorgung bei der Aachener Stawag weniger drastisch als zunächst vorgesehen.

Der sogenannte „Abwehrschirm gegen die Folgen des russischen Angriffskrieges“, der Privathaushalte und Unternehmen vor zu hohen Energiekosten schützen soll, sorgt dafür, dass die anstehende Teuerung bei den Gaspreisen in der Region auch bei regionalen Versorgern wie der Stawag weniger drastisch ausfällt als zunächst befürchtet.

Teil des Paketes ist eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Erdgas von 19 Prozent auf sieben Prozent bis zum Frühjahr 2024. Auch auf die ursprünglich geplante Gasbeschaffungsumlage soll nun verzichtet werden.

„Eine Umlage, die nicht mehr gültig ist, wird von uns selbstverständlich nicht erhoben“, sagt Andreas Maul, Vertriebsleiter bei der Stawag, mit Blick auf die zum 1. November geplante Tariferhöhung. „Auch berechnen wir dann automatisch nur noch sieben Prozent statt 19 Prozent Mehrwertsteuer für Erdgas. Wichtig ist uns jedoch: Energiesparen bleibt weiter das Gebot der Stunde. Dies schont nicht nur das Klima und den eigenen Geldbeutel, vielmehr stabilisiert es auch die nationale und europäische Versorgungssicherheit.“

Die Stawag hatte im September eine Preiserhöhung zum November angekündigt, die zu einem großen Teil auf neue und höhere staatliche Umlagen zurückzuführen war. Nun wird für alle Produkte und über alle Verbrauchsstufen die geplante Preiserhöhung um die Gasumlage reduziert. Sowohl für Gas- als auch für Fernwärmeverträge setzt die Stawag damit ab dem 1. Oktober automatisch eine reduzierte Mehrwertsteuer von sieben Prozent an. Beide Regelungen stehen unter dem Vorbehalt, dass die Initiative der Bundesregierung noch die letzten rechtlichen Hürden nehmen muss.

Was bedeutet das für die Kunden konkret? Im Sondervertrag „GasSTAR Plus“ beispielsweise erhöhen sich ab November bei einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden wie in einem größeren Einfamilienhaus die Kosten pro Jahr um 516 Euro auf knapp 2479 Euro jährlich (statt wie ursprünglich geplant 3275 Euro).

Bei einem Verbrauch von 12.000 Kilowattstunden jährlich – wie in einer größeren Wohnung – steigen die jährlichen Kosten um 339 Euro auf rund 1707 Euro (zuvor waren 2245 Euro angesetzt). Alle Werte sind Brutto-Angaben, also inklusive Mehrwertsteuer gerechnet.

Der Aachener Energieversorger rät dennoch dringend dazu, die eigenen Energieverbräuche unter die Lupe zu nehmen. Unter www.stawag.de/energiefragen finden Interessierte Energiespartipps, Beratungsangebote und Förderprogramme der Stawag.

Schließlich ist die Lage an den Energiemärkten weiterhin sehr angespannt, weiß auch Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands Aachen-Düren-Köln – auch wenn die jüngst versandten Infobriefe der Stawag zur ursprünglich kalkulierten Kostensteigerung inzwischen schon wieder Makulatur sind. „Aus unserer Sicht dürfte die gebremste Preiserhöhung trotz allem eher einen psychologischen Effekt haben“, meint Hamel. „Denn nach wie vor besteht natürlich eine große Unsicherheit im Hinblick auf die allgemein drastisch steigenden Lebenshaltungskosten. Die meisten Menschen üben sich beim Konsum daher wahrscheinlich weiterhin in Zurückhaltung – und darin besteht für die Einzelhändler sicherlich das weitaus größere Problem; gerade jetzt, während das Weihnachtsgeschäft praktisch vor der Tür steht.“

Gleichwohl werde sich der weniger drastische Dreh an der Preisschraube auch für die örtlichen Wirtschaft „durchaus positiv“ auswirken, glaubt Raphael Jonas, zuständiger Geschäftsführer in Energiefragen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. „Von der Mehrwertsteuer ist der Handel selbst zwar nicht betroffen, aber ich denke schon, dass der Wegfall der Umlage viele Menschen dazu bewegt, wieder mehr zu konsumieren“, sagt er. „Trotzdem appellieren auch wir weiter an alle Verbraucher, alle Möglichkeiten zu prüfen, um beim Energieverbrauch zu sparen – im eigenen Interesse, aber auch aus Gründen der Solidarität. Denn nach wie vor weiß niemand, ob es nicht über kurz oder lang zu erheblichen Engpässen vor allem bei der Gasversorgung kommt.“

(red/mh)