Aachen: „Stars ohne Allüren“: Figurentheater ehrt Sozialarbeiter Richard Okon

Aachen : „Stars ohne Allüren“: Figurentheater ehrt Sozialarbeiter Richard Okon

Völlig überraschend ist Richard Okon an Heiligabend gestorben — ein Schock für seine Familie und für viele andere Aachener, die ihn kannten und schätzten. Als Sozialarbeiter und Leiter der OT Josefshaus war Okon allseits bekannt und beliebt, er engagierte sich auf vielfältige Weise vor allen Dingen im und für das Ostviertel. Hunderte kamen Anfang des Jahres zu seiner Beerdigung.

Bis zuletzt hatte Richard Okon sich mit Figurentheater beschäftigt. Begonnen hatte dieses Interesse 1995, als er gemeinsam mit Josef Mönch die Initiative „Stars ohne Allüren“ ins Leben rief. „Sieben Jahre lang zeigten wir bei unserem jährlichen Festival das Beste, was deutschsprachige Figurentheater zu bieten hatten“, erinnert sich Mönch, der bis zum Schluss eng mit Okon befreundet war. „Besonders beliebt waren unsere Erwachsenenstücke. Legendär und unvergessen sind immer noch Aufführungen wie die Marionettenversion von Mozarts Zauberflöte, die grandiosen, aufwendigen Darbietungen der ,Kleinen Bühne‘ aus Aachens Partnerstadt Naumburg und das tieftraurige Stück ,Es war einmal ein Drache‘ des Tandera-Theaters, das eine wahre Geschichte aus dem Konzentrationslager Ravensbrück erzählt.“

Starb an Heiligabend völlig überraschend: Sozialarbeiter und Theatermacher Richard Okon. Foto: Josef Mönch

23 Jahre nach der Gründung und 16 Jahre nach der letzten Aufführung will Josef Mönch diese Erinnerungen und die „Stars ohne Allüren“ an zwei Abenden noch einmal lebendig werden lassen — zu Ehren von Richard Okon. Am Freitag, 13. April, und am Samstag, 14. April, ist es jeweils um 20 Uhr soweit.

Zwei Vorstellungen sind vorgesehen. Am ersten Abschiedsabend für Richard Okon führt das Gingganz-Theater aus der Nähe von Göttingen das Stück „Das Leben geht weiter als man denkt“ auf. In einer kleinen Nachtbar treffen sich jeden Abend die verrücktesten Figuren: gescheiterte Existenzen, Lebenshungrige und Lebenssatte. Man redet und trinkt, man spielt und singt.

Es ist eine Revue durch die Höhen und Tiefen des Lebens, Szenen von abgrundtiefer Heiterkeit werden begleitet von live gespielten Chansons von Edith Piaf, Jacques Brel und anderen Interpreten. Das Stück stammt aus dem aktuellen Repertoire des Gingganz-Theaters, „es scheint für Richard geschrieben zu sein“, verspricht Josef Mönch.

Am zweiten Abschiedsabend wird ein Stück aufgeführt, an das sich mancher vielleicht noch von den „Stars ohne Allüren“ erinnern wird. Es heißt „Don Carlos, der Infanterist von Spanien“ und war Richard Okons erklärtes Lieblingsstück. Es geht um die Intrigen am spanischen Hof und die ach so schweren Probleme von König Philipp von Spanien. Alles echt — in Holz und Pappe. Witzige Figuren, schmissige Musik und urkomische Dialoge lassen fast jeden Satz zum Brüller werden.

Die Abende sind für Freunde und Angehörige von Richard Okon ebenso gedacht wie für diejenigen, die sich an die „Stars ohne Allüren“ erinnern können, und ganz allgemein für Freunde der Kunstform Figurentheater. Ganz egal, wer nun alles kommt, für Josef Mönch wird es auf jeden Fall ein Abschied von Richard Okon. „Unser gemeinsames Wirken für ,Stars ohne Allüren‘ hat uns zusammengeschweißt und zu besten Freunden werden lassen. Den Tränen der Trauer sollen an diesem Abend Tränen des Lachens folgen“, sagt Mönch.

In den Jahren 1995 bis 2002 wurden die Figurentheatertage immer in der Barockfabrik veranstaltet. Dort ist eine solche Veranstaltung heute nicht mehr möglich. Die beiden nun vorgesehenen Aufführungen finden im Bürgerzentrum St. Fronleichnam, Schleswigstraße 15, statt. Die Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam, Trägerin der Einrichtung und bis zu Richard Okons Tod dessen Arbeitgeber, unterstützt die Veranstaltungen.

(red)