Aachen: Stahlfabrik soll zum Dauerbrenner werden

Aachen: Stahlfabrik soll zum Dauerbrenner werden

Die letzten Tänzer haben der allseits begeistert gefeierten „Schrittmacher“-Bühne an der Philipsstraße gerade erst wieder den Rücken gekehrt. Jetzt sind in der ehemaligen Stahlfabrik Strang in Rothe Erde vor allem die Abbau-Experten gefragt. Das soll nicht lange so bleiben.

Jedenfalls nicht, wenn die Träume der Ratsherren Karl Schultheis (SPD) und Simon Adenauer (CDU) reifen sollten: Die „Groko“-Politiker haben im vergangenen November einen Ratsantrag auf den Weg gebracht mit dem Ziel, die über 100 Jahre alte Werkhalle an der Ecke zum Eisenbahnweg fit zu machen für weitere kulturelle Großtaten.

Die Verwaltung möge prüfen, heißt es dort, ob sich der riesige Backsteinbau — knapp 120 Meter lang, 22 Meter breit, rund 15 Meter hoch — in naher Zukunft für Veranstaltungen unterschiedlichster Art herrichten ließe.

Schließlich sei die alte Fabrik mit ihrem nostalgisch-gediegenen Flair und faszinierender Architektur bestens geeignet, sich auch dauerhaft als Publikumsmagnet zu etablieren, glauben die Politiker. Nicht zuletzt über einschlägige Fördermittel aus dem Landestopf ließe sich das ambitionierte Projekt verwirklichen — einen entsprechenden Vorstoß hat Schultheis, seines Zeichens auch Landtagsabgeordneter, bereits gemacht.

Prinzipiell positiv

Auch die Eigentümer des Objekts stehen dem Ansinnen prinzipiell positiv gegenüber — allerdings komme ein Verkauf an die Stadt nicht infrage, erklärte Georg Born auf AZ-Anfrage. Bis 2006 hatte Born den ehemaligen Stahlbaubetrieb als jüngster Spross eines klassischen Familienunternehmens geleitet, dann vermietete er das Haus inklusive des umliegenden Grundstücks gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Vater an die Bühnentechnik-Experten von Artec sowie an das Busreiseunternehmen Elka. „Die Idee gefällt uns aber“, sagt er. „Wir könnten uns vorstellen, das Haus langfristig zu vermieten.“

Ob es soweit kommt, ist allerdings völlig offen. Etliche Fragen rund um die technische Ertüchtigung des betagten Fabrikgebäudes müssen geklärt werden. Die Verwaltung empfiehlt in ihrer Stellungnahme, die jetzt im Kulturausschuss des Rates diskutiert wurde, zudem, eine externe Gesellschaft als Betreiberin ins Boot zu holen.

Allerdings wurden die Pläne dort auch mit gehöriger Skepsis beäugt — nicht nur mit Blick auf die finanziellen Herausforderungen. In keinem Fall dürfe das Projekt beim Kulturbetrieb angesiedelt werden, denn der sei personell und etatmäßig längst mehr als ausgelastet, hieß es. Dennoch sprachen sich die Politiker mit großer Mehrheit dafür aus, zunächst eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen — unter der Voraussetzung, dass auch das Gutachten selbst über entsprechende Fördermittel finanziert werden könne.

Nur die FDP lehnt ab

Lediglich FDP-Ratsfrau Ruth Crumbach-Trommler lehnte das Vorhaben prinzipiell ab. Schließlich verfüge die Stadt nach wie vor selbst über ausreichend Kapazitäten, die Sanierung des Neuen Kurhauses verzögere sich zudem weiter.

Da ergebe es keinen Sinn, im Ostviertel die nächste Großbaustelle zu eröffnen. Simon Adenauer plädierte freilich mit Nachdruck dafür, die Machbarkeit jetzt prüfen zu lassen. Und kann weiter darauf hoffen, dass die Idee sich realisieren lässt. „Wir gehen davon aus, dass entsprechende Fördermittel zur Umsetzung der Studie fließen werden“, erklärte der Leiter des Kulturbetriebs, Olaf Müller.

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