Städteregion wertet Einsatz von Inklusionshelfern als großen Erfolg

Erfolgreiches Pilotprojekt : Inklusionshilfe als Alternative zur Einzelbetreuung

Der Anfang wurde im Spätsommer 2015 mit fünf Schulen gemacht, inzwischen sind schon 13 Einrichtungen beteiligt. Und mit einer der beiden Gesamtschulen in Stolberg soll eine weitere möglichst bald hinzukommen.

Kein Zweifel: „Kobsi“ zieht immer größere Kreise. Das liegt wohl daran, dass hinter dem Pilotprojekt, dem man den wenig verlockenden Namen „Koordinierungs- und Beratungsstelle für schulische Inklusion“ gegeben hat, ein richtiges Erfolgsrezept steckt.

Davon berichten Schulleiter und Verwaltungsvertreter gleichermaßen begeistert. Und Ruth Meyering, Leiterin des städteregionalen Schulamtes, ist mittlerweile so weit, dass sie „Kobsi“ nicht nur als Vorbild im eigenen Verantwortungsbereich sieht. Entsprechend will sie die Entwicklung forcieren, wie sie zuletzt im Schulausschuss betont hat: „Wir müssen jetzt von einem Modellprojekt zu einem tragfähigen Regionsmodell kommen.“ Markus Terodde hatte Derartiges schon vor drei Jahren kommen sehen. Der Bildungsdezernent hatte sich frühzeitig festgelegt und prophezeit, dass das, was die Städteregion da zunächst im kleinen Rahmen anstößt, „ein Teil der NRW-Schulpolitik werden muss“.

Flexibler Einsatz

Zwischen der seit vielen Jahren praktizierten und in den Sozialgesetzbüchern VIII und XII festgeschriebenen Eingliederungshilfe und der Integrationshilfe, wie sie die Städteregion seit kurzem praktiziert, liegen Welten. Die „klassische“ Variante sieht vor, dass Kinder und Jugendliche mit anerkanntem sonderpädagogischem Förderbedarf Unterstützung von einem Schul- bzw. Eingliederungshelfer bekommen, wenn sie eine Regelschule besuchen. Besagter Helfer ist ihnen persönlich (und alleinig) zugeordnet und begleitet sie während eines Teils oder auch der gesamten Schulzeit.

„Kobsi“ hingegen setzt nicht auf eine Eins-zu-eins-Betreuung, sondern auf flexible Inklusionshelfer, die für mehrere und je nach Bedarf auch unterschiedliche Schüler zuständig sind, dem Kollegium angehören und somit auch in inhaltliche und organisatorische Prozesse eingebunden werden.

Das funktioniert nach Angaben der Beteiligten mittlerweile an 13 Schulen hervorragend, wobei sich zu den Grundschulen aus der ersten Projektphase zwischenzeitlich auch fünf weiterführende Einrichtungen gesellt haben (siehe Box). Die Realschule Baesweiler und die Sekundarschule Simmerath sollen jetzt sogar weitere personelle Unterstützung erhalten: Schafft es die Städteregion, den einstimmigen Beschluss des Kinder- und Jugendhilfeausschusses bis zum Jahresende umzusetzen, wird dort ab Februar jeweils ein zusätzlicher Inklusionshelfer seine Arbeit aufnehmen.

Die Finanzierung ist, wie in den anderen Fällen auch, über die Inklusionspauschale des Landes gesichert. Nicht nur für das laufende Schuljahr, sondern mindestens bis Ende 2020. Wie es mittelfristig weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Denkbar wäre, dass Ausgaben für die Inklusionshilfe in Zukunft durch Einsparungen bei der Eingliederungshilfe kompensiert werden. Dass es solche Einsparungen schon jetzt gibt, davon ist man in der städteregionalen Verwaltung überzeugt. Konkret bezifferbar sind sie aber noch nicht. Ganz im Gegenteil zu den Kosten, die in der Städteregion für Schulbegleiter anfallen. Die sind entsprechend der steigenden Zahl von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen deutlich in die Höhe gegangen: von 5,18 Millionen im Schuljahr 2013/14 auf 8,3 Millionen Euro im vergangenen Schuljahr – aktuelle Tendenz weiter steigend.

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