Die Woche in Aachen: Städteregion oder: Georgs Reste-Rampe

Die Woche in Aachen: Städteregion oder: Georgs Reste-Rampe

Nur 35 Prozent Beteiligung an der Städteregionsratswahl am vergangenen Sonntag. Woran liegt’s? Warum mögen viele Menschen diese Städteregion Aachen nicht? Oder: Warum kennen sie sie kaum?

Schwierige Fragen, auf die es gilt, Antworten zu finden. Und aus diesem Grunde werden Menschen in politische Ämter gewählt. Um Antworten zu geben auf Fragen, die gestellt werden könnten. Einer, der ein solches Mandat hat, ist Georg Helg. Seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der FDP im Städteregionstag. Der hat jetzt erkannt, wer an der Misere Schuld trägt: die Presse im Allgemeinen und die Tageszeitungen im Speziellen. Weil die, so Helg, „die Aachener Bürger ständig über die Zugehörigkeit der Stadt Aachen zur Städteregion“ verunsichern. Das hat Helg jetzt dem ehemaligen Leiter des städtischen Presseamtes, Hans Poth, geschrieben, der seinerseits wiederum doch gewissen Zweifel an Sinn und Zweck dieser Städteregion öffentlich geäußert hatte. Ganz subjektiv natürlich.

Tja, die böse Presse. Seit Jahren boykottieren wir also, glaubt man dem Vorsitzenden der liberalen Drei-Mann-Fraktion, die Aufklärung und Information der Menschen darüber, dass Aachen Teil der Städteregion Aachen ist und was in dieser Städteregion so alles an zukunftsweisenden Dingen auf den Weg gebracht wird. Asche auf unser Haupt! In der Tat haben wir trotz investigativster Recherche noch nicht ans Tageslicht fördern können, wie denn nun der Teil der Städteregion, der früher Kreis Aachen genannt wurde, heute heißt. Also die Städteregion Aachen ohne die Stadt Aachen! Alt-Kreis? Nein! Kein politisch Verantwortlicher würde diesen Begriff in den Mund nehmen. Rest-Städteregion vielleicht? So wie Georgs Reste-Rampe? Nein, wer wollte Baesweiler, Alsdorf, Herzogenrath, Würselen, Stolberg, Eschweiler, Monschau, Simmerath und Roetgen so despektierlich behandeln? Als ob die Städte und Gemeinden ein Anhängsel der Stadt Aachen wären. Man würde sich angesichts solch kaiserstädtischer Arroganz zu Recht bedanken! Oder gibt es diese Ortschaften jetzt gar nicht mehr ohne Aachen? „Wir sind nur zusammen zu haben“, lautet die Devise der Städteregion. Kommunalpolitische Musketiere, sozusagen. Alle für einen! Herrlich!

Warten wir jetzt einmal ab, wie es denn die neue Städteregionsrätin oder der neue Städteregionsrat richten. Das muss doch möglich sein, Licht ins Dunkel zu bringen. Und wenn die FDP dann noch die Presse in den Griff kriegt, ist eigentlich alles gut. Alaaf, Herr Helg, die Welt kann so schön sein, oder?

Apropos Städteregionsratswahl. Sicher kann man die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die rein städtischen Verhältnisse übertragen. Aber der Trend dürfte erkennbar sein. Schon immer war Grün besonders ausgeprägt rund um Dom und Rathaus. Wären jetzt Kommunalwahlen, hätte die Partei sicher gute Chancen, die SPD locker zu überholen. Schwarz-Grün in der Stadt Aachen ist wieder eine Option, in der Städteregion ist die Koalition schon fast Tradition. Aber der Kreis war uns schon immer voraus, also der Teil der Städteregion ohne uns, also ohne Aachen. Puh, es bleibt schwierig. Wie die Quadratur der Städteregion sozusagen. Oder des Alt-Kreises?

Widmen wir uns der Abwechslung halber einmal wichtigen Dingen. Zum Beispiel dem Thema Parkplätze. Die spielten in dieser Woche gleich zwei Mal eine Rolle. Einmal kam es einem ziemlich bekannt vor. Blechkarossen am Klinikum abstellen zählt seit der Erfindung des Krankenhauses zu den schwierigsten Operationen. Und seit einigen Monaten hängt man endgültig am Tropf, weil zahlreiche Stellplätze den Bauarbeiten weichen mussten.

Die Ankündigung, dass das Parkhaus Mostardstraße saniert werden muss, haut einen nun nicht unbedingt vom Frühstückstisch. Aber bei näherer Lektüre schwant einem schon, was da auf die Innenstadt zukommt. Diese Baustelle hat es wirklich in sich. Nicht mal so locker flockig sanieren, malochen ist angesagt. Mit Hochdruck im wahren Wortsinn. Und der Baustellenverkehr schleppt sich durch die Altstadtgassen. Unvermeidlich, aber unschön. Wie gut, dass die Baustelle nur für ein Jahr angelegt ist und daher höchstens drei dauern wird. In diesem Sinne: schönes Wochenende!

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