Verwaltung informiert Landwirte: Städteregion bereitet sich auf Afrikanische Schweinepest vor

Verwaltung informiert Landwirte : Städteregion bereitet sich auf Afrikanische Schweinepest vor

Rund 100 neue Fälle in Belgien alleine in den vergangenen beiden Tagen: Die Afrikanische Schweinepest ist in Europa auf dem Vormarsch und wird auch bald Deutschland erreichen, befürchten Experten. Die Städteregion Aachen bereitet sich auf einen Ausbruch der Krankheit in den hiesigen Wäldern vor.

„In den vergangenen Jahren war die Afrikanische Schweinepest für uns noch Zukunftsmusik, aber jetzt wissen wir, dass sie uns bald erreichen wird.“ Die Worte von Dr. Peter Heyde, Leiter des Veterinäramts der Städteregion Aachen, lassen keinen Zweifel am Ernst der Lage. Zwar ist die Krankheit für den Menschen oder andere Tierarten nicht gefährlich, Schweine können aber innerhalb weniger Tage daran verenden. Im Rahmen des Jahresgesprächs, zu dem die Städteregion, die Stadt Aachen und Vertreter der Landwirtschaft regelmäßig zusammenkommen, informierte er über den Stand der Dinge.

„In Belgien explodiert die Krankheit regelrecht“, so Peter Heyde. Im vergangenen Jahr war die Afrikanische Schweinepest, die bis dahin ausschließlich im Osten des Kontinents registriert worden war, erstmals in Belgien festgestellt worden. Und seitdem breitet sie sich konstant aus, und zwar rasant. Betroffen ist die Gegend südlich von Neufchâteau in der Wallonie, etwa 130 Kilometer süd-westlich von Aachen. „Im vergangenen Jahr gab es in Belgien rund 100 Fälle. Alleine in den letzten beiden Tagen sind ebenfalls 100 Fälle registriert worden. Wir müssen also damit rechnen, dass die Krankheit zu uns kommen wird, und zwar in Kürze.“

2007 ist die Krankheit über Georgien nach Europa eingeschleppt worden. 2014 wurden Fälle in Polen und Litauen bekannt, die ersten innerhalb der europäischen Union. Dann 2018 – vermutlich durch den Menschen – tauchte die Schweinepest in Belgien auf. „Nirgends wird das Problem wirklich beherrscht“, erklärt Peter Heyde. Lediglich dort, wo man mit militärischen Mitteln gegen die Schweine vorgeht, gelänge es, die Pest einzudämmen.

Vorkehrungen sind getroffen

Damit es soweit nicht kommt, habe man in der Städteregion bereits Vorkehrungen getroffen, erläutert der Chef des Veterinäramts: Gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk Stolberg (THW) wurde eine Hygieneschleuse eingerichtet. Außerdem sei in Simmerath in der Eifel die Errichtung einer Kadaver- und Wildsammelstelle geplant, damit geschossene oder verendete Tiere nicht unnötig lange im Wald oder sonst irgendwo herumliegen.

Verworfen hat man die Errichtung eines Zauns an der belgischen Grenze: „Erstens wäre so ein Zaun unglaublich teuer“, sagt Peter Heyde, außerdem sei so eine Maßnahme denkbar ineffizient, weil Zäune Schlupflöcher bieten und Experten nicht davon ausgehen, dass Gitter oder Latten Wildschweine von ihren Wanderungen abhalten würden.

Wichtig ist aber neben den Wanderungen der Schweine auch das Verhalten von Menschen. Lebensmittelreste entlang von Autobahnen, beispielsweise an Autobahnraststätten, seien potenzielle Quellen für die Übertragung der Krankheit. „Alleine am Rastplatz Lichtenbusch sieht man, dass das Thema von einigen immer noch nicht ernst genommen wird“, mahnt Heyde. Die Müllbehälter quellen manchmal über, Essensreste, eventuell auch mit Erregern versetzte Fleischwaren, liegen einfach auf dem Boden herum. „Man kann davon ausgehen, dass die Wildschweine nachts vorbeikommen und nach Futter suchen.“

20.000 Schweine in der Städteregion

Für die rund 20.000 Schweine und natürlich die Landwirte in der Städteregion Aachen könnte der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest schlimme Auswirkungen haben. Nicht nur dann, wenn sie Schweine züchten: „Es besteht die Möglichkeit, dass wir den Anbau bestimmter Pflanzen verbieten, weil sie Wildschweine anlocken können. Oder dass wir diesen Anbau sogar anordnen, um die Schweine in ein bestimmtes Gebiet zu locken“, sagt Heyde. Eine weitere denkbare Maßnahme sei das Betretungsverbot bestimmter Bereiche für die Öffentlichkeit, denn der Mensch kann den Erreger auch über seine Schuhsohlen von einem Waldstück ins nächste befördern.

So oder so: Heyde rechnet mit einem enormen wirtschaftlichen Schaden für die deutsche Landwirtschaft durch die Afrikanische Schweinepest. „Einbußen von zwei bis drei Milliarden Euro sind realistisch“, so Heyde. Deutschland gucke bei diesem Thema in den Westen der Republik, also auch in die Städteregion. Denn entweder hier oder in Rheinland-Pfalz rechnet man mit den ersten Fällen. „Andere Bundesländer haben deutlich mehr Schweinezucht als wir. Doch wir werden die ersten mit der Schweinepest sein.“

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