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Städteregion Aachen und Bezirksregierung suchen nach Lösung

Schülerzahl geht um mehr als 60 Prozent zurück : Der Abendrealschule droht das baldige Aus

Schülerzahl ist in vier Jahren um mehr als 60 Prozent gesunken. Die Städteregion verhandelt zurzeit mit der Bezirksregierung. Existenz der Einrichtung an der Peliserkerstraße ungewiss.

Die Entwicklung kann ohne Übertreibung als dramatisch bezeichnet werden. Denn die Schülerzahl an der Abendrealschule ist in den vergangenen vier Jahren um mehr als 60 Prozent gesunken. Nur noch 125 Jugendliche und junge Erwachsene haben sich für das neue Schuljahr eingeschrieben, 2015/16 waren es noch 349 gewesen.

„Und erfahrungsgemäß wird diese Zahl im Laufe der Monate noch zurückgehen, weil Teilnehmer abspringen“, räumt Nico Kosanke, Leiter des städteregionalen Schulverwaltungsamtes, ein. Damit verliert die Einrichtung an der Peliserkerstraße, die von der Städteregion betrieben wird, ihre Existenzgrundlage. Oder besser gesagt: Eigentlich hat sie diese bereits verloren. Denn das NRW-Schulgesetz sieht eine Mindestschülerzahl von 160 sowie eine mittlere Klassengröße von 20 Schülern vor. Beide Vorgaben werden von der Abendrealschule deutlich verfehlt. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht – was das baldige Aus der Abendrealschule zur Folge haben könnte.

Die Städteregion steht mit diesem Problem nicht allein da. Mittlerweile befindet sich der gesamte zweite Bildungsweg in der Krise. Überall im Land sind die Zahlen rückläufig, immer mehr Einrichtungen geraten in Schwierigkeiten, weil sie die Mindestgröße nicht mehr erreichen. Die hierfür angeführten Gründe sind dabei stets dieselben: die gute Konjunktur, die auch ohne höhere Abschlüsse viele Optionen biete, veränderte Arbeitszeiten, die die Möglichkeit zum Schulbesuch erschwerten, die steigende Abschlussquote im ersten Bildungsgang und der erhöhte Abgang von Studierenden, die das Fachabitur dem Vollabitur vorziehen und deshalb früher fertig sind.

Angesichts dieser Entwicklung können sich Stadt und Städteregion glücklich schätzen, dass sie vor gut zwei Jahren bereits eine wesentliche Umstrukturierung vorgenommen haben: Zum Beginn des Schuljahres 2017/18 war das private Euregiokolleg in Würselen in das von der Städteregion getragene Weiterbildungskolleg überführt und mit dem bis dato in Aachen-Laurensberg beheimateten Abendgymnasium zusammengelegt worden. Mitte Oktober zählte die neue Bildungseinrichtung an ihrem Hauptstandort in Würselen (Friedrichstraße) und ihrem Nebenstandort in Aachen (Eintrachtstraße) insgesamt 388 Studierende. Das sind fast 200 weniger als noch vor drei Jahren und 82 weniger als im Herbst 2018. Immerhin aber ist der Abstand zur gesetzlichen Mindestzahl von 240 noch recht komfortabel. Die Zukunft des Weiterbildungskollegs gilt deshalb mittelfristig als gesichert.

Was aus der Abendrealschule wird, dürften derweil die kommenden Wochen zeigen. Die Gespräche zwischen Städteregion und Bezirksregierung laufen, Bildungsdezernent Markus Terodde will nach deren Abschluss einen „Handlungsvorschlag“ präsentieren. Keine Option mehr dürfte der eigentlich für 2021 angekündigte Zusammenschluss mit dem Weiterbildungskolleg sein, weil dieser das Problem der zu kleinen Klassen nicht lösen würde. Realistischer erscheint da eine mögliche Kooperation mit den Volkhochschulen in Aachen und im Nordkreis. Beide bieten ebenfalls Abschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg an.

Im städteregionalen Schulausschuss haben die Nachrichten für Ratlosigkeit und Entsetzen gesorgt. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Karin Schmitt-Promny, sprach von „erschreckenden Zahlen“, Doris Harst von der SPD-Fraktion warnte davor, „den zweiten Bildungsweg abzuschaffen“. Derweil rief der Ausschussvorsitzende und CDU-Sprecher Wolfgang Königs dazu auf, trotz der bedrohlichen Lage einen kühlen Kopf zu bewahren. „Denn nur dann werden wir eine Chance haben, die Angebote des zweiten Bildungsweges erhalten zu können.“

Der Schulausschuss der Stadt Aachen wird sich am Donnerstag mit dem Thema beschäftigen. Ein Beschluss ist allerdings nicht vorgesehen.