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Städteregion Aachen baut neues Warnsystem auf

Zurück in die Zukunft : Die Städteregion setzt wieder auf Sirenen

Die Städteregion geht zurück in die Zukunft: Im Altkreis Aachen werden bis 2022 insgesamt 150 neue Sirenen installiert. Die erste Anlage ist am Dienstagnachmittag in Eschweiler-Weisweiler in Betrieb genommen worden. Auch die Stadt Aachen will ihr Warnsystem in den kommenden Jahren ausbauen.

Die Premiere findet in Schwindel erregender Höhe statt, auf dem Dach eines Möbelhauses. Hier präsentiert Marlis Cremer die erste Anlage des geplanten neuen Sirenennetzwerkes. Sukzessive sollen bis Ende 2022 weitere 149 Standorte eingerichtet werden, erklärt die Leiterin des städteregionalen Amtes für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Nach neuesten Berechnungen wird das die Städteregion rund 2,5 Millionen Euro kosten, das Land beteiligt sich mit einem Zuschuss in Höhe von 340.000 Euro.

Nicht nur in Eschweiler, sondern auch in Würselen beginnen die Arbeiten in diesem Jahr. 2020 sollen, das kündigt Dezernent Gregor Jansen an, die Städte Stolberg und Alsdorf an der Reihe sein, 2021 folgen Herzogenrath und Monschau, im Folgejahr Baesweiler und Simmerath. Die in Roetgen benötigten Anlagen werden derweil im Laufe der kommenden drei Jahre eingerichtet.

Bis Anfang der 1990er Jahre gab es in ganz Deutschland funktionstüchtige Sirenenwarnsysteme – um vor den Gefahren eines Verteidigungsfalles zu warnen, wie es offiziell hieß. Die „Luftschutzsirene“ gehörte jahrzehntelang zum Straßenbild und galt als ebenso selbstverständlich wie der Probealarm zu festen Zeiten – meistens am Samstag. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde der Betrieb der Sirenen dann aber vielerorts eingestellt. Die Anlagen wurden demontiert oder verrotteten – auch im ehemaligen Kreis Aachen. Seitdem fehlt eine funktionstüchtige und verlässliche Technik zur Alarmierung der Bevölkerung.

Das will die Städteregion nun wieder ändern. Im Vordergrund steht dabei nicht ein möglicher Verteidigungsfall, es geht vielmehr um andere Gefahren- und Bedrohungslagen, wie Marlis Cremer unterstrichen hat. Die Palette der möglichen „Ereignisse“ reiche von Sturm und Hochwasser über Stromausfall, Großbrand und Schadstoffwolke bis hin zu einer Pandemie und einem Atomunfall – etwa in Tihange. Und auch ein Erdbeben gehört zu den Szenarien, die laut Cremer berücksichtigt werden müssen. „Denn unsere Region liegt in der am stärksten gefährdeten Erdbebenzone Deutschlands.“

Die Sirenen bieten auch heute noch die effektivste Möglichkeit, weite Teile der Bevölkerung auf eine Gefahrensituation aufmerksam zu machen. Sei das geschehen, so sagt die Amtsleiterin, könnten die weiteren Informationen dann über Rundfunk, Fernsehen, Internet, Apps und Soziale Medien übermittelt werden.

Dass Eschweiler ganz oben auf der Liste der auszustattenden Städte und Gemeinden steht, ist übrigens kein Zufall: Wegen der Unfälle auf der A4 sei die Wahrscheinlichkeit einer Gefahrenlage dort größer als in den übrigen Kommunen des Altkreises, begründet die Städteregion ihre Prioritätensetzung.

Die Stadt Aachen plant für die kommenden Jahre ebenfalls einen schrittweisen Ausbau ihres Sirenennetzes. Zwar gibt es derzeit etwa 50 funktionstüchtige Anlagen. Aber mit ihnen ist laut Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt keine Abdeckung des gesamten Stadtgebietes möglich. „Es ist deshalb ein Warnkonzept entwickelt worden, das die Versorgungslücken schließt“, erläutert Herrmann. „Die Feuerwehr verfügt über mehrere Lautsprecherfahrzeuge, die im Bedarfsfall die betroffenen Stadtteile nach vorgegebenen Fahrtrouten abfahren und die Bevölkerung per Durchsage warnen.“

In den nächsten Jahren soll das mobile System nun schrittweise durch neu installierte Sirenen ersetzt werden. Bis Mitte 2020 soll es in der Summe 58 geben. „18 weitere sind darüber hinaus in der mittelfristigen Planung für die kommenden Jahre vorgesehen“, erklärt Herrmann. Für eine Abdeckung aller besiedelten Gebiete in Aachen werden etwa 90 Sirenenanlagen benötigt.