Aachen: Städtepartnerschaft in der Kritik: Späte Flüge, mickrige Geschenke

Aachen: Städtepartnerschaft in der Kritik: Späte Flüge, mickrige Geschenke

Sträflich vernachlässigt fühlen sich viele, die sich für Aachens sieben Städtepartnerschaften engagieren. Hauptgrund ist, dass die zuständige Protokollabteilung der Stadt viele Monate lang wegen personeller Engpässe fast völlig verwaist war.

Nicht in Sachen Karlspreisvorbereitung, wohl aber hinsichtlich der Städtepartnerschaften. Dabei gibt es eigentlich enorm viel zu organisieren. Mit Reims/Frankreich (seit 1967), Halifax-Calderdale/Großbritannien (1979), Toledo/Spanien (1985), Ningbo/China (1986), Naumburg/Sachsen-Anhalt (1988), Arlington/USA (1993) und Kostroma/Russland (2005).

Bei der jüngsten Reise einer fünfköpfigen Aachener Delegation nach Toledo sei man „knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt”, hatte SPD-Ratsherr Claus Haase im Rathaus kritisiert. Die Flüge seien zu spät gebucht worden, Gastgeschenke zu mickrig ausgefallen, heißt es.

Die rührigen Ehrenamtler in den Partnerschaftsvereinen erfahren indes kaum Unterstützung. Im Haushalt sind 20.000 Euro zur Förderung sämtlicher Städtepartnerschaften eingestellt. Die Vereine erhalten jeweils einen „Sockelbetrag” von 830 Euro pro Jahr. „Insgesamt ist bei den Vereinen eine gewisse Missstimmung zu spüren, weil sich die Stadt nicht genügend kümmert”, erklärte Haase.

Kommissarisch wurde die Protokollabteilung inzwischen wieder besetzt. Claudia Wellen, Leiterin des Servicecenters Call Aachen, springt ein. Ratsherr Haase fordert aber mehr: Die Stadt müsse den Partnerschaftsvereinen Räume mit Bürotechnik zur Verfügung stellen, damit diese ihre ehrenamtliche Arbeit vernünftig fortsetzen können, sagte er.

Die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Aachen-Arlington, Dr. Gertraud Kösters, stimmt zu: „Ende 2009 mussten wir unsere Räume im Verwaltungsgebäude am Bahnhof und einen Ein-Euro-Jobber aufgeben. Ein zentrales Büro würde unsere Arbeit schon sehr erleichtern”, sagte sie. Gerade organisiert Kösters Flüge und Gastfamilien für 60 Schüler, die im Herbst Richtung Arlington aufbrechen. In einigen Wochen wird es zu diesem Thema ein Gespräch mit der städtischen Protokollabteilung geben - auch zum Partnerschaftsfest am 5. September, das parallel zum Kunsthandwerkermarkt über die Bühne gehen soll.

So sollen städtepartnerschaftliche Aktivitäten wieder hochgefahren werden. OB Marcel Philipp betonte, dass neben dem kulturellen Austausch auch wirtschaftliche Bande - etwa über das China-Haus in Aachen - geknüpft werden. „Wenn junge Chinesen an der RWTH Auslandssemester einlegen, kommen sie womöglich später als Geschäftspartner zurück.” Bald reist eine Delegation mit dem OB nach Ningbo und Shanghai. Gehofft wird, dass dies weiteren Auftrieb gibt.

Denn für die herausragende Zusammenarbeit mit der chinesischen Partnerstadt Ningbo wird Aachen mit dem „Award for an excellent Cooperation City” ausgezeichnet. Neben Aachen erhalten fünf weitere deutsche Städte den Preis. Er wird auf einer Konferenz für internationale Freundschaft zwischen Städten überreicht, die vom 7. bis 10. September in Shanghai stattfindet und an der - laut Protokoll - der frühere US-Präsident Jimmy Carter sowie der frühere japanische Ministerpräsident Taro Aso teilnehmen.