Stadtgeschichte von 1792 bis 1814: Aachen unter Napoleon

Band 5 der Aachener Geschichte : Auf den Spuren Napoleons in Aachen

Der fünfte Band der Aachener Stadtgeschichte liegt vor: Er trägt den Titel: „Von der Reichsstadt zur ‚bonne ville‘ – Aachen zur Zeit der Französischen Republik und unter Kaiser Napoleon I. (1792-1814)“. Der ehemalige Stadtarchivar Dr. Thomas R. Kraus hat sich dieser Epoche der Stadtgeschichte angenommen.

„Aachen ist das Tor zum Westen, und der Bezug zu Frankreich ist nach wie vor lebendig“, betonte Dr. Angelika Ivens, Honorarkonsulin der Republik Frankreich, als am Dienstag der fünfte Band der Aachener Stadtgeschichte vorgestellt wurde. Es konnte keinen besseren Ort als das Centre Charlemagne geben, um mit Stadtarchivar und Autor Dr. Thomas R. Kraus auf die Reise in die Vergangenheit zu gehen. Denn dort sahen sich die Besucher gleichsam eingebettet in die richtige Zeitschiene.

Als die Franzosen 1792 in Aachen einmarschierten, taten sie das laut Kraus in guter Absicht. Denn sie wollten die Werte der französischen Revolution auch hier etablieren und die Stadt vom Tyrannen befreien. Nun war es laut Kraus aber so, dass die Aachener von sich selbst glaubten, schon sehr fortschrittlich zu sein. Und einen Tyrannen habe es ihrer Meinung nach auch nicht gegeben.

„Die Sympathisanten der Revolution waren in der Minderheit, und die breite Masse der Bevölkerung war nach wie vor weit entfernt von revolutionärer Gesinnung“, meinte Kraus bei der Buchvorstellung. Es brauchte also einen zweiten Anlauf, und als die Franzosen 1794 zum zweiten Mal einmarschierten, taten sie das als Besatzer und Aachen wurde wenig später völkerrechtlich zu Frankreich geschlagen. Eine Historienmalerei von Arthur Kampf zeigt im Centre Charlemagne die Übergabe der Stadtschlüssel an die Franzosen. Und obwohl ihre Zeit in Aachen kaum länger als 20 Jahre währte, ist sie es nach Meinung der Historiker wert, in einem eigenen Band detailliert betrachtet zu werden.

Schon 1994 mit dem Thema beschäftigt

Zwar hatte sich Kraus schon vor Jahren in einem Katalog, der 1994 eine entsprechende Ausstellung begleitete, mit Aachens französischer Zeit beschäftigt, doch diesmal sollen alle Erkenntnisse in einem Band gebündelt werden, zumal besagter Katalog auch längst vergriffen ist. Auf mehr als 460 großzügig bebilderten Seiten taucht Kraus ein in den französischen Teil der Geschichte Aachens, der auch heute noch so deutlich spürbar ist. Und für Honorarkonsulin Dr. Angelika Ivens ist es eine besondere Freude, dass das deutsch-französische Zusammenleben jetzt eine so ausführliche Dokumentation gefunden hat.

Schon der damalige Katalog sei so etwas wie eine deutsch-französische Bibel gewesen. Dass es jetzt mit dem fünften Band der Aachener Stadtgeschichte ein Buch gebe, das sie als Gastgeschenk weiterreichen könne, freut Ivens nach eigenen Worten ganz besonders. Denn auch wenn die Zeit unter Napoleon nur kurz war, so hat sie nach Meinung der Historiker doch überall ihre Spuren hinterlassen.

Die Sparkasse Aachen, die Stadt Aachen und der Aachener Geschichtsverein haben gemeinsam für die Finanzierung des fünften Bandes der Stadtgeschichte gesorgt. Band vier und Band sechs der Reihe sind bereits in Arbeit.

Band 5 der Aachener Stadtgeschichte, Thomas, R. Kraus, Von der Reichsstadt zur „bonne ville“ - Aachen zur Zeit der Französischen Republik und unter Kaiser Napoleon I. (1792-1814), Verlagsdruckerei Schmidt, 2018, Preis: 39,90 Euro.

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