Aachen: Stadtbetrieb: Topps Wutrede zeigt Wirkung

Aachen: Stadtbetrieb: Topps Wutrede zeigt Wirkung

Dieser Hilferuf hat eine Welle der Reaktionen hervorgerufen. Nachdem Marc Topp als Vorsitzender des Stadtbetriebspersonalrats Ende vergangener Woche eine Wutrede über den neuen städtischen Dezernenten Dr. Lothar Barth und dessen Pläne für den mehr als 600 Mitarbeiter zählenden Betrieb gehalten hatte, ist viel passiert.

Und zwar so viel, wie in anderen Fällen bisweilen monatelang nicht passiert. Zum einen haben sich nach Informationen unserer Zeitung auch Mitarbeiter anderer Fachbereiche - darunter auch ranghohe - beim Gesamtpersonalrat, dessen Vorsitzender Topp ebenfalls ist, gemeldet, um persönliche Erfahrungen mit Barth kundzutun. Zum anderen wurde geredet, viel geredet. Mit verblüffendem Ergebnis: Die wesentlichen Knackpunkte, wegen denen Topp Alarm geschlagen hatte, scheinen zunächst ausgeräumt zu sein.

So wird es zumindest vorerst - solange der jetzige Stadtbetriebschef Franz Narloch noch im Amt ist - keine Doppelspitze geben. Erst nach dem Abschied Narlochs soll Lothar Barth kommissarisch die Stadtbetriebsleitung übernehmen, falls bis dahin - der Zeitpunkt ist der kommende Jahreswechsel - kein Nachfolger gefunden ist.

Das scheint eher realistisch, denn eine Ausschreibung hat es noch nicht gegeben. Im weiteren Verlauf soll es, so ist es auch politisch gewollt, eine Doppelspitze im Stadtbetrieb geben. Kein Thema ist hingegen die Einführung einer „Seitenlader-Technik” in der Müllabfuhr, die Barth als Idee für Aachen ins Gespräch gebracht hatte.

Das, so befürchtete der Personalrat, werde massiv Stellen kosten und auch Nachteile für die Bürger haben. Die Politik hat gestern unisono einem solchen Ansinnen eine Absage erteilt. Jobs seien im Stadtbetrieb auf keinen Fall gefährdet. Vom Personalrat erwartet die Politik, eine „Blockadehaltung” gegen die Ausschreibung aufzugeben, damit diese zügig stattfinden kann.

Die Fraktionen hatten sich beim Oberbürgermeister getroffen, um über den Wirbel im Stadtbetrieb zu reden. Übereinstimmend habe man besagte Marschroute festgelegt, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Bestrebt sei die Politik außerdem, die hochkochenden Emotionen im Stadtbetrieb zu beruhigen.

Dort gibt es morgen eine Personalversammlung, an der dem Vernehmen nach sowohl Marcel Philipp wie auch Dezernent Barth teilnehmen werden. „Es ist unglücklich, dass eine solche Situation entstanden ist”, so ein Ratsherr.

Doch das war noch nicht alles an flugs einberufenen Krisengesprächen. Miteinander geredet haben gestern auch der OB und Topp sowie Barth und Topp. Über das Gespräch mit Marcel Philipp sagt der Personalratsvorsitzende, es sei „sehr konstruktiv” gewesen. Man habe sich auf wesentliche Eckpunkte verständigt: „Das ist alles in Ordnung”, so Topp.

Nur in Sachen Kommunikation untereinander gebe es „noch einiges aufzuräumen”. Nach der Personalversammlung müsse es darum gehen, „alles wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bekommen”. Nichts sagen wollte Marc Topp hingegen über das Gespräch mit dem Dezernenten: „Wir haben zweieinhalb Stunden geredet. Ich möchte das jetzt nicht kommentieren und erst einmal abwarten, was passiert.”

Ebensowenig kommentieren will Topp die anderen beim Personalrat gelandeten Beschwerden. Er wolle im jetzigen Stadium „kein weiteres Öl ins Feuer gießen”, stehe aber zu seinen kritischen Äußerungen der vergangenen Woche. Die Zeichen stehen also auf Deeskalation. Vorerst zumindest.

Mehr von Aachener Zeitung