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Aachen: Stadtarchiv: Platznot passé, Personalnot krasser denn je

Aachen : Stadtarchiv: Platznot passé, Personalnot krasser denn je

Die Hüter der Aachener Historie schauen dieser Tage bekanntlich vor allem in die Zukunft. Mitte kommenden Jahres soll das Stadtarchiv seine Pforten im neuen „Haus der Identität und Integration” am Reichsweg öffnen.

Eine Herkulesaufgabe, wie Archivleiter Dr. Thomas Kraus jetzt im Kulturausschuss des Rates berichtete.

Nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht: Mit mindestens 65.000 Euro schlägt nach ersten Schätzungen allein der Umzug zu Buche (im Ganzen muss die Stadt für den Umbau des ehemaligen Rheinnadel-Komplexes zur Kultur- und Begegnungsstätte rund vier Millionen Euro aufbringen).

Wo genau im gebeutelten städtischen Haushalt die Mittel für den logistischen Kraftakt locker gemacht werden sollen, wird zu diskutieren sein.

Dies jedenfalls forderten die Fraktionen im Ausschuss. Im Zweifelsfall werde der Kulturbetrieb „tief Luft holen” und die Kosten zumindest teilweise aus Rücklagen tragen, erklärte dessen Leiter Olaf Müller.

Damit nicht genug. Denn nicht nur die Vielzahl neuer Angebote mit dem Wechsel vom Grashaus Richtung Ostviertel sprenge die ohnedies knappen personellen Kapazitäten endgültig, unterstrich Kraus.

So sei das Stadtarchiv neuerdings verpflichtet, Akten aus dem Standesamt zu sichern. Damit werde die zu bearbeitende Klappdeckel-Kolonne um weitere 230 Meter länger. Die FDP regte daher an, das Team zumindest durch Schaffung befristeter Stellen zu entlasten.

Unterdessen hat die Verwaltung den Terminplan für die technischen Mammutaufgabe detailliert festgezurrt. Demnach soll das Grashaus, das in die „Route Charlemagne” integriert wird, am 30. Juni 2010 komplett geräumt sein, das „neue” Stadtarchiv seiner Bestimmung am 1. Juli kommenden Jahres übergeben werden.

Damit, betonten die Politiker, dürfte die Einrichtung als wichtiger Bestandteil des „Hauses der Identität” weit besser wahrgenommen und genutzt werden. Zumal im September 2010 auch ein Lesesaal zur Verfügung stehen soll.

Offen auch für private Aktivitäten sind zahlreiche städtische Kunsthorte derweil bereits seit rund drei Jahren. In den Museen, im Alten Kurhaus, in der Barockfabrik und auch in der Musikschule haben 2008 insgesamt genau 76.147 Gäste an unterschiedlichsten Veranstaltungen von Firmen und anderen „Externen” teilgenommen - Tendenz weiter steigend.

188.000 Euro konnte der Kulturbetrieb damit an Mieteinnahmen verbuchen.

Dennoch sieht man dort noch einen erheblichen Handlungsbedarf in Sachen Marketing: Die kontinuierliche „Kundenbefragung” habe ergeben, dass die Nutzer vor allem durch Mundpropaganda und in wachsendem Maße übers Internet auf die neuen „Locations” aufmerksam geworden seien.

Daher werden nun verstärkt Postkarten ausgelegt, die auf die maßgebliche Internetadresse „www.locations-aachen.de” verweisen.