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Adenauerallee: Stadt will die Werbeanhänger jetzt genauer unter die Lupe nehmen

Adenauerallee : Stadt will die Werbeanhänger jetzt genauer unter die Lupe nehmen

Die diskussionswürdige Werbung mittels herrenloser Anhänger am Straßenrand will die Stadt jetzt wieder verstärkt unter die Lupe nehmen. Es könnte teuer werden.

Vor Kurzem hatten sich noch Anwohner beschwert, dass der Bürgersteig entlang der Adenauerallee in Höhe des Tierparks zugewuchert ist. Dank fleißiger Gärtner ist lästiges Grün entfernt und das Schlendern entlang Aachens großer Werbemeile problemlos möglich. Wie schön.

Denn es gibt in der Tat etwas zu sehen. Werbeanhänger reiht sich an Werbeanhänger auf dem Parkstreifen zwischen Trierer Straße und Erzbergerallee – und teilweise darüber hinaus. Zwischendurch findet sich der ein oder andere Pferdeanhänger – eine kleine Reminiszenz an Aachens Renommee in Sachen Reitsport. Und zur Erinnerung an die Touristentradition wird die Reihe durch das ein oder andere Wohnmobil, wahlweise in Anhängerausführung, aufgelockert.

Die Adenauerallee ist Aachens größter Werbemarkt. Das hat Tradition, seit vielen Jahren erfreut man sich an den bunten Planen und Plakatwänden auf mehr oder (meist) weniger rostfreiem Blech. Begeben wir uns doch auf eine Stippvisite.

Es fängt an diesem schönen Morgen am rechten Fahrbahnrand mit einem Anhänger samt Werbeaufschrift einer Automobilwerkstatt – „täglich TÜV im Haus“ – an. Der Anhänger selber hat Tüv bis April 2024. Der kann also lange stehen bleiben.

Weiter geht es zu einem kleinen, einachsigen Anhänger unbekannten Auftrags zu einem zweiachsigen Anhänger – „Achtung, Sportpferde“ – der sicherheitshalber gegen eventuelles Zurückrollen verkeilt wurde.

Nach einer weiteren Gaulkiste auf Rädern, die so breit ist, dass die linken Räder auf der Straße stehen, werden wir von einer großen, zeltartigen Plakatwand auf Rädern darauf hingewiesen, Leasing zu stoppen und stattdessen zu lächeln. Botschaft? Keine Ahnung. Egal. Die Firma wird ihre Anhänger haben.

Grünschnittanhänger mit Grünschnitt, Wohnmobil (vergilbte Gardinen) und Wohnanhänger (Vorhänge auch nicht frisch), Werbung für Hüpfburgen, dann für Umzüge – „seit 1950“ – dann wieder Pferde, Wohnung auf Rädern, eine mobile Frittenbude (ragt auch in die Straße), ein Anhänger mit zerschnittener Plane, ein kleiner Reisebus (das Unternehmen ist eigentlich woanders in Aachen beheimatet), noch ein – Neudeutsch – „Foodtruck“, ein Wohnanhänger, dann Werbung für eine Fleischerei – natürlich Traditionsbetrieb –, ein Anhänger ohne jeglichen weiteren Sinn, ein Wohnmobil, ein kleiner Anhänger, ein Transporter, Werbung auf zwei Rädern für eine Baumarktkette, dann ein überdachtes Moped einer Sicherheitsfirma ...

Man könnte sich dranhalten, wenn man den Außenring weiterspaziert. Fehlt irgendwie ein Toilettenwagen und eine mobile Erste-Hilfe-Station für Extremwanderer und -werbefreunde. Wenn einer der Foodtruck-Fritten-Metzger-Anbieter auf die Idee kommen würde, seine Bude zu öffnen, könnte sich das auch zum Geschäftsmodell eignen. Werbung macht hungrig – und nicht nur nach Umsatz und Erfolg.

Nur: Verboten ist das alles. Also nicht Essen am Straßenrand. Das ginge. Aber Werbeanhänger an die Straße stellen. Oder andere Anhängsel. Das sieht die Stadt nicht gerne, aber sie sieht auch kaum eine Chance, der Werbeflut Herr (oder Dame) zu werden.

Eigentlich sollten allein abgestellten Hänger alle zwei Wochen bewegt werden, ein paar Meter, idealerweise auch mehr. In Paragraf 12 Absatz 3b Satz 1 der Straßenverkehrsordnung heißt es dazu: „Mit Kraftfahrzeuganhängern ohne Zugfahrzeug darf nicht länger als zwei Wochen geparkt werden.“ Nur für Anhänger, die am Zugfahrzeug angekuppelt bleiben, gilt diese Frist nicht.

Die Allee ist kein kostenloser Dauerparkplatz, schon gar nicht für Verkaufshinweise. Aber wer will das kontrollieren? „Sollen wir Markierungen an die Räder machen, um zu beweisen, dass das Fahrzeug nicht bewegt wurde?“, fragt ein städtischer Mitarbeiter. Und mutmaßt leicht resignativ: „Dann sind wir noch wegen Sachbeschädigung dran.“

Für deren Beseitigung findet sich sicher eine Firma. Sie sollte praktischerweise einen Werbeanhänger an der Adenauerallee aufstellen. Das macht die ganze Angelegenheit rund.

Aber welche Handlungsspielräume hat die Stadt, um dem Phänomen herren- und damenloser Werbebotschaften auf Anhängern zu begegnen? „Die Überwachung des öffentlichen Raums findet engmaschig statt, insbesondere an Örtlichkeiten mit einer besonderen Beschwerdelage“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Sofern die genannte Zwei-Wochen-Frist überschritten werde, würden „entsprechende straßenverkehrsrechtliche Verstöße mit einem Verwarnungsgeld geahndet“.

 Nicht alle Transporter sind auch für den Transport geeignet...
Nicht alle Transporter sind auch für den Transport geeignet... Foto: MHA/Harald Krömer

Anders zu bewerten sei die Situation, „wenn beim Abstellen im öffentlichen Raum schwerpunktmäßig der Werbezweck und nicht die Teilnahme am Verkehr von Anhängern im Vordergrund steht“. Denn dann handele es um „offensichtliche Werbezwecke“ und somit um eine „Sondernutzung nach dem Straßen- und Wegegesetz NRW“. Ein Indiz dafür ist laut Harald Beckers beispielsweise ein Anhänger, „der aufgrund seiner speziellen Werbe-Aufbauten gar nicht den ursprünglichen Transportzweck erfüllen kann“. Diese Werbe-Anhänger oder andere verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge ohne eine Zulassung seien als „unerlaubte Sondernutzung zu werten“.

In solchen Fällen werde der Fachbereich Sicherheit und Ordnung aktiv. Es kann also für Werbetreibende oder Fahrzeughalter oder beide dann ziemlich ungemütlich und teuer werden. Laut Beckers wird „vor diesem Hintergrund“ auch die Adenauerallee „erneut und verstärkt in den Fokus genommen und durch die Kräfte engmaschig überprüft“.