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Aachen: Stadt soll den Tivoli für einen Euro kaufen

Aachen : Stadt soll den Tivoli für einen Euro kaufen

Die Stadt besitzt ein ebenso schmuckes wie historisch wertvolles Rathaus, ein paar Museen, Schulen und andere Immobilien. Demnächst wird sie aller Voraussicht nach auch ein Fußballstadion besitzen. Damit kann sie zwar eigentlich gar nichts anfangen. Aber ihr bleibt (fast) nichts anderes übrig, als den Tivoli an der Krefelder Straße als „Sonderbauwerk“ in ihren Gebäudebestand zu übernehmen.

Interfraktionelles Gespräch

Die Politik jedenfalls ist mit überwältigender Mehrheit der Auffassung, dass dies der einzig gangbare Weg ist. Das kam am Montag bei einem interfraktionellen Gespräch zu diesem Thema noch einmal zum Ausdruck. An der Runde hatten auch Juristen — unter anderem ein Vertreter von Rechtsanwalt Frank Kebekus, der als Insolvenzverwalter der Alemannia Stadion GmbH fungiert — teilgenommen.

Die Politik drängt dem Vernehmen nach da-rauf, dass so schnell wie möglich eine entsprechende Vorlage für eine Grundsatzentscheidung dem Rat vorgelegt wird. Schon in der Sitzung am 20. November könnte dies der Fall sein. Wobei man sich zwischen Pest und Cholera zu entscheiden hat. Die erste Variante: Ein Investor kauft das Stadion zu einem symbolischen Preis. Dann müsste die Stadt weiterhin Zinsen und Tilgung für rund 20 Millionen Euro umgeschuldeter Kredite zahlen, wäre aber zumindest die Betriebskosten los. Die andere Variante: Die Stadt übernimmt das Stadion für einen (symbolischen) Euro. Das bedeutet, dass sie künftig nicht nur auf Zinsen und Tilgung für die Umschuldung der Stadionkredite, sondern auf unabsehbare Zeit auch auf den gesamten Betriebskosten hängen bliebe. Wobei sie diese zuletzt wegen der Pleite der Alemannia ohnehin zu einem Großteil als Zuschuss aus dem Haushalt gestemmt hat. Am kostenträchtigen „Fliegenfänger“ hängt die Stadt durch Bürgschaften und Umschuldung so oder so.

Die Politik ist klar für Variante zwei. Nur die Linke meldete am Montag dem Vernehmen nach noch internen Beratungsbedarf an. Die Stadt soll das Heft des Handelns in der Hand behalten, meint der Großteil des Rates. Die Grünen hatten jüngst ein Konzept für das Stadion angemahnt, in dem auch die Nutzung durch andere Sportarten, Events und vieles mehr geprüft werden soll. Neue Nutzungen sollen Einnahmen bringen, mit denen die Last der Betriebskosten gemindert werden könnte. Natürlich macht man sich auch weiter Hoffnungen, dass Alemannia dereinst wieder durch die Ligen nach oben klettert, was dann erst recht Geld in die Kasse spülen könnte. An etwaigen Überschüssen müssten die anderen Gläubiger wie AachenMünchener und Land beteiligt werden.

Alemannia hatte dieser Tage Planungssicherheit angemahnt. Eine Zusage für den Tivoli gibt es nur bis Ende der Saison. Nochmals wird die Stadt angesichts der Haushaltslage wohl kaum erneut einen Millionenzuschuss geben können, denn darauf hat die Bezirksregierung ein Auge. Würde das Stadion der Stadt gehören, wäre diese Kuh vom Eis, weil die Stadt dann ohnehin für die gesamten Betriebskosten aufzukommen hat.

Die Stadt hat laut OB Marcel Philipp bereits Gespräche mit potenziellen Nutzern geführt. Gespräche gab es auch mit Investoren, von denen es zuletzt drei gab — einen Fonds, den Sportrechtevermarkter Michael Kölmel und Projektentwickler Norbert Hermanns.

Zumindest in Teilen der Verwaltung herrscht die Tendenz, die auch die Politik bevorzugt: erst einmal kaufen, dann weitere Entwicklungen in die Wege leiten. Dann kommen auch Kooperationen mit Investoren ins Spiel, wobei dies bevorzugt in Richtung Sportnutzung gehen soll und nicht in Richtung eines ausufernden Gewerbeparks rund ums Stadion.