Stadt, Polizei und Schüler einigen sich auf Versammlungsort

Fridays for Future : Schüler demonstrieren jetzt am Tivoli

Die Vorbereitungen zur Großdemo von Fridays for Future am 21. Juni in Aachen laufen auf Hochtouren: Mittlerweile haben sich Schüler, Stadt und Polizei auf den Tivoli als Veranstaltungsort einigen können.

Viele junge Menschen aus ganz Europa wollen am Freitag, 21. Juni, in Aachen gegen den Klimawandel protestieren. Ganze Sonderzüge wurden organisiert, um die Menschen aus Dänemark, Österreich oder Italien in den Westzipfel der Bundesrepublik zu bringen. Es soll einen Sternmarsch und Konzerte geben, unter anderem mit Culcha Candela. Seit Freitag steht fest: Das Großspektakel wird am Tivoli stattfinden.

Wie die Stadt mitteilt, haben sich Verwaltung, Polizei und Schüler in einem ausführlichen Gespräch darauf einigen können, die Veranstaltung an die Krefelder Straße zu verlegen. Die Schüler hatten vorab erklärt, dass ihnen der Kennedypark im Norden der Stadt lieber gewesen wäre. „Mit dem Ergebnis sind Stadt, Polizei und Veranstalter zufrieden“, heißt es aus dem städtischen Presseamt.

Auf die Schüler kommt vor der Demo noch eine Menge Arbeit zu: „Es gibt so viele Aspekte zu berücksichtigen, von der An- und Abreise über die Sicherheit, von der Verpflegung bis zur Ausstattung mit Toiletten“, sagt Marcel Philipp. Für eine Veranstaltung „mit diesen Dimensionen“ sei das Tivoli-Gelände, also Stadion und Vorplatz, der optimale Ort. Philipp weiter: „Wir sind froh, dass wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben.“

Auch Dirk Weinspach, Aachens Polizeipräsident, zeigt sich nach den Gesprächen zufrieden. Die Polizei ist zuständig für die Anmeldung der großen Schülerversammlung. „Die Aachener Polizei ist versammlungsfreundlich und möchte, dass die Menschen das wichtige Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in einem optimalen Rahmen wahrnehmen können.“ Der Schutz der Versammlung unter gleichzeitiger Gewährleistung der Sicherheit von Versammlungsteilnehmern, aber auch von Bürgern, habe dabei oberste Priorität.

Warnung vor „Ende Gelände“

Warnend sprach Weinspach über mögliche Aktionen des Bündnisses „Ende Gelände“, die an dem besagten Wochenende im Rheinischen Braunkohlerevier angekündigt sind. Die Fridays for Future-Organisatoren hatten bereits angekündigt, nach der Demo am Freitag in Aachen an dem Samstag einen Ausflug zum Hambacher Forst machen zu wollen. „Sie haben bisher ein gutes Beispiel für den friedlichen Protest geliefert“, sagte Weinspach in Richtung der jungen Leute, „Lassen Sie sich daher auch künftig nicht durch andere für illegale Aktionen instrumentalisieren!“ Er wolle vermeiden, dass junge Menschen in eine „Strafbarkeitsfalle“ tappen, wenn sie sich mit vermeintlich zivilem Ungehorsam für eine gute Sache einsetzen.

Geklärt werden muss noch die Frage der Übernachtungsmöglichkeiten. Aber auch da, sagt Philipp, werde sich zeitnah eine Lösung im Umfeld des Stadions finden lassen. Turnhallen seien eine Möglichkeit, doch an der Krefelder Straße gebe es bessere Möglichkeiten.

Welle der Solidarität

Derweil gibt es sowohl aus der Bevölkerung als auch von Aachener Institutionen viel Unterstützung für die Schüler: Viele bieten Schlafmöglichkeiten an. Das Bistum Aachen, der Diözesanverband des Bundes der katholischen Jugend Deutschland (BDKJ) und das Nell-Breuning-Haus Herzogenrath stellen für die geplante Großdemonstration rund 200 Schlafplätze zur Verfügung. Das meldet das Bistum in einer Pressemitteilung. „Dass sich junge Menschen so für den Klimaschutz und damit auch für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, ist bewundernswert. Dieses politische Engagement möchten wir ausdrücklich unterstützen“, betont Pfarrer Rolf-Peter Cremer, stellvertretender Generalvikar des Bistums Aachen. „Wir wollen gute Gastgeber sein, wenn sich insbesondere ausländische Studentinnen und Studenten nach Aachen aufmachen.“ „Die Einrichtungen waren von der Idee begeistert und freuen sich, damit auch den jungen Veranstaltern der Demonstration zu helfen“, sagt Cremer.

Auch die Arbeiterwohlfahrt Aachen stellt für die Demo in Aachen etwa 100 Schlafplätze zur Verfügung. „Das politische Engagement junger Menschen für den Klimaschutz möchten wir sehr gerne unterstützen und ein Gastgeber mit Herz sein“, schreibt die AWO auf ihrer Facebook-Seite. Die Übernachtungsplätze werden in den verschiedenen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Wer einen Schlafplatz benötigt, soll sich per E-Mail an info@awo-aachen-stadt.de wenden.

Eine ganz klare Haltung zum Thema hat der Aachener Kinderschutzbund, der sich auch in der Verantwortung gegenüber Jugendlichen sieht. Auf der jüngsten Vorstandssitzung gab es keinen Diskussionsbedarf: Man sprach sich einstimmig dafür aus, bis zu 25 jungen Leuten auf dem schönen Abenteuerspielplatz Zum Kirschbäumchen eine Unterkunft für die benötigte Zeit zu gewähren.

Weiterhin betreiben die Aachener Schüler, um ihre Mitstreiter von auswärts unterzubringen, eine private Bettenbörse. Wer einen Schlafplatz anbieten wolle, soll sich per E-Mail an bettenboerse-ac2106@fridaysforfuture.de wenden. Wichtig sei, dass Name, Adresse und Anzahl der verfügbaren Schlafplätze sowie eine Kontaktmöglichkeit angegeben werden.

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