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Chorusberg: Stadt muss hinter Umweltaktivisten aufräumen

Chorusberg : Stadt muss hinter Umweltaktivisten aufräumen

Neue Beschwerden auf dem Chorusberg: Jetzt geht es um die Hinterlassenschaften der Umweltaktivisten. Stadtbetrieb säubert Privatgrundstück auf Kosten des Steuerzahlers.

Die Hinterlassenschaften der Umweltaktivisten musste jetzt ein Aufräumtrupp des Stadtbetriebs wegkarren. Pünktlich zum Sonntag, 21. März, traditionell der Internationale Tag des Waldes, sieht es an den knapp 20 geretteten Buchen am Chorusberg wieder so aus wie vor der Besetzung. Seile, Kletterwerkzeug, Plakate, Banner und weiterer Unrat wurden entfernt – zu beträchtlichen Teilen auf städtische Kosten.

Aktivisten der Gruppierungen Fridays for Future, Ende Gelände, der Naturschutzbund, das Aachener Baumschutzbündnis und Anwohner hatten im Südviertel vor Wochen ihren Protest gegen die drohende Baumfällung im Rahmen „ordnungsgemäßer Forstwirtschaft“ in einem öffentlich zugänglichen Waldstück in Privateigentum des benachbarten Projektentwicklers Gerd Sauren begonnen. Dabei waren Banner zwischen Stämme gespannt, Kletterseile und Plattformen zwischen die Bäume und folierte Plakate an Zäune geknotet worden. Mehrere Bäume wurden beklettert und besetzt, Demonstranten – darunter auch grüne Ratsmitglieder – campierten zeitweise auf dem Areal. Erst nachdem Oberbügermeisterin Sibylle Keupen nach einigem behördlichen Hin und Her in Fragen des Artenschutzes (Fledermäuse) und der Verkehrssicherheit (Anwohnerbeschwerden) mit dem Eigentümer in Ankaufverhandlungen zur Wiederaufforstung der weitgehenden Waldbrache einstieg, zogen die Protestierenden ab. Zugesichert war, dass die bis zu 25 Meter hohen Buchen bleiben – auch wenn dort keine Fledermäuse nisten.

Die erfolgreichen Aktivisten hinterließen aber offenbar so viel Unrat, dass sich Anwohner – die zuvor wegen der drohenden Baumfällung die überwiegend jungen Baumbesetzer willkommen hießen und unterstützten – nun wiederum bei der Stadt beschwerten. „Sie waren an die Stadt herangetreten und hatten ihren Unmut darüber geäußert, dass nach der Baumbesetzeraktion diverse Sachen liegen geblieben waren“, bestätigt Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Stadt Aachen hat daraufhin schnell und unbürokratisch dafür gesorgt, die immer noch aufgeheizte Stimmung vor Ort wieder zu beruhigen, indem sie mit eigenem Personal des Stadtbetriebs die zurückgebliebenen Gegenstände entfernt hat“, erklärt er.  Dass nun städtische Bedienstete quasi auf Kosten des Steuerzahlers ein Privatgrundstück säubern, darf man als ungewöhnlich bezeichnen – das sieht auch das Presseamt ausdrücklich so. „Dabei handelte es sich selbstverständlich um eine absolute Ausnahme, die nur der Vorgeschichte geschuldet war. Die Besetzung durch Baumschützer und die vielen Unterstützer*innen hatten das Grundstück zu einer ,quasi-öffentlichen’ Fläche werden lassen“, teilt Beckers mit.

Derweil sollen die Verhandlungen zum Ankauf des im Flächennutzungsplan als Wald ausgewiesenen Brachlandes mit einzelnen Buchen fortgeführt werden. Die Rede ist von einem Kaufpreis in Höhe von 5000 Euro für etwa 8000 Quadratmeter. Da dort kein Bauland entstehen darf, setzen Experten den Quadratmeterpreis allerdings niedriger an. Hinzu kommen Aufforstungs- und jetzt auch Abfallentsorgungskosten.