Aachen: Stadt kämpft mit maroden Büros und Platzmangel

Aachen : Stadt kämpft mit maroden Büros und Platzmangel

Jene städtischen Mitarbeiter, die täglich ihre Büros im Verwaltungsgebäude am Adalbertsteinweg/Ecke Scheibenstraße betreten, können davon manches Lied singen: Das frühere Aseag-Haus ist so marode, dass darin eigentlich überhaupt niemand mehr arbeiten sollte.

Manches Büro ist völlig unbrauchbar — teils blüht nur noch der Schimmel. Und den Kolleginnen und Kollegen an der Reumontstraße, wo der Fachbereich Umwelt „residiert“, geht es nicht viel besser. Auch dort wird in einem Gebäude gearbeitet, das nach heutigen Maßstäben eher eine Baracke ist.

Viele neue Aufgaben

In die Jahre gekommen ist überdies das große Verwaltungsbebäude an der Lagerhausstraße, das einst nach ganz anderen arbeitsökonomischen Vorstellungen gebaut wurde, als man sie heute anlegt. Zudem „knubbelt“ es sich dort. Die Verwaltung hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Arbeitsfelder übernommen — beziehungsweise nach Maßgaben des Gesetzgebers übernehmen müssen. Das bedeutet natürlich auch einen enormen Personalzuwachs. Nur: Für die ganzen Mitarbeiter ist gar kein Platz da. Dringend müssen neue Räume her.

Auf dem Weg dorthin soll der Planungsausschuss in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag einen Schritt voran machen. Auf die Schiene gesetzt werden soll ein Architektenwettbewerb. Inhalt: Umbau und Erweiterung des Verwaltungsgebäudes Lagerhausstraße plus Neubau eines Verwaltungsgebäudes in direkter Nachbarschaft an der Zollamtstraße.

Mit geschätzt deutlich über 20 Millionen Euro Kosten wäre das eine der größten Neubauinvestitionen der Stadt in den vergangenen Jahren. Ursprünglich war bereits ins Auge gefasst worden, Büroflächen im Neubauprojekt „Blue Gate“ — ebenfalls an der Zollamt-straße — zu mieten. Kalkuliert worden war seinerzeit mit jährlichen Mietkosten von 600.000 Euro. Angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen wird nun allerdings der eigene Neubau favorisiert. Dieser soll aus zwei Teilen bestehen.

Ein großes neues Gebäude könnte auf dem ehemaligen Postgrundstück an der Zollamstraße hochgezogen werden. Dieses gehört mittlerweile der Stadt. Einen L-förmigen Anbauriegel könnte es zur Lagerhausstraße hin geben — über dem heutigen Eingangsbereich. Der Eingang soll dann an die Zollamstraße verlegt werden. Insgesamt könnten einer Vorstudie von „kadawittfeldarchitekten“ zufolge so 4600 Quadratmeter neue Flächen und Arbeitsplätze für etwa 200 Mitarbeiter geschaffen werden. Platz wäre beispielsweise auch für neue Sitzungssäle.

„Open Space“ angedacht

Angedacht ist auch, zumindest in Teilen das sogenannte „Open Space“-Bürokonzept einzuführen. Im Grunde entspricht das dem, was man als „Großraumbüros“ schon lange kennt. Es gibt dabei (fast) keine Wände. Und es gibt weitestgehend auch keine „klassischen“ Fachamtbüros und feste Arbeitsplätze. Vielmehr werden bei diesem Konzept die Mitarbeiter flexibel eingesetzt nach gerade aktueller Aufgabe und in ämterübergreifenden Teams eingesetzt.

Neben der Flexibilität soll das auch Platz und Kosten sparen, ist aber längst nicht bei allen beliebt und in Unternehmen, die so etwas längst eingeführt haben, bisweilen umstritten. Bis es soweit ist, wird es aber ohnehin noch eine ganze Weile dauern. Die Zeitschiene für den Architektenwettbewerb mitsamt Preisgericht, Verhandlungen mit dem Sieger und so weiter geht bis ins Frühjahr 2019.

Nicht vor 2022 fertig

Mit einer Fertigstellung der neuen Büros dürfte nicht vor 2022 zu rechnen sein. Weswegen wohl an der Anmietung von Räumen ebenfalls kein Weg vorbeigeht. Zunächst ist das für fünf Jahre vorgesehen. Allein: Im „Blue Gate“-Komplex dürfte dies zeitlich ebenfalls schwierig werden, denn derzeit scheint völlig offen, wann mit diesem 80-Millionen-Euro-Projekt, das neben einem Bürohaus, Studentenappartements und ein Hotel beheimaten soll, begonnen wird.

Seit einiger Zeit ruht diesbezüglich still der See. Dem Vernehmen nach sind jetzt zumindest alle nötigen Unterlagen für den Bauantrag bei der Stadt eingegangen, was lange Zeit nicht der Fall war. Zwischenzeitlich war auch einer der Investoren abgesprungen. Ob es einen neuen gibt, ist unbekannt.

So wird man sich auch andere Mietobjekte anschauen müssen, um der akuten Raumnot zu begegnen. Die Verwaltung wird noch ein paar Jahre „zersplittert“ quer über die ganze Stadt verteilt sein. Und wie im Fall Adalbertsteinweg und Reumontstraße in unzumutbaren Verhältnissen arbeiten.

Mehr von Aachener Zeitung