Aachen: Stadt füllt tiefes Loch in der Theaterkasse

Aachen: Stadt füllt tiefes Loch in der Theaterkasse

Die letzten Rücklagen sind längst aufgebraucht, erhebliche finanzielle Altlasten allerdings ebenfalls kurzfristig „erledigt” worden: Rund 3,74 Millionen Euro hat die Kämmerei jetzt im laufenden städtischen Etat locker gemacht, um die jüngsten Defizite des Theaters Aachen auszugleichen.

„In der Tat haben sich die Rückstände in den drei Spielzeiten zwischen Mitte 2007 und Mitte 2010 angesammelt”, erklärte Udo Rüber, Verwaltungschef im Kunsthort, auf Anfrage. Vor allem durch die erheblichen Eigenleistungen des Hauses im Zusammenhang mit langfristigen Sanierungsmaßnahmen sei die breite Kluft im Etat des Eigenbetriebs entstanden.

Dass der Federstrich der Kämmerei einmal mehr für politischen Krawall rund um die Finanzierung des Bühnenbetriebs mit seinem aktuellen Zuschussbedarf von knapp 18,2 Millionen Euro sorgen könnte, fürchtet Rüber indes so wenig wie Hermann Josef Pilgram, Grünen-Ratsherr, Mitglied des Betriebsausschusses für Theater und VHS und Vorsitzender des Finanzausschusses, der in seiner Sitzung am 2. Oktober grünes Licht für die Maßnahme erteilen soll. Laut Eigenbetriebsverordnung sei die Stadt verpflichtet, Defizite des Theaters innerhalb von fünf Jahren auszugleichen. „Es war klar, dass die Maßnahme anstand. Eine neuerliche Grundsatzdiskussion über die Strukturen des Hauses wird sich daraus nicht ergeben”, sagt Pilgram.

Vor zwei Jahren hatten die Fraktionen das Theater einmal mehr auf den Prüfstand gestellt - und sich im Schulterschluss dafür ausgesprochen, dass Spartenschließungen nicht in Betracht kommen. Der Konsens steht bis in die Reihen der FDP, in der vordem durchaus auch kritische Stimmen im Hinblick auf weitergehende finanzielle Hilfen laut geworden waren. „Es ist in Ordnung, dass die Kämmerei gehandelt hat, nachdem das städtische Budget durch die sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen erheblich entlastet worden ist”, sagt auch FDP-Ratsfrau Ruth Crumbach-Trommler, die wie Pilgram beiden Ratsausschüssen angehört.

Inzwischen habe sich die Situation des Hauses zudem erheblich entspannt, betont Rüber. „Im Abschluss der Saison 2010/11 haben wir besser abgeschnitten als im Wirtschaftsplan vorgesehen”, resümiert der Verwaltungsdirektor. „Auch in der jüngsten Spielzeit wird das sicher der Fall sein.” Die Besucherzahlen seien aktuell sehr gut, auch im Rückblick auf die vergangene Saison. Über 140.000 Besucher kamen zu 26 Aufführungen.

Projekte wie die Inszenierungen zum Thema Diktatur seien nach wie vor gefragt, und zu Kinderstücken wie „Dschungelbuch” kamen 28.000 Besucher, berichteten Vertreter des Hauses im Betriebsausschuss. Jetzt arbeiteten Theater und Musikdirektion mit Nachdruck daran, nicht nur das Ergebnis der Besucherzahlen weiter zu verbessern, sondern in naher Zukunft auch aus wirtschaftlicher Sicht erfreuliche Neuigkeiten verbreiten zu können.

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