Stadt Aachen versiegelt Parkscheinautomaten und fährt Verlust ein

Silvester-Rechnung geht nicht auf : Parkautomaten versiegelt, Zehntausende Euro verloren

Über Silvester wurden mehr als 100 Automaten mit speziellen Aufsätzen versiegelt, um vor Böllern geschützt zu werden. Die ausgefallenen Park-Einnahmen liegen allerdings deutlich über der Schadenssumme durch Böller aus dem Vorjahr.

Diese Rechnung ist wohl nicht ganz aufgegangen: Weil in den vergangenen Jahren zu Silvester immer mehr Parkscheinautomaten in der Innenstadt durch Böller beschädigt wurden, hat die Stadt Aachen im Jahr 2018 erstmals eine Vielzahl von Automaten versiegelt. 109 waren es insgesamt. Die speziellen, wiederverwendbaren Aufsätze, die der Versiegelung dienten, sollten die Schadensumme eindämmen, die jedes Jahr durch die Böllerei entsteht. Das sind geschätzt etwa 14.000 Euro. Ärgerlich nur, dass der Stadt durch die nun außer Gefecht gesetzten Automaten zwischen den Tagen mehrere Zehntausend Euro an Einnahmen entgangen sind.

Gerade in der Silvesternacht seien Parkscheinautomaten laut Harald Beckers vom städtischen Presseamt immer wieder Ziel von Vandalismus. Die Aufsätze, die der Hersteller der Automaten anbietet, wurden daher im Jahr 2017 erstmals getestet und deren Anzahl 2018 erhöht. Die Stadt habe die Aufsätze teils sogar selbst nachgebaut. Die Hochrechnung, die allerdings nur einen „Pi mal Daumen“-Wert ergebe, wie Beckers betont, habe nun aber ergeben, dass die Verluste deutlich über 50.000 Euro liegen. „Gerade zwischen den Tagen ist durchaus viel Verkehr in der Stadt und es kommen relativ viele Besucher“, sagt Beckers. Nun, die betroffenen Autofahrer dürften sich gefreut haben. Sie mussten in der Zeit lediglich die Parkscheibe einlegen. Auf die Werktage hochgerechnet, käme man dann aber auf die hohe Summe. Kein Wunder, denn alle Automaten liegen in der Innenstadt an zentralen Punkten.

Seit 4. Januar wieder in Betrieb

Techniker der Aachener Parkhaus GmbH (Apag) hatten am 21. Dezember damit begonnen, die Automaten zu versiegeln. Seit dem 4. Januar seien alle wieder in Betrieb. Die Anschaffung der Aufsätze sei kein großer Kostenpunkt gewesen, doch rechne man auch die Anbringung und Entfernung eben dieser mit ein, für die Apag-Techniker bezahlt werden müssten, sowie die verlorenen Einnahmen, dann habe sich diese Variante nicht gelohnt.

„Es gibt Automaten, die nehmen an einem Tag gar nichts ein. Andere pro Tag 250 bis 300 Euro“, sagt Beckers. Im Fall der versiegelten Parkscheinautomaten waren es dann wohl mehr von der zweiten Sorte. „Die Erfahrung, die wir gemacht haben zeigt, dass die verlorenen Einnahmen höher sind als die Kosten, die durch die Schäden verursacht werden“, so Beckers weiter. „Meine Einschätzung ist, dass man das in den nächsten Jahren nicht mehr verfolgt.“

Die Stadt wird also vermutlich keine neuen Aufsätze anschaffen. Was mit den ausgedienten passieren wird, ist auch noch nicht ganz klar. In Gesprächen mit Mitarbeitern habe Beckers zudem erfahren, dass auch andere Kommunen keine guten Erfahrungen mit den Aufsätzen gemacht haben. „Vielleicht versiegeln wir noch mal einzelne Geräte“, so Beckers, mehrere vermutlich nicht mehr.

Hinzu kommt noch, dass auch wieder ein paar Parkscheinautomaten an anderer Stelle durch Böller beschädigt wurden. Zwar können die Kracher die Automaten nicht zerstören, wohl aber werden durch die Explosion Partikel freigesetzt, die sich im Inneren der Maschine verteilen und Platinen beschädigen. Diese Beschädigungen lassen sich oft erst Wochen später feststellen.

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