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Stadt Aachen und Studierendenwerk streiten über Neubau von Wohnheimen

Wohnraummangel : Bleibt das Studierendenwerk unter seinen Möglichkeiten?

Das Verhältnis zwischen der Stadt Aachen und dem örtlichen Studierendenwerk scheint schon mal besser gewesen zu sein. Immer offener wird die Kritik an dem Dienstleister vorgetragen, der knapp 4700 Studentenbuden im Angebot hat. An der Frage, ob das Studierendenwerk beim Bau neuer Studentenwohnungen seine Möglichkeiten ausreizt, scheiden sich derzeit die Geister.

„Die wenigen Studentenbuden, die in Aachen gebaut werden, kommen im Moment nur von privaten Investoren“, sagt der SPD-Politiker und Vorsitzende im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, Norbert Plum. „Das macht nachdenklich.“ Er würde sich daher wünschen, wenn die Einrichtung „ein Schüppchen drauflegen“ würde. „Ich habe das Gefühl, dass sich in Aachen weniger tut als in anderen Hochschulstädten.“ Mehr Engagement „wäre sehr hilfreich“, sagt er.

Ähnlich äußert sich Marc Beus für die Linken. „Da sich das Studierendenwerk in Aachen nicht durch Engagement in der Wohnraumschaffung auszeichnet, müssen Studierende auf dem freien Wohnungsmarkt häufig tief in die Tasche greifen“, meint er. Der Mietpreis werde für Jugendliche damit zur Zukunftsfrage, „ob man sich ein Studium überhaupt noch leisten kann“.

Denn die derzeit im Trend liegenden „Mikroapartments“ haben private Investoren vor allem als Renditemodell für sich entdeckt. Mit der Lebensrealität der allermeisten Studenten haben die Preise, die auf dem privaten Markt erwartet werden, meist jedoch nicht viel zu tun. Mit einer Durchschnittsmiete von 11,80 Euro pro Quadratmeter zählen Kleinapartments bis 26 Quadratmeter derzeit zu den teuersten Wohntypen in Aachen, hat die Stadt ermittelt.

„Wir müssen uns stärker mit den Einpersonenhaushalten auseinandersetzen“, sagt auch Manfred Sicking, Dezernent für Wohnen und Soziales. Ihr Anteil liegt in Aachen inzwischen bei 58 Prozent, was auch auf die weiter wachsende Zahl der Studenten zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang müsse laut Sicking auch die Frage gestellt werden: „Tut das Studierendenwerk genug? Kann man es stärker einbinden?“ Denn natürlich trage die Schaffung geförderten studentischen Wohnraums auch zur Entlastung auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt etwa für Rentner und Geringverdiener bei.

„Wenn es nach uns ginge, würden wir jedes Jahr ein neues Wohnheim bauen“, sagt Ute von Drathen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Aachener Studierendenwerks, die natürlich weiß, wie groß die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen ist. Einzelzimmer sind in den studentischen Wohnheimen schon für unter 200 Euro zu kriegen. Das ist konkurrenzlos billig, entsprechend lang sind die Wartelisten. Doch mit den seit Jahren steigenden Studierendenzahlen kann der Bau öffentlich geförderter Studentenwohnungen seit langem nicht mehr mithalten. Aachen ist als eine jener drei Städte mit den höchsten Zuwachsraten davon besonders betroffen.

Konnten Anfang der 1990er Jahre noch 15 Prozent der Studierenden bundesweit auf einen geförderten Wohnheimplatz hoffen, sind es derzeit nur noch 9,6 Prozent. Aachen liegt laut der Statistik des Deutschen Studentenwerks mit einer Versorgungsquote von 9,7 Prozent nur leicht über dem Bundesschnitt. Auffallend aber auch: Bonn oder Münster schneiden mit Versorgungsquoten von 12,4 beziehungsweise 13,2 Prozent deutlich besser ab. Noch weit besser stehen Freiburg (15,9 Prozent) und Heidelberg (16,8 Prozent) da.

Vor zwei Jahren hat das Aachener Studierendenwerk unter der Geschäftsführung von Dirk Reitz zuletzt die neue Wohnanlage Kawo 3 am Kastanienweg mit 344 neuen Plätzen eröffnet. Seitdem ist nichts Neues mehr gebaut worden und laut von Drathen auch nicht geplant. Aktuell müsse man sich auf die Sanierung der insgesamt 24 Bestandsbauten konzentrieren, sagt sie. „Die Erhaltung von Wohnraum ist genauso wichtig wie das Schaffen von neuen Unterkünften.“

Sie betont zugleich, dass Studierendenwerke nicht gewinnorientiert seien und ohne Zuschüsse des Landes nur wenig Finanzierungsspielraum hätten. In NRW könnten derzeit nur noch sechs Prozent aller Studenten in Wohnheimen untergebracht werden. „Diese Zahl sagt wohl alles über die Unterstützung der Landesregierung aus.“ Auch der Dachverband der Studentenwerke hält die Förderbedingungen in NRW für völlig unzureichend und fordert seit Jahren stärkere finanzielle Hilfe von Bund und Ländern. Um „niedrige und sozialverträgliche Mietpreise gewährleisten“ zu können, fordert auch das Aachener Studierendenwerk: „Die Landesregierung muss hier endlich Verantwortung übernehmen und die Studierendenwerke bei diesem Auftrag unterstützen.“

Bei der Stadt bleiben derweil die Erwartungen an das Studierendenwerk weiter hoch. „Wir brauchen einen stärkeren Schulterschluss“, meint Dezernent Sicking. So versuche man aktuell unter anderem in Gesprächen mit dem Land, einen Wohnungsgipfel zum Thema „Studentischer Wohnraum“ nach Aachen zu holen.

Da kann man dann auch gleich ein weiteres ärgerliches Thema ansprechen. Denn während das Studierendenwerk beklagt, derzeit gar keine bezahlbaren Grundstücke in attraktiver Lage für neue Wohnheime zu kennen, findet die Stadt, dass gerade auch das Land geeignete Grundstücke zu lange Zeit brachliegen lässt. Ein Beispiel sei das ehemalige Landesstraßenbauamt an der Karl-Marx-Allee, das eine perfekte Lage für studentisches Wohnen habe.