Stadt Aachen sucht neue Lösung für Altkleider-Container

Altkleidercontainer : Stadt verabschiedet sich wieder vom Losverfahren

Mit ihrem vor vier Jahren eingeführten Standortkonzept für Altkleidercontainer hat sich die Stadt von Anfang an viel Ärger eingefangen – nun zeichnet sich die Kehrtwende ab. Allem Anschein nach sollen die Konzessionen für die 100 Container-Standorte im öffentlichen Straßenraum nicht länger per Losentscheid vergeben werden. Wie die neue Lösung aussehen soll, ist allerdings noch unklar.

Die Folgen dieser Hängepartie bekommt in diesen Tagen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zu spüren, das derzeit im gesamten Stadtgebiet 100 Sammelcontainer einsammeln und abtransportieren muss – mit der Konsequenz, dass viele Menschen einstweilen etwas intensiver Ausschau nach Containern für abgelegte Kleidung und alte Wäsche oder Schuhe halten müssen. Bis Montag lief die Frist fürs DRK, dann sollten alle 100 Container am Straßenrand abgebaut sein.

Wie die Altkleidersammlung in der Stadt künftig organisiert werden soll, das fragt sich nun nicht nur DRK-Vorstandsvorsitzender Markus Engels. Gemeinsam mit Vertretern anderer Wohlfahrtsverbände kämpft er seit Jahren darum, die Sammlung bevorzugt den gemeinnützigen Einrichtungen und nicht der privaten Konkurrenz zu überlassen.

Doch unter der Regie des längst ausgeschiedenen Dezernenten Lothar Barth hat sich die Stadt vor gut vier Jahren anders entschieden. Seitdem wurden die Konzessionen für die Container-Standplätze jährlich im Losverfahren vergeben: In der Folge erhielten 2016 und 2017 gewerbliche Sammler den Zuschlag, 2018 fiel das Losglück aufs DRK. Für 2019 hat es hingegen kein Verfahren mehr gegeben.

Die Altkleidersammlung ist ein lukrativer Markt, denn im Schnitt bringt jede gesammelte Tonne aktuell rund 300 Euro ein. Vor allem für die gemeinnützigen Sammler ist das eine wichtige Einnahmequelle, da sie mit den Altkleidern nicht nur die örtlichen Kleiderkammern für Bedürftige bestücken. Verwendung finden die Sachen oftmals auch in der Katastrophenhilfe. Teils werden sie aber auch weiterverkauft, wobei die Einnahmen dann in aller Regel sozialen Projekten zugute kommen.

Mit dem Erlös unterstütze das DRK beispielsweise die Jugendarbeit, den Suchdienst, die Seniorenbetreuung oder auch die Wasserwacht, wie Engels erläutert. Rund 640 Tonnen Altkleider hat das DRK allein im vergangenen Jahr in den am Straßenrand abgestellten Containern einsammeln können. Einstweilen fallen diese Sammlungen nun weg. „Wir hätten gerne nahtlos weitergemacht“, sagt DRK-Vorstand Peter Henrichfreise. Doch eine Lösung mit der Stadt sei noch nicht gefunden.

Wie die neue Regelung aussehen soll, bleibt vorerst noch ein Geheimnis der städtischen Verwaltung. An entsprechenden Konzepten werde noch gearbeitet, teilte Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage mit. Die Vorschläge sollen dann zunächst im Mobilitätsausschuss am 21. Februar diskutiert und eine Woche später im Rat verabschiedet werden. Frühestens im März werden demnach die Altkleidercontainer wieder im großen Stil im Stadtgebiet zu finden sein. Und zumindest beim DRK ist die Hoffnung groß, dann wieder die erste Wahl zu sein. Vorerst können Kleiderspenden fürs DRK nur in den Containern an der Robensstraße 49 und Kackertstraße 4 sowie im DRK-Kleiderladen, Rudolfstraße 29, abgegeben werden.

Derweil haben sich vor zwei Jahren bereits mehrere soziale Organisationen und die beiden großen Kirchen zur Organisation „Aachen Fairwertet“ zusammengeschlossen, um ein eigenes Sammelsystem abseits des öffentlichen Straßenraums aufzubauen. Ihre blau-weißen Kleidercontainer stehen auf privatem Grund. 33 gibt es aktuell, wie Organisator Martin Pier mitteilt, rund 50 Standorte sollen es in diesem Jahr werden. „Wir wollen wachsen“, sagt er. Nicht zuletzt soll so auch privaten Konkurrenten das Wasser abgegraben werden. Mit den Kleiderspenden werden insbesondere soziale Projekte des Malteser Hilfsdienstes, der Wabe, der Diakonie und der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung finanziert.

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