Park(ing) Day : Stadt Aachen soll erfahrbarer werden

Park(ing) Day : Stadt Aachen soll erfahrbarer werden

War es ein Zeichen höherer Mächte oder nur ein Synonym für die aktuelle Verkehrssituation in Aachen? In jedem Fall weinte der Himmel, und eine kleine Träne hatten die Veranstalter des Park(ing) Day im Rahmen der Europäischen Woche der Mobilität am Theater und in der Kleinmarschierstraße natürlich in den Augen.

Das Wetter sorgte für unangenehme Verhältnisse und ließ die Bereitschaft der ohnehin schon überschaubaren Fußgängerströme auf Verweilen noch zusätzlich sinken. „Das ist übrigens ein Punkt, den die Geschäftsleute entlang der Theaterstraße bereits seit Langem kritisieren“, richtete Sabine Neitzel vom veranstaltenden Verkehrsclub Deutschland VCD den Blick auf die Tristesse der Verkehrsader.

Um Alternativen aufzuzeigen, hatte man keine Mühen gescheut und auf dem Parkstreifen vor den Geschäften in Höhe des Theaters Grünstreifen in Form von Rollrasen angelegt und Ruhemöglichkeiten mit Liegestühlen und Sitzbänken geschaffen. In loser Folge wurden kurze Lesungen abgehalten, die über den Verkehrslärm hinweg für Entspannung sorgen sollten.

Nebenbei informierte Velocity über umweltfreundliche Möglichkeiten der Fortbewegung mit den ausgestellten E-Bikes. Wer Interesse hatte, wurde zu einer kurzen Stadtrundfahrt in eine E-Rikscha geladen. Abzüge von Fotos, die das Stadtarchiv zur Verfügung gestellt hatte und Zeugnis von einer verkehrstechnisch sehr viel ruhigeren Zeit ablegten, vermittelten eine Ahnung davon, was an dieser Stelle möglich wäre.

Bei Greenpeace konnten die Besucher ihre persönlichen CO2-Fußabdrücke ermitteln, also ihr eigenes Umweltbewusstsein hinterfragen.

In der Kleinmarschierstraße legten Bündnis90/Die Grünen den Finger in dieselbe Umweltwunde. Kaj Neumann, mobilitätspolitischer Sprecher der Partei, wollte mit den Menschen ins Gespräch kommen und für eine Neuordnung des Straßenraums werben. „Es stehen eben nur begrenzte Flächen in der Stadt zur Verfügung. Darauf parken die meiste Zeit des Tages vornehmlich ungenutzte Fahrzeuge“, plädierte er für ein Umdenken bei Politik, Verwaltung und Bevölkerung.

Die grünen Politiker und Politikerinnen suchten derweil in der Kleinmarschierstraße das Gespräch mit den Bürgern. Foto: Michael Jaspers

Die Erhöhung der Parktarife begrüßte er in diesem Zusammenhang sehr, allerdings ist er beim gefundenen Kompromiss skeptisch. „Die Verwaltung hat alles durchgerechnet und verspricht einen nachhaltigen Effekt durch die Maßnahme“, zeigte er sich verhalten optimistisch. Seine Partei werde zu gegebener Zeit nachfragen, wie es um den Erfolg der Aktion bestellt sei.

Sollte dadurch tatsächlich die Park-Belastung am Straßenrand reduziert werden, „muss der freiwerdende Raum anderweitig genutzt werden“, so Neumann. Den Grünen schweben dann Baum-Neupflanzungen, Radfahrstreifen oder Radabstellmöglichkeiten vor. In jedem Fall soll die Stadt für die hier lebenden Menschen „erfahrbarer“ und lebenswerter werden. Da können nach Meinung der Veranstalter Änderungen in die vorgeschlagenen Richtungen nur gut tun.

Der „Erlebnistag Mobilität“ ist Abschluss und Höhepunkt der Europäischen Woche der Mobilität 2018 in Aachen. Er beginnt am Samstag um 11 Uhr auf dem Templergraben zwischen Wüllner- und Schinkelstraße und dauert bis 17 Uhr.

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