Aachen: Stadt Aachen knöpft Autofahrern mehr Geld ab

Aachen : Stadt Aachen knöpft Autofahrern mehr Geld ab

Darauf dürfte die Kämmerin abfahren. Dank der Autofahrer in der Innenstadt steigen die Einnahmen der Stadt Aachen auf historische Rekordhöhe. 4,9 Millionen Euro spülten allein die Parkscheinautomaten im Jahr 2017 ins Stadtsäckel — so viel wie noch niemals zuvor.

2016 waren es noch knapp 4,6 Millionen, 2015 kaum 4,2 Millionen und 2014 gerade mal vier Millionen Euro. Dies teilte das städtische Presseamt jetzt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das entspricht einer Steigerung um 23 Prozent in vier Jahren.

Aber auch in den Parkhäusern und bei der Verkehrsüberwachung zählt man wachsende Einnahmeposten. Die Gründe: Gebühren und Überwachungsdichte wurden hochgeschraubt — obwohl der Krankenstand unter den Politessen und Ordnungskräften vergangenes Jahr außergewöhnlich hoch war, wie es aus Behördenkreisen heißt.

Und dies trotz vermehrten Einsatzes von Zweier-Streifen, da das Aggressionspotenzial von Parksündern spürbar gestiegen sei, wie die Stadt betont. Sicher vor Knöllchen ist, wer seine Karosse im Parkhaus abstellt. Hier erzielte die Apag 2015 12,6 Millionen Euro Einnahmen, vergangenes Jahr bereits rund 12,9 Millionen.

215 .32 Knöllchen schrieben die 97 Aachener Politessen im vergangenen Jahr. Da sind — außer sonntags — knapp 700 gelbe Zettel pro Tag. Dadurch „verdiente“ die Stadt 3,97 Millionen Euro. Das ist fast so viel wie 2016 (4,06 Millionen Euro). Allerdings flossen damals allein 950.261 Euro aus 45.691 Verfahren wegen fehlender grüner Plaketten, 2017 sind es nur noch 28.906 Plaketten-Verfahren und damit 536.293 Euro.

Überwachung verlagert

Das heißt: Der Anteil der herkömmlichen Park-Knöllchen an den Gesamteinnahmen aus Verstößen im ruhenden Verkehr sind erheblich gewachsen. Vor zwei Jahren nahm die Stadt aus Knöllchen 3,6 Millionen Euro ein, obwohl noch mehr, nämlich 221.956, Parkverstöße geahndet wurden — allerdings waren die Strafgebührentarife damals noch niedriger. Dafür wurden die Areale des Bewohnerparkens immer weiter ausgedehnt — und entsprechend mehr Parkscheinautomaten auf die Gehwege gepflanzt.

13.500 Bewohnerparkausweise stellte die Stadt 2014 aus, vergangenes Jahr waren es 17.000 à 30 Euro — was weitere 51.000 Euro einbrachte. „Eine flächendeckende Kontrolle der Parkraumbewirtschaftung ist unerlässlich, um Parkraum für die Bewohner und Parkflächen für Kurzparker freizuhalten“, erklärt Rita Klösges vom Presseamt.

Besonderes Augenmerk gelte dabei den Ladezonen, etwa der Einhaltung der Ladezeiten, gerade in Fußgängerzonen. Die Lage ist angespannter denn je. Klösges erläutert: „Aufgrund der sich ständig ändernden Verkehrssituation, hier insbesondere der stark zunehmende Lieferverkehr unter anderem auch durch den Internethandel, verschiebt sich die Priorisierung der Überwachungsschwerpunkte.“

Besonders im Fokus: Behinderungen und Gefährdungen durch Halten und Parken auf den Hauptverkehrsachsen, auf den Ringen, in zweiter Reihe, auf Bussonderspuren, Halteverboten, Behindertenparkplätzen, im Rahmen der Schulwegsicherung, auf Radverkehrsanlagen und innerhalb von Fünf-Meter-Zonen bei Einmündungen.

Falschparker auf Behindertenparkplätzen lassen die Ordnungskräfte ausnahmslos konsequent abschleppen. Auf der „Hitliste“ der Abschleppunternehmer folgen absolute Halteverbote und Fünf-Meter-Zonen. 4952 Autos landeten 2015 in Aachen „am Haken“. 2016 waren es 4732, vergangenes Jahr 4561 — wobei 2017 noch einige Abschleppfälle im „Nachmeldeverfahren“ sind.

Apropos Strafen: Extrem lukrativ für die Stadt ist auch die Überwachung des fließenden Verkehrs — vor allem durch mobile Radar-Einheiten von Ordnungsamt und Polizei. Dort wurde personell und technisch aufgerüstet nach dem Motto: mehr Kontrollen gleich mehr Verstöße.

In drei Jahren haben sich die geahndeten Verstöße fast verdreifacht. 32.009 „Raser“ fotografierten die mobilen Geschwindigkeitsüberwacher im Jahr 2015 (plus 15.494 stationär / „Starenkästen“). Das ergab Bußgeldeinnahmen in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr zählte man bereits 3,5 Millionen Euro Einnahmen und Tempo- und Rotlichtverstößen. Rekordverdächtige 84.832 mal blitzte es aus Radarwagen (plus 23.552 stationäre Vorfälle), wenn Autofahrer zu schnell unterwegs waren.

Der Mammutanteil betrifft Autofahrer, die nur wenige Stundenkilometer zu schnell waren — sonst wären die Bußgeldeinnahmen 2017 geradezu explodiert, da Raser deutlich höhere Strafen zu zahlen haben. Die festgestellten Rotlichtverstöße sanken indes seit 2015 von 11.150 auf nunmehr 8320 Vorfälle, wie die Stadt vorrechnet.

Unterm Strich fährt die Stadt demnach aus Knöllchen, Parkgebühren und Strafgeldern über 25 Millionen Euro pro Jahr ein — Tendenz weiter steigend.

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