Stadt Aachen klagt über "überhitzte" Baukonjunktur

„Überhitzte“ Baukonjunktur : Kosten für Bauprojekte sind in Aachen kaum noch berechenbar

Monatelang hatten Experten der Schulverwaltung und des Gebäudemanagements ihre Köpfe zusammengesteckt und dezidiert aufgelistet, welche Baumaßnahmen und Projekte man mit dem Landesförderprogramm „Gute Schule 2020“ anpacken will. Nun muss diese Prioritätenliste wohl wieder überarbeitet – und einzelne Maßnahmen gekürzt oder auch ganz gestrichen werden.

Denn die Bauwirtschaft boomt, und die Preise steigen in die Höhe. Allein im Bereich der Sanierungen von WC-Anlagen in Schulen hat die Verwaltung zum ursprünglich eingeplanten Budget eine Kostensteigerung um insgesamt 155.000 Euro ermittelt. Auch für die Modernisierung von Innenräumen muss die Stadt rund 78.000 Euro mehr investieren, bei der Modernisierung von Fachräumen ergibt sich sogar eine Kostensteigerung um 188.000 Euro – wobei, so präzisiert die Verwaltung, von den ursprünglich drei geplanten Räumen nun bereits vier saniert worden seien.

Für die Stadtplaner bedeutet das, das nun wohl oder übel umgeplant werden muss. Über einen Zeitraum von vier Jahren stehen der Stadt über das Förderprogramm rund 21 Millionen Euro zur Verfügung, das sind fast 5,5 Millionen Euro im Jahr. Mit dem Geld will man unter anderem Grundschulen sanieren, Mensen für den Offenen Ganztag errichten, alte WC-Anlagen komplett erneuern und die digitale Infrastruktur an den Schulen verbessern. Bis Ende des Jahres sollen, so schreibt die Verwaltung, die noch aus dem Jahr 2017 zur Verfügung stehenden Mittel im Umfang von rund 5,2 Millionen Euro fristgerecht abgerufen werden. Bislang hatte sich die Stadt beim Abrufen der Mittel nämlich bewusst zurückgehalten.

Denn ursprünglich galt: Sobald ein Förderantrag bewilligt wird, muss die entsprechende Maßnahme innerhalb von 30 Monaten realisiert und abgerechnet werden. Diese Frist hat das Landeskabinett nun auf 48 Monate verlängert. Und den Kommunen so etwas mehr Spielraum verschafft. „Vor dem Hintergrund der sich im Baubereich schwierig entwickelnden Rahmenbedingungen gilt es den möglichst größten Umsetzungs- und Verwendungszeitraum zu schaffen“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage. Deshalb sollen die Fördermittel des Jahres 2018 auch erst 2019 abgerufen werden, zumal große Bauprojekte wie der Um- und Ausbau des Gebäudes der Montessori-Grundschule zu einem Montessori-Lernzentrum in Eilendorf und der Neubau der Grundschule Bildchen sich noch in der Planungsphase befinden.

Dass diese Planungen für städtische Bauvorhaben – auch unabhängig von Förderprogrammen wie „Gute Schule 2020“ – zunehmend schwieriger werden, hat Klaus Schavan, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, jetzt den Schulpolitikern eindringlich vor Augen geführt. Zwar habe sich das städtische Gebäudemangement schon immer im „magischen Dreieck“ von Kosten, Terminen und Qualitäten bewegt. Aktuell seien aber gerade die Kosten „kaum noch berechenbar“. Hintergrund ist die „überhitzte Baukonjunktur“, die nicht nur der Stadt Aachen als öffentlicher Bauherr zu schaffen macht. Die Situation sei selbst von Fachleuten kaum noch zu beherrschen, heißt es in der Verwaltungsvorlage. „Alle Erfahrungs- und Orientierungswerte zur Prognose von Kostenermittlungen laufen zurzeit ins Leere.“

Allein im Bereich der Sanierungen von WC-Anlagen in Schulen hat die Verwaltung zum ursprünglich eingeplanten Budget eine Kostensteigerung um insgesamt 155.000 Euro ermittelt. Foto: ZVA/Harald Krömer

Für Aachen bedeute das: Sofern Schnelligkeit maßgeblich sei, müsse das „Risiko größerer Kosten- und Terminunsicherheiten hingenommen werden“. Gleichermaßen gelte: „Ist Kostensicherheit gefordert, muss der baufachlich und projektspezifisch notwendige Bearbeitungszeitraum eingeräumt werden.“ „Gehirnschmalz nach vorne“, nennt das der Leiter des städtischen Gebäudemanagements, und fordert, dass Baupreissteigerungen auch im Haushalt stärker berücksichtigt werden. Ein Appell, den Schavan am Dienstag im Kinder- und Jugendausschuss wohl wiederholen wird, wenn er den Statusbericht des Gebäudemanagements zu den „Rahmenbedingungen der gegenwärtigen Marktlage für Bau- und Planungsleistungen“ präsentiert. Bisher werde in der Haushaltsplanung ein Baupreisindex von zwei Prozent berücksichtigt. Allerdings rechne die Bundesarchitektenkammer „auf absehbare Zeit“ mit jährlichen Preissteigerungen von fünf bis zehn Prozent. Wie genau diese Kostensteigerungen schon bei der Haushaltsplanung berücksichtigt werden können, werde zurzeit in Gesprächen mit unterschiedlichen Fachbereichen erörtert. So viel steht fest: Ans Umplanen und Anpassen von Prognosen wird man sich beim Bauen gewöhnen müssen.