Stadt Aachen kauft Büchel von Norbert Hermanns und Gerd Sauren

Aachener Innenstadtentwicklung : Das Büchel-Parkhaus hat jetzt einen neuen Besitzer

Es gehört nun der Stadt, bleibt aber erst mal in Betrieb: Das Parkhaus Büchel wird erst dann abgerissen, wenn ein Neubau kurz bevorsteht. Dafür gibt es aber noch gar keine konkreten Pläne.

Das Parkhaus Büchel hat den Besitzer gewechselt: Wie die Stadtverwaltung und auch die Büchel Immobilien GmbH mitteilen, hat die Stadt das Grundstück samt Parkhaus für etwas mehr als sechs Millionen Euro von der Büchel Immobilien GmbH, hinter der die beiden Gesellschafter Norbert Hermanns und Gerd Sauren stecken, gekauft.

„Damit sind wir dem Auftrag des Stadtrates nachgekommen, das Parkhaus-Grundstück als zentralen Baustein in der Neugestaltung des gesamten Altstadtquartiers Büchel in den städtischen Besitz zu holen“, wird Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert. Und weiter: „Der Kauf schafft uns Handlungsfreiheit, die nächsten Schritte in der Entwicklung des Projektes zügiger zu gehen.“

Wer nun aber denkt, dass am Büchel bald die Abrissbagger anrücken, wird enttäuscht. Die Stadt erklärt, dass das Parkhaus noch in seiner ursprünglichen Bestimmung über die Apag betrieben werden soll. Um eine unnötig lange Baubrache an der Stelle zu vermeiden, sollen der Abriss und der Start der Vorbereitungen zu einem Neubau kurz aufeinander folgen.

Wann dieser Neubau kommt, steht aber in den Sternen. Denn noch besteht überhaupt keine Einigkeit darüber, was für eine Art von Gebäude an der Stelle entstehen soll, und zu welchem Zweck. Während die CDU beispielsweise einen kombinierten Neubau von Stadtbücherei und VHS an dieser Stelle ins Spiel gebracht hat, wünscht sich die SPD eine weiter gefasste Diskussion um mögliche Nutzungskonzepte: Möglich seien laut Sozialdemokraten unter anderem eine Sporthalle, eine Konzerthalle, eine Markthalle oder auch Wohnungsbau. Sicher ist bislang nur, dass eine städtische Entwicklungsgesellschaft bald ihre Arbeit aufnehmen soll, um die Neugestaltung des Viertels voranzutreiben.

Projektteam bei der Arbeit

So schreibt auch die Stadtverwaltung, dass ein „dezernatsübergreifendes Büchel-Projektteam“ in die vertiefende Arbeit eingestiegen sei. Und auch die neue Bau- und Planungsdezernentin der Stadt, Frauke Burgdorff, die eigentlich erst zum 1. Oktober ihren Dienst antritt, habe schon an der Auftaktsitzung teilgenommen.

Das Parkhaus-Grundstück ist das erste von insgesamt vier Grundstücken, die die Stadt von der Büchel Immobilien GmbH kaufen will. Die Gesellschaft betont ausdrücklich, dass weder Gerd Sauren noch Norbert Hermanns mit diesem Verkauf einen Gewinn erzielen wollten. Es handele sich dabei lediglich um die Aufwandskosten, die der GmbH bisher entstanden seien. „Wir hoffen, damit einen Beitrag zu leisten, dass die Stadt die Fläche nun nach ihren Vorstellungen entwickeln kann“, wird Norbert Hermanns zitiert. Darum sollen neben dem Grundstück selbst auch „alle Erfahrungen und Erkenntnisse sowie verschiedene Vorplanungen und bereits eingeholte Gutachten“ der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Im Februar dieses Jahres hatten die Investoren Hermanns und Sauren nach jahrelang andauernden Verhandlungen mit der Stadt verkündet, dass sie sich aus dem Büchel-Projekt zurückziehen. Helmut Falter, Senior-Chef der Mayerschen Buchhandlung, dem ebenfalls Grundstücke am Büchel gehören, hatte bereits 2017 angekündigt, nicht länger mitzuziehen.

Uneinigkeit zwischen Investoren und Kommunalpolitikern herrschte unter anderem wegen der Frage, ob die Antoniusstraße in Zukunft weiter als Rotlichtmeile dienen solle, und wie hoch der Anteil von Sozialwohnungen sein müsse. „Das Projekt war mit einer Vielzahl von Erwartungen verbunden, die eine Realisierung für private Bauherren faktisch unmöglich machen“, erklärt die Büchel Immobilien GmbH. Neben der besonderen Struktur des Altstadtquartiers seien es auch „die teils widersprüchlichen Erwartungen“ von Politik, Verwaltung, Polizei und Prostitutionsszene zwischen Bordellnutzung und bürgerlichem Wohnquartier, die für die privaten Bauherren „nicht miteinander in Einklang zu bringen“ gewesen seien.

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