Stadt Aachen kämpft den harten Kampf gegen wilden Müll

Wilder Müll in Aachen : Eine Million Euro für Abfall, den es nicht geben dürfte

Leere Flaschen, versiffte Matratzen und blaue Säcke, von denen man gar nicht so genau wissen will, was darin ist: Täglich sammeln Mitarbeiter des Stadtbetriebs wilden Müll in Aachen ein. Dass sie das tun müssen, ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet eine Menge Geld.

Er verschandelt das Stadtbild, lockt Ungeziefer an und ist bisweilen sogar gefährlich für Mensch und Umwelt: wilder Müll – also Abfall, den Bürger nicht regelkonform entsorgen, sondern einfach aus Bequemlichkeit, aus Geiz oder aus Unwissenheit irgendwo abladen. Vor allem dem Aachener Stadtbetrieb ist das Thema ein Dorn im Auge. Tag für Tag sind Mitarbeiter der Straßenreinigung, die sogenannten „Kehrmännchen“, damit beschäftigt, diesen Unrat zu beseitigen. Müll, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, und für den die Allgemeinheit zahlen muss. Immer wieder erreichen unsere Redaktion E-Mails und Anrufe von Aachenern, die sich über wilden Müll beschweren. Wir haben deshalb beim Stadtbetrieb nachgefragt, wie man dort mit dem Thema umgeht.

Rund eine Tonne illegal abgeladenen Abfall sammelt der Aachener Stadtbetrieb ein – pro Tag. Allein das kostet den Steuerzahler rund eine Million Euro jährlich. Zum Vergleich: Insgesamt gab es im Jahr 2017 rund 114.000 Tonnen Abfall in Aachen, wie Elisa Bresser vom städtischen Presseamt mitteilt. Davon seien 34.000 Tonnen Restabfall, die Menge des Bioabfalls liege bei etwa 13.000 Tonnen. Papier macht 15.000 Tonnen, Leichtverpackungen 7.500 Tonnen aus. Hinzu kommen Dinge wie Holz, Sperrgut, Metall, Glas oder Bauschutt. Vieles davon finden die Stadtbetriebs-Mitarbeiter auch da, wo es nicht hingehört.

„Wir haben mehr als 80 Mitarbeiter, die mit der Straßenreinigung beschäftigt sind“, sagt Dieter Bohn, Bereichsleiter Stadtreinigung und Winterdienst beim Aachener Stadtbetrieb. Sechs davon seien beispielsweise jeden einzelnen Werktag im Aachener Ostviertel unterwegs – einem der Bezirke, in dem wilder Müll ein besonders großes Problem darstellt. Hier kommt es häufig vor, dass Leute ihren unangemeldeten Sperrmüll auf die Straßen stellen oder irgendwelche Abfälle rund um Altglascontainer ablegen. „Wir haben das komplette Ostviertel deshalb in die höchste Reinigungsstufe aufgenommen“, sagt Bohn. Das gibt es sonst eigentlich nur für die Kernstadt. Außerdem gebe es regelmäßig Termine der Abfallberatung in großen Mehrfamilienhäusern, um die Bürger für die Problematik von falscher Mülltrennung oder von wildem Müll zu sensibilisieren. Auch Informationsmaterial zum Thema bietet der Stadtbetrieb in mittlerweile sieben verschiedenen Sprachen an. Diese liegen beispielsweise im Bürgerservice und den Bezirksämtern aus oder stehen kostenlos auf der städtischen Homepage zum Download bereit.

Anonymität ist ein Problem

Zwar gibt es Bereiche wie das Ostviertel, in dem es besonders viel wilden Müll gibt, grundsätzlich findet man aber überall im Stadtgebiet wilden Abfall, auch im Wald oder in den Außenbezirken. „In ländlicheren Gebieten funktioniert die Kontrolle durch die Nachbarn aber noch besser“, schätzt Dieter Bohn. In Innenstädten sei das anders – nicht nur in Aachen. Natürlich versuche der Stadtbetrieb auch in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, Verursacher wilden Mülls festzustellen und entsprechend zur Verantwortung zu ziehen. Doch das gelingt nicht in allen Fällen.

Das Problem mit wildem Müll fällt natürlich nicht nur den Mitarbeitern des Stadtbetriebs, sondern auch vielen Bürgern auf, die sich ärgern – und im besten Fall eine Meldung beim Stadtbetrieb absetzen. Rund 1500 Mal pro Jahr klingelt bei Manuela Staaks und ihren Kollegen diesbezüglich das Telefon. Sie ist Abfallberaterin beim Stadtbetrieb und setzt sich nicht nur für die Reinigung der Straßen ein, sondern versucht, das Müllproblem an der Wurzel zu packen: Müllvermeidung und richtige Mülltrennung sind ihr Thema. „Das fällt vielen Menschen schwer“, weiß Staaks aus Erfahrung – entweder weil die Leute nicht richtig über moderne Mülltrennung Bescheid wissen oder das deutsche System aus ihren Kulturkreisen nicht kennen.

Angefangen wird bei den Jüngsten: Mitarbeiter der Abfallberatung bieten regelmäßig Kurse an. „Wir sind mittlerweile in Schulen und Kindergärten unterwegs und machen viele Führungen über unseren Betriebshof“, sagt Manuela Staaks. Allein 2018 waren es rund 600 Kinder, die zu Müllexperten geworden sind. „Wir hoffen, über die Kinder, die sehr lernwillig sind und das Problem begreifen, Zugang zu den Familien zu bekommen“, sagt Manuela Staaks, „dass die Kinder sozusagen ihre Eltern ein bisschen mit erziehen.“

Das ist ein langer und alles andere als einfacher Weg, weiß Dieter Bohn. „Das ist ein stetiger Prozess, an dem wir permanent arbeiten.“

Bis dieser Prozess beendet ist, müssen die Mitarbeiter des Stadtbetriebs weiterhin wilden Müll einsammeln. „Und wir fordern auch die Bürger Aachens auf, Zivilcourage zu zeigen“, sagt Bohn. Jeder könne, wenn ihm etwas entsprechendes auffalle, einen Nachbarn auf Fehlverhalten in Sachen Abfalltrennung hinweisen, „denn dieses Thema geht uns alle etwas an.“

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