Stadt Aachen investiert 50 Millionen in Sanierung des Neuen Kurhauses

Aus dem Aachener Stadtrat : Rat schnürt 50-Millionen-Paket fürs Neue Kurhaus

Nach einem harten Schlagabtausch mit Grünen und Piraten hat eine breite Mehrheit im Rat den Weg für die Sanierung des Neuen Kurhauses freigemacht. Knapp über 50 Millionen Euro sind für die sogenannte Revitalisierung des denkmalgeschützten und heruntergekommenen Gebäudes veranschlagt, das seit mehr als vier Jahren leer steht.

Nach der für Anfang 2023 geplanten Fertigstellung soll es weitgehend dem Eurogress überlassen werden. Der von CDU und SPD erarbeitete Beschluss lässt allerdings auch eine Büronutzung durch externe Mieter im ersten Obergeschoss zu. Im Untergeschoss soll eine Clubnutzung für Konzerte oder Partys ermöglicht werden.

Der Abstimmung ging die erwartet intensive Debatte um eine der größten Einzelinvestitionen, die die Stadt bisher getätigt hat, voraus. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Harald Baal (CDU) und Michael Servos (SPD) erklärten, dass die Alternative zum nun gefassten Beschluss der Leerstand sei. „Leer stehen lassen kommt für uns nicht infrage“, betonten beide und verwiesen dazu auf die nur kurz zuvor verabschiedete Wohnraumschutzsatzung (siehe Seite 15). „Eigentum verpflichtet“ – das gelte auch für die Stadt, die das Neue Kurhaus nun für eine öffentliche Nutzung durch Kongresse und Veranstaltungen wieder herrichten wird.

Den Gegnern in Reihen von Grünen und Piraten, die die Sanierung gegen andere wichtige städtebauliche Projekte ausspielen würden, warf Servos „brandgefährlichen Populismus“ vor. Man habe sorgfältig und sensibel abgewogen, erklärte er, kein anderes Projekt werde darunter leiden. Der Umbau komme der Stadt dauerhaft zugute, ist auch Baal überzeugt. „Der Bedarf ist da. Wir meinen, das stemmen zu können.“

Zustimmung gab es dafür auch von den Linken, die sich stets für eine reine Nutzung durchs Eurogress ausgesprochen hatten, sich nun aber auch mit einer möglichen Fremdvermietung einzelner Räume abfinden. Vor allem die CDU hofft, so zusätzliche Einnahmen erzielen zu können.

Klare Absagen kamen derweil von Grünen und Piraten. „Unverantwortlich“ nannte Grünen-Fraktionssprecherin Melanie Seufert das Projekt. Es sei ein Luxusangebot und habe nichts mit Daseinsvorsorge zu tun. „Das Geld wird uns jahrelang schmerzhaft fehlen“, warnte auch Seuferts Fraktionskollegin Aida Beslagic. Grüne und Piraten verwiesen auf Investitionen, die für den Wohnungsbau oder die neue Klima- und Verkehrspolitik notwendig seien. Sie sind zudem überzeugt, dass der Umbau für das Eurogress „nur eine halbe Lösung“ sei. Der Platzbedarf könne dort nicht gedeckt werden. Um das Kongresswesen zu unterstützen, fordern sie einen Neubau gemeinsam mit der Hochschule.

Am Ende sprach sich eine deutliche Mehrheit für die „Revitalisierung“ aus, die auch einen neuen Seitenzugang für mögliche Mieter vorsieht. Für diese Variante wollte die FDP nicht die Hände heben, deren Fraktionsvorsitzender Wilhelm Helg dennoch betonte: „Auch der FDP ist dieses Denkmal 51 Millionen Euro wert.“

Klaus Schavan, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, hatte die Kosten zuvor auf einen Quadratmeterpreis von 2500 Euro umgerechnet. Man bewege sich damit in einem „völlig unauffälligen Bereich für die Sanierung solcher historischer Bauwerke“, erklärte er.

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