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NRW-Fördermittel für Schulen: Stadt Aachen erhält 1,36 Millionen Euro für Schüler-Tablets

NRW-Fördermittel für Schulen : Stadt Aachen erhält 1,36 Millionen Euro für Schüler-Tablets

Wenn nächste Woche Mittwoch das neue Schuljahr beginnt, können Aachens Schüler, Eltern und Lehrer nur hoffen, dass ein möglicher erneuter Lockdown auf sich warten lässt. Das Geld, das Bund und Land Schulträgern zur Verfügung stellt, um bedürftige Schüler mit Tablets oder Laptops auszustatten, ist zwar da. Allzu bald sei mit den Geräten aber nicht zu rechnen, sagt die Verwaltung.

Mit 1,36 Millionen Euro kann man sich so einige Wünsche erfüllen. Ein historisches Landhaus im Aachener Süden zum Beispiel. Oder einen Lamborghini, am besten gleich in vier verschiedenen Farben. Insofern dürfte es die Stadt Aachen wohl überaus begrüßen, dass ihr Bund und Land als Schulträgerin von knapp 60 Schulen auf den Cent genau 1.358.817,79 Euro zur Verfügung stellen, um Tablets beziehungsweise Laptops für Schüler anzuschaffen, die selbst keine digitalen Endgeräte besitzen. Vor knapp zwei Wochen wurde die entsprechende Förderrichtlinie veröffentlicht. Angekündigt hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sie schon Ende Juni. Das Geld kommt zu etwa zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel vom Land und soll vor allem dafür sorgen, dass Schulen besser aufs Lernen auf Distanz vorbereitet sind, falls es wegen der Corona-Pandemie wieder zu Schulschließungen kommen sollte.

Angesichts steigender Infektionszahlen können Aachens Schüler, Eltern und Lehrer aktuell nur hoffen, dass dieses Szenario nicht allzu bald eintritt. Denn wie die städtische Verwaltung schon Anfang Juli auf Anfrage unserer Zeitung sagte: Bis zum Beginn des neuen Schuljahres nächste Woche Mittwoch werden die Geräte nicht zur Verfügung stehen. Und auch wenn mittlerweile feststehe, wie hoch die Fördersumme für die Stadt Aachen als Schulträger ist, müssten noch zahlreiche offene Fragen beantwortet werden, betont Jörg Crumbach, Leiter der Abteilung Schule im städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, im Gespräch mit unserer Zeitung. Klar ist: Die Stadt muss als Schulträger einen Eigenanteil von zehn Prozent zahlen. Zudem gibt es pro Gerät maximal 500 Euro über das Förderprogramm, eine Erweiterung des Digitalpakts Schule.

Rein rechnerisch könnte die Stadt damit also etwa 2700 Endgeräte anschaffen, zumindest sofern man die Maximalfördersumme von 500 Euro pro Stück zugrundelegt. Ob damit all jene Schüler versorgt werden können, die während des Lockdowns nur über das Smartphone am digitalen Unterricht teilnehmen konnten oder sich Tablet oder Laptop mit Geschwistern und/oder Eltern teilen mussten, ist unklar. Die Verwaltung sei aktuell dabei, den Bedarf zu klären, so Crumbach. Eine entsprechende Abfrage habe man vergangene Woche an die Schulen gestellt. Zu einem früheren Zeitpunkt wäre das nicht zielführend gewesen, weil die konkreten Rahmenbedingungen nicht bekannt waren. Ein grober Anhaltspunkt für den Bedarf könnte die Anzahl der Schüler sein, die Grundsicherung erhalten. Stand Februar 2020 sind das laut Jobcenter 3457 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren.

Auch darüber hinaus seien noch viele Fragen offen. Welche Endgeräte werden von den Schulen gewünscht? Nach welchen Kriterien sollen sie verteilt werden? Und was bedeutet es rechtlich, wenn Tablets, die im Besitz der Schulen bleiben sollen, leihweise Schülern überlassen werden? So viel sei jedoch schon sicher: Eine europaweite Ausschreibung sei in diesem Fall nicht nötig. Die Anschaffung erfolge über die Regio IT, die auch für Wartung zuständig ist, heißt es aus der Verwaltung.

Wann wie viele Tablets oder Laptops in den Aachener Schulen für den Fall der Fälle bereitstehen, dazu will Jörg Crumbach keine Prognose wagen. Da aktuell wohl alle Schulträger in Nordrhein-Westfalen im großen Stil auf Shopping-Tour nach mobilen Endgeräten sein dürften, könnten nicht nur die Preise steigen. Auch mit Lieferengpässen sei zu rechnen.

Überrascht wurde die Verwaltung übrigens von einer weiteren Aufgabe, die die Landesregierung den Kommunen übertragen hat. Auch dienstliche Endgeräte für Lehrkräfte sollen die Schulträger beschaffen. Am 29. Juli wurde die entsprechende Förderrichtlinie verschickt. Einen Eigenanteil müssen die Schulträger in diesem Fall jedoch nicht tragen.