Stadt Aachen beschäftigt bald 26 Hilfskräfte über neues Bundesprogramm

Aus dem städtischen Sozialausschuss : Eine neue Chance für Langzeitarbeitslose

16 Langzeitarbeitslose sind inzwischen in verschiedenen städtischen Einrichtungen beschäftigt; bis Mitte Oktober sollen bereits 26 Menschen als Hilfskräfte im Einsatz sein. Mittelfristig will die Stadt bis zu 62 Stellen schaffen, die fünf Jahre lang maßgeblich über Mittel aus dem sogenannten Teilhabechancengesetz des Bundes finanziert werden.

Dass ihm beim etwas anderen Vorstellungsgespräch unter anderen ausgerechnet seine ehemalige Jobvermittlerin, nämlich CDU-Ratsfrau Uschi Brammertz, gegenübersitzen würde, hatte Michael Raschen wohl eher nicht geahnt. Zumal die Konstellationen diesmal denkbar anders aussehen sollten – während der 56-jährige Ex-Langzeitarbeitslose seine Visitenkarte quasi nochmals an oberster Stelle abgab: Sein couragierter Kurzvortrag in eigener Sache jedenfalls nötigte nicht nur den Politikern im Ratsausschuss für Soziales, Integration und Demographie größten Respekt ab. Raschen, gelernter Datenverarbeitungskaufmann, sprach dort auch stellvertretend für mittlerweile gut zwei Dutzend Menschen, die im Zuge des neuen sogenannten Teilhabechancengesetzes eine – zumindest mittelfristig gesicherte – Beschäftigung bei der Stadt gefunden haben.

So zeigte sich nicht nur Uschi Brammertz höchst erfreut übers unerwartete Wiedersehen unter gänzlich anderen Vorzeichen. Aus ihrer hauptberuflichen Tätigkeit beim Jobcenter kenne sie den 56-Jährigen ganz gut, erklärte sie. Und Raschen bekannte: „Ich bin immer noch erstaunt, dass ich bereits eine Woche nach meiner Initiativbewerbung eine Zusage erhalten habe.“ Inzwischen sei er als Bürokraft im Bezirksamt Eilendorf längst als verlässlicher und engagierter Kollege anerkannt, berichtete Iris Kreutzer, im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration zuständig für die Umsetzung der neuen Möglichkeiten, die das Teilhabegesetz auch den Kommunen an die Hand gegeben hat. Mitte September, nach sechswöchiger Probephase, konnte Raschen seinen zunächst auf fünf Jahre befristeten Arbeitsvertrag unterschreiben.

Und auch Ron-Roger Breuer, stellvertretender Leiter des Bezirksamts Eilendorf, sparte im Ausschuss nicht mit Anerkennung für den „Neuen“. Aktuell sind allein in Eilendorf vier ehemalige Langzeitarbeitslose im Einsatz. „Im Reinigungsservice oder als Hilfshausmeister sind sie inzwischen hervorragende Ansprechpartner für die Bürger geworden“, betonte Breuer. Insgesamt beschäftigt die Stadt mittlerweile 16 ehemalige Hartz-IV-Empfänger – unabhängig vom offiziellen Stellenplan – unter anderem auch beim Stadtbetrieb, beim Projekt Citygrün oder als Küchenhelferinnen in Offenen Ganztagsschulen. Bis Mitte Oktober sollen es bereits 26 sein, im Ganzen sollen mindestens 50 Langzeitarbeitslose (und mit ihnen alle Beteiligten) vom Programm des Bundes profitieren. Ihre Tätigkeiten werden von der Bundesanstalt für Arbeit zwei Jahre in Höhe des gesetzlichen Mindestlohns finanziert, in den Folgejahren reduziert sich der Zuschuss um jeweils zehn Prozent – spätere Übernahme selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Was auch die Sozialpolitiker sichtlich beeindruckt zur Kenntnis nahmen – allerdings auch nicht ganz ohne Kritik: Insbesondere FDP-Vertreter Frank Hansen unterstrich Uschi Brammertz‘ Anmerkung, dass die Stadt Ende vergangenen Jahres die Beschäftigung von nicht weniger als 50 Erwerbslosen in Aussicht gestellt hatte. Die Liberalen hatten Ende Juli um einen Zwischenbericht der Verwaltung zum Stand der Maßnahmen gebeten. „Warum zeigen Sie sich bei der Koordination des Projektes so schwerfällig, warum sind bislang nur 16 Menschen wirklich in Arbeit gebracht worden?“, fragte Hansen. In der Tat gestalte sich die Akquisition aus unterschiedlichsten Gründen schwierig, entgegnete Fachbereichsleiter Rolf Frankenberger. Unterdessen habe die Verwaltung im Zuge der Gesetzesreform inzwischen sogar 62 Beschäftigungsmöglichkeiten auf 20-Stunden-Basis geschaffen, die in jedem Fall als hervorragende Ergänzung zum regulären Stellenplan zu sehen seien. „Mehr als die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Positionen sind jetzt bereits besetzt, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel auch erreichen.“