Stadt Aachen behält Preisgeld für Kuratoren des Ludwig Forums ein

Jury ist empört: Stadt Aachen kassiert Preisgeld von Ludwig-Forums-Kuratoren

Für eine Ausstellung im Ludwig Forum sind die drei Kuratoren prämiert worden – mit zusammen 5000 Euro. Die Stadt Aachen sagt, sie müsse das Geld einfordern. Die Jury ist empört.

Vor einem knappen Jahr ist Professor Stephan Berg ins Ludwig Forum nach Aachen gereist, als dort die Ausstellung „Valdis Āboliņš. und wie Fluxus nach Aachen kam“ eröffnet wurde. Als Intendant des Kunstmuseums in Bonn kennt Berg natürlich das Werk des lettischen Künstlers. An diesem Abend kam er aber eher als Laudator in die Kaiserstadt, weil er nebenbei auch die Jury der Helga-Pape-Stiftung leitet. Das Gremium vergibt seit zehn Jahren den Justus-Bier-Preis, ausgezeichnet werden immer Kuratoren für fachlich und sprachlich herausragende Publikationen in Zusammenhang mit Ausstellungsprojekten. „Wir würdigen Kunstschaffende für herausragende Projekte“, sagt Berg. Preise für die Macher von Ausstellungen gibt es nicht so viele, eher werden die Ausstellungen prämiert.

Der Geist des Preises

Der Preis für das Jahr 2017 ging an Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten für die auch überregional hymnisch besungene Ausstellung „Die Collagen aus den MoMA (Museum of Modern Art in New York; d. Red.) von Mies van der Rohe“. Die Ausstellung über den Architekten in seiner Geburtsstadt sei ein Glücksfall, urteilte die Jury begeistert.

 „Es ist toll, wenn die kuratorische Arbeit solche öffentliche Wertschätzung erfährt“, freuten sich dann auch die Preisträger öffentlich, dass die jahrelange Vorbereitung so gewürdigt wurde. Neben vielen lobenden Worten, wurde auch ein Preisgeld von 5000 Euro vergeben und zwar „ausdrücklich personalisiert“, sagt Berg. „Das ist der Geist dieses Preises.“ In den vergangenen zehn Jahren haben sich viele Kommunen mit der Auszeichnung geschmückt. Auf die Idee, das Geld von den Kuratoren zurückzufordern, sei nie eine Stadt gekommen, erinnert Berg.

 In Aachen regte sich allerdings Widerstand. Schon im Herbst hatte der städtische Rechnungsprüfungsausschuss moniert, dass der Ausstellungskatalog teurer gewesen sei als veranschlagt. Auch der Umgang mit dem Preisgeld stieß hinter verschlossenen Türen auf wenig Gegenliebe. Die Aufteilung der 5000 Euro wurde beanstandet, weil Ausstellung und Kuratoren ja von der Stadt Aachen finanziert worden seien.

Die drei Kuratoren der Mies van der Rohe-Ausstellung im Ludwig Forum 2017 hatten das Preisgeld gewonnen. Nur eine durfte es behalten. Foto: ZVA/HARALD KROEMER

Die Helga-Pape-Stiftung fand die Einschätzung eher „empörend“, sagt Berg, als er die ersten Presseberichte aus Aachen registrierte. „Wir sind fassungslos über die Chuzpe der Stadt Aachen“, urteilte er, als er erfuhr, dass sowohl Otten als auch Beitin aufgefordert wurden, das aufgeteilte Preisgeld an die Stadt weiterzureichen. Nur Franzen durfte ihren Anteil behalten, da sie längst nicht mehr für die Stadt arbeite.

Sein Unverständnis habe er Olaf Müller, dem Leiter des Kulturbetriebs, mitgeteilt. „Als Antwort bekam ich eine dürre einzeilige Mail, man könne sich nicht zu internen Vorgängen äußern.“ Kunstliebhaber Berg hakte nach, bat Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) nach eigener Auskunft zwei Mal in den letzten Wochen um eine Stellungnahme. Als die ausblieb, platzte ihm nun öffentlich der Kragen. „Was in Aachen geschieht, ist ein im deutschen und internationalen Kulturbetrieb sicherlich ein einmaliger Vorgang“, sagt er.

Auch Brigitte Franzen, die seit 2015 die Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung leitet, die weltweit mit 28 Museen und Institutionen aus dem Bereich der Bildenden Kunst verbunden ist, wundert sich über den Vorgang: „Das ist extrem ungewöhnlich und völlig unverständlich“, sagt die langjährige Direktorin des Ludwig Forums. Die Ausstellung sei zudem nicht nur mit städtischem Geld finanziert worden, sondern auch mit Drittmitteln, die die Kuratoren eingeworben hätten. „Es ist außerdem sehr demotivierend, dass die Stadt so einen Preis, der auch als Leistungszulage für Herausragendes verstanden werden kann und freiwillig von extern bezahlt wird, für sich beansprucht.“

Otten und Museumsdirektor Beitin, der den Standort Aachen bald verlässt und zum Kunstmuseum Wolfsburg wechseln wird, äußerten sich am Dienstag nicht.

Sind die Regeln eindeutig?

Olaf Müller, der Leiter des Kulturbetriebs, sieht dagegen keine andere Handhabe. Die auch von Beitin und Otten schriftlich akzeptierten städtischen Compliance-Regeln, also die Regeltreue, die Unternehmen für sich festlegen, seien eindeutig. Den finanziellen Bonus habe es für eine Aufgabe gegeben, die im Dienst des Arbeitgebers bewältigt wurde. „Das ist nichts anderes, als wenn ein Mitarbeiter des Stadtbetriebs in einem besonders harten Winter stundenlang Schnee wegschaufelt.“

Entsprechend habe das städtische Rechtsamt festgelegt, dass die jeweils 1700 Euro von den Preisträgern wieder an ihren Arbeitgeber überwiesen werden müssten. Am Ende kommt das Geld dann wieder im Kulturbetrieb an, sagt Müller: „Das Geld verwenden wir für das Ludwig Forum.“