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Aachen: St. Michael, ein Ort vorbildlich gelebter Ökumene

Aachen : St. Michael, ein Ort vorbildlich gelebter Ökumene

Seit 35 Jahren ist die Kirche St. Michael/Hagios Dimitrios in der Jesuitenstraße ein Ort gelebter Ökumene. Das zeigte sich einmal mehr am Wochenende, als die griechisch-orthodoxe Gemeinde das zeitlich versetzte Osterfest feierte.

Ostern ist für die orthodoxen Griechen das größte Kirchenfest. Die zwei bedeutendsten Liturgien sind am Freitagabend die Passionsandacht mit einer anschließenden Epitafios-Prozession und von Samstag zu Sonntag der mitternächtliche Auferstehungsgottesdienst.

Annähernd 1500 Gläubige, darunter auch zahlreiche Deutsche katholischer und evangelischer Konfession, nahmen im vollbesetzten Gotteshaus an der Passionsandacht teil, der Bischof Evmenios von Lefka vorstand. Als Vertreter der katholischen Kirche hatte Propst Ruprecht van de Weyer an den Stufen des Altarbereichs neben dem Bischofsstuhl Platz genommen.

Im Mittelpunkt aber war das mit weißen Blumen geschmückte Epitafios-Grab aufgestellt. Und während der Chor kirchliche Klagelieder sang, ließ es sich kaum einer der griechischen Christen nehmen, nach vorn zu kommen und das im Epitafios liegende Christusbild zu küssen, um Segen zu erbitten.

Den ersten Segen erlebten alle bereits gemeinsam. Hatte es den ganzen Tag über zeitweise strömend geregnet, hörte der Regen in dem Moment auf, in dem die Prozession beginnen sollte. Vorangetragen wurde das Kreuz, an dem statt einer Christusfigur ein weißen Blütenkranz hing. Es folgten Fahnenträger, Ministranten, der Klagelieder singende Chor und das von vier Männern getragene Epitafios-Grab.

Daran schlossen sich die Geistlichen und der lange Zug der Prozessionsteilnehmer an, der sich zwischen Prinzenhof- und Bendelstraße in voller Länge über Alexianer- und Löhergraben erstreckte. Nur wenige Passanten waren auf den Straßen und verharrten in Stille, als die Prozession vorbeizog.

Zu einem erneut beeindruckenden Beweis gelebter Ökumene wurde die Zwischenstation im Domhof, der die vielen Menschen kaum zu fassen vermochte. Das Epitafios-Grab wurde vor dem Hauptportal des Domes abgestellt. Hier sprachen Bischof Evmenios und Propst van de Weyer Bittgebete für „alle frommen Christen und die ganze Bruderschaft in Christo”.

Zur Kirche St. Michael/Hagios Dimitrios zurückgekehrt, verharrten alle am geschlossenen Portal. Dreimal klopfte der Bischof an, forderte Einlass für den allmächtigen König und von innen heraus fragte eine Stimme: „Wer bist du, der sich König nennt?” Beim dritten Mal antwortete der Bischof: „Der König des Lichtes, der alle Sterblichen von der Erbsünde befreit.”

Dann stieß er die Tür auf, und alle schritten unter dem hochgehaltenen Epitafios-Grab hindurch in das Gotteshaus hinein. In alter Tradition nahm sich dabei jeder eine Blüte des Grabes mit nach Haus. Glockengeläut verkündete am Samstag um Mitternacht die Auferstehung Christi. „Christos anesti!”, sagten die Gläubigen und zündeten einander die Kerzen an.

Am Sonntag bekräftigte eine „Vesper der Liebe” erneut das ökumenische Miteinander in Aachen.