Aachen: „SprechZeit“ in der Citykirche: Immer jemand da

Aachen: „SprechZeit“ in der Citykirche: Immer jemand da

Nach dem Arzttermin ging die Frau schnurstracks in die Citykirche in die „SprechZeit“. „Sie hatte eine schwere Diagnose bekommen und hoffte, ihre Angst und ihre Ausweglosigkeit zumindest ein bisschen mildern zu können“, erzählt Christiane Geusen-Asenbaum, die an diesem Tag Dienst beim Angebot der ökumenischen Cityseelsorge hatte.

„Bei mir konnte sie sich ausweinen. Ihre Familie wollte sie nicht gleich damit belasten.“ So oder so ähnlich laufen viele Begegnungen in der „SprechZeit“ ab. Das Herz ist schwer — durch familiäre oder partnerschaftliche Probleme, ungewisse Zukunftsaussichten oder andere persönliche Krisen — und findet in einem der 13 lebenserfahrenen „SprechZeit“-Mitarbeiter ein Gegenüber, das zuhört.

Darum geht es: „Ganz bei dem anderen sein, ihm zuhören, achtsam sein.“ So beschreibt Pfarrerin Sylvia Engels die Aufgabe, die die überwiegend ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer zwei Mal in der Woche für die Beladenen leisten.

Es sind acht Männer und fünf Frauen, die zwar aus sehr unterschiedlichen Berufen kommen, aber viel Erfahrung in den Bereichen Kommunikation und Beziehung haben. Einige haben als Seelsorger oder Seelsorgerin gearbeitet oder tun es noch. Andere sind oder waren beratend oder therapeutisch tätig.

„Das ist Kirche, wie ich sie mir vorstelle“, erläutert Mechthild Kappetein, warum sie sich neben zahlreichen anderen Ehrenämtern und den Aufgaben als Mutter und Großmutter seit 2013 zusammen mit ihrem Mann Johannes auch noch in der „SprechZeit“ der City-Kirche engagiert. „Hier ist Kirche ganz für den Menschen da — niederschwellig und ohne Vorbedingung.“

Auch wenn im ökumenischen Angebot die Konfession des Besuchers und des Ehrenamtlichen keine wesentliche Rolle spielt, die ehrenamtlichen Seelsorger nutzen durchaus den Raum der Nikolauskirche, um den Beladenen zu entlasten: „Wir können ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden oder auch einen symbolischen Stein ablegen. Bittet uns jemand um einen Segen oder ein fürsprechendes Gebet, kommen wir dem gewissenhaft nach“, sagt Dr. Elisabeth Gladziwa. Und Johannes Kappetein ergänzt: „Die Kirche bietet diese besondere Atmosphäre.“

Während bei Beratungsangeboten die Frauen klar in der Mehrzahl sind, nutzen die anonyme, ohne Terminabsprache mögliche „SprechZeit“ etwas mehr Männer als Frauen. Die Lage der Citykirche mitten in der Fußgängerzone Großkölnstraße lässt auch spontane Besuche zu.

„Viele kommen gar nicht mit dem Ziel in die Citykirche, mit uns zu sprechen. Sie gehen erst ein bisschen umher, schauen mal in einen der beiden Gesprächsräume und nähern sich so an“, berichtet Christiane Geusen-Asenbaum. Beglückend ist für die Ehrenamtlichen, wenn bei der Verabschiedung der Mensch offensichtlich entlastet wieder seiner Wege geht.