1. Lokales
  2. Aachen

120 lebendige Tiere an Bord: Spinnen so groß wie Pizzen

120 lebendige Tiere an Bord : Spinnen so groß wie Pizzen

Riesige Vogelspinnen in Aachen

Für die Nosferatu-Spinne, kaum acht Zentimeter mit Beinchen, hat Renaldo Neigert nur ein mildes Lächeln übrig. Er bringt 120 Tiere in den Alten Schlachthof nach Aachen – darunter die Goliath-Vogelspinne, die so groß wie eine Pizza ist.

Haarige Angelegenheit: Mit 15 Jahren hat sich Renaldo Neigert in eine brasilianische Riesenvogelspinne verliebt. Die hatte ihm ein Nachbar geschenkt. „Seitdem bin ich fasziniert, das habe ich dann irgendwann zu meinem Beruf gemacht“, sagt der 42-Jährige. Dass die Nosferatu-Spinne, gerade mal wenige Zentimeter groß, nun in Nordrhein-Westfalen häufiger auftaucht und dadurch gerade zum Ekel-Medienstar avanciert, lässt Neigert nur milde lächeln. Seine größten Spinnen sind so groß wie eine Pizza, rund 30 Zentimeter Durchmesser mit Beinen.

„Wir bringen die größten Vogelspinnen der Welt nach Aachen“, sagt er. Und dazu eine Art Streichelzoo mit lebenden Spinnen und Insekten. „Wir möchten Neugierige faszinieren, Familien, von Opa und Oma bis zu den Enkeln, Studierende, eigentlich alle“, erklärt der Insektenfreund, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Übrigens familiär streng aufgeteilt: Renaldo Neigert, Wahl-Bielefelder aus Bayern, reist mit seinen tropischen Tieren – 120 lebendige Exemplare und 300 Exponate – jedes Wochenende durch die Nordhälfte Deutschlands. Im Süden ist sein Bruder mit einer ähnlichen Ausstellung unterwegs. Davon leben die Neigerts, Eintritt ab acht Euro für Kinder ab vier Jahren – Erwachsene zahlen zehn Euro.

Am kommenden Sonntag und Montag, 2. und 3. Oktober, ist seine Spinnen- und Insektenausstellung in der „Halle 60“ im Alten Schlachthof an der Metzgerstraße in Aachen zu Gast. „Das große Krabbeln kommt“, wirbt der Aussteller. Er will Wissen vermitteln, Angst und Ekel nehmen. „Die ersten Spinnen bewohnten schon vor 300 Millionen Jahren die Erde“, erläutert er. „Darum ist auch die Angst vor Spinnen so alt wie die Menschheit selbst. Wir wecken Interesse, vermitteln Grundkenntnisse mit dem Ziel, den Besuchern durch Wissensvermittlung Angst und Ekel vor diesen faszinierenden Tieren zu nehmen“, sagt der Insekten-Fan.

„Viele suchen die direkte Konfrontation“, stellt er fest. Quasi eine „Schock-Heilung“ gegen Arachnophobie, die Angst vor Spinnen. Mal gelingt das, mal nicht. Aber seine fünf Mitarbeiter stehen Ängstlichen gerne zur Seite.

 Nur keine Panik: Renaldo Neigert bringt seine Vogelspinnen – auch deutlich größere – nicht nur Aachener Kindern nahe.
Nur keine Panik: Renaldo Neigert bringt seine Vogelspinnen – auch deutlich größere – nicht nur Aachener Kindern nahe. Foto: Neigert

In der Ausstellung zeigt der Spinnen-Experte auch Skorpione, Riesentausendfüßer, Gottesanbeterinnen, Gespenstheuschrecken und mehr – vieles im XXL-Format; natürlich in Terrarien. Besorgen muss das die Besucher nicht. Denn die Tiere sind – wie die Nosferatu-Spinne – ohnehin für Menschen harmlos. „Alle Spinnen sind natürlich giftig, aber wir würden und dürften gar keine Tiere ausstellen, die Menschen gefährlich werden können“, verspricht er.

Die Debatte um Nosferatu-Spinnen – zuletzt mit lautem Medien-Echo gesichtet in einem Badezimmerhandtuch in Kleve, einer Garage in Jüchen und einem Gästebett in Nottuln – juckt Neigert kaum. Der Biss jenes achtbeinigen Mitbewohners ist nicht schmerzhafter als ein Mückenstich. „In Belgien sind zuletzt auch vermehrt Vogelspinnen gesichtet worden. Mich überrascht das nicht, die Tiere können bei Temperaturen um zehn Grad Celsius am und im Haus gut überwintern, auch hier bei uns“, sagt er.

Dann könnte – rein theoretisch – eine innige Freundschaft wie damals beim jungen Renaldo Neigert wachsen. Große Vogelspinnen-Arten werden bis zu 25 Jahre alt. Neigert reist hingegen nach zwei Öffnungstagen – jeweils 10 bis 18 Uhr – weiter. Er verspricht, keinen Freund zurückzulassen. Schon gar nicht die rund 30 Zentimeter große Goliath-Vogelspinne, den Star der Show. Die laut Guinness-Buch größte Vogelspinne der Welt ist rost- bis kastanienbraun, wiegt etwa 200 Gramm – so viel wie zwei Cheeseburger. Die Beißklauen sind bis zu zweieinhalb Zentimeter lang. Angeblich gilt die Riesen-Vogelspinne bei einigen südamerikanischen Ureinwohnern noch als Lebensmittel. Ihr Körper ist extrem haarig, ihr Fleisch soll ähnlich wie Langusten oder Krabben schmecken.

Für Renaldo Neigert kommt Spinnen-Kulinarik selbstredend nicht in Frage. Nicht nur Arachnophobier werden es danken.