Aachen: Spendendosen? Verein warnt vor Betrügern

Aachen: Spendendosen? Verein warnt vor Betrügern

Es reicht. Der Münchener Hilfsorganisation „Handicap International” sind so viele Fälle von falschen Spendensammlungen in ihrem Namen zu Ohren gekommen, dass sie in die Offensive geht. Angeblich hörgeschädigte Sammler sind in ihrem Namen nun auch in Aachen aktiv geworden.

Handicap International warnt vor diesen Betrügern. „Sie behaupten auf ihrer Unterschriften- und Spendenliste, um Spenden für Projekte von Handicap International zur Unterstützung von behinderten Menschen zu werden. Dies geschieht jedoch nicht in unserem Auftrag”, teilt Dr. Eva-Maria Fischer in einer Stellungnahme des Vereins Handicap International mit. Darin wird betont, dass Handicap International prinzipiell keine Haussammlungen und zurzeit keine Straßensammlungen ausführe.

Die Hilfsorganisation fürchtet um ihren Ruf. „Wir wissen nicht, warum man ausgerechnet in unserem Namen auftritt. Wir können nur versuchen, möglichst viele Menschen mit unserer Warnung zu erreichen. Das Ganze ist wirklich schlimm für uns - und die Menschen, die glauben, für die gute Sache zu spenden”, erklärt Linda Englisch für den Münchener Verein.

Auch in anderen Städten hatte es bereits Fälle betrügerischer Sammlungen gegeben. Meldungen gab es in Friedrichshafen, Frankfurt am Main, Stuttgart, Buchen, Darmstadt, München, Jena und Freiburg vor. „Beinahe wöchentlich erfahren wir von neuen Städten - auch im Nachbarland Österreich”, teilt die Organisation mit. Auch in der Schweiz gibt es Warnungen. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine wandernde Bande handelt, die deutsche Städte nach gutgläubigen Spendern abgrast.

Handicap International ist eine gemeinnützige Organisation, die nach eigenen Angaben in rund 60 Ländern behinderte und andere besonders hilfsbedürftige Menschen unterstützt, um ihre Lebensumstände zu verbessern. 1982 wurde sie von zwei französischen Ärzten ins Leben gerufen, die in thailändischen Flüchtlingslagern kambodschanische Flüchtlinge medizinisch versorgten, von denen viele durch Landminen sehr schwer verletzt waren.

Handicap International ist eine der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen, die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat und Mitglied der internationalen Koalition gegen Streubomben. 2011 wurde Handicap International mit dem „Conrad N. Hilton Humanitarian Prize” honoriert, einer Auszeichnung für humanitäre Verdienste, die seit 1996 unter anderem an SOS Kinderdörfer und Ärzte ohne Grenzen verliehen wurde.

Bei der Aachener Polizei sind die Spendensammler wohlbekannt. Schon vor Monaten gab es einmal Hinweise, die Polizei kontrollierte die Sammler, bei denen es sich um junge Frauen und Männer aus Osteuropa handelte. Diese verwiesen dann auch fälschlicherweise auf Handicap International. Zwischenzeitlich verschwanden sie dann auch in Aachen wieder von der Bildfläche - und tauchen nun wieder auf. „Sie machen Station, ziehen wie eine Bande umher”, erklärt Polizei-Sprecher Paul Kemen. Die Polizei habe sie im Blick.

Handicap International setzt zunächst einmal auf Aufklärung. Weitere Schritte werden geprüft. „Wir behalten uns vor, Strafanzeige zu stellen”, heißt es aus München.