Aachen: SPD-Fraktion: Die neue Generation übernimmt das Ruder

Aachen: SPD-Fraktion: Die neue Generation übernimmt das Ruder

So ganz können sie auf seinen Rat natürlich nicht verzichten. Heiner Höfken trat zwar als Fraktionschef der SPD nicht mehr an, aber er wird doch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Einstimmig wählte ihn die Fraktion am Montagabend zum Ehrenvorsitzenden. Was mehr ist als ein Titel für den 70-Jährigen.

Er soll bei möglichen Koalitionsverhandlungen mit an Bord sein, er wird an den Sitzungen des Fraktionsvorstandes teilnehmen.

Nach 22 Jahren ist Schluss: Heiner Höfken trat nicht mehr als Fraktionschef der SPD an.

„Wenn man meinen Rat sucht, bin ich da“, sagt er. Und sonst? „Halte ich mich zurück, die anderen sollen das dann machen.“ Den Oberaufseher Höfken, sagt das sozialdemokratische Urgestein, werde es nicht geben. Die anderen, allen voran Michael Servos — der neue SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt, stehen nun in der Pflicht.

Der Generationswechsel an der SPD-Fraktionsspitze war von langer Hand geplant. Vor einem Jahr setzten sich Höfken und Servos erstmals zusammen, um über das Thema zu sprechen. Der 34-jährige Servos überlegte lange, sprach sich mit der Familie und dem Arbeitgeber ab, bezog enge Parteifreunde mit in seine Überlegungen ein. „Manche sagen zu meiner Art kleinkariert, ich nenne das gründlich. Ich habe gerne einen Plan.“ Doch Servos steht nicht allein für den personellen Wandel bei den Sozialdemokraten: 7 der 20 frisch gewählten SPD-Ratsmitglieder sind jünger als 40 Jahre.

„Chef? Den Begriff mag ich nicht!“

An der Spitze löst nun Michael Servos Heiner Höfken ab, der das Amt 22 Jahre innehatte. Der Diplom-Mathematiker, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern, möchte in der neuen SPD-Fraktion verstärkt auf Teamarbeit setzen. Beim Wort Fraktionschef kraust er daher direkt die Stirn. „Der Begriff gefällt mir nicht wirklich“, sagt er. Ebenfalls kein großes Gefallen findet er am Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl. Die Fehler sieht er vor allem in den eigenen Reihen. „Wir hatten ein richtig gutes Programm, haben es aber nicht geschafft, das den Bürgern zu vermitteln“, bedauert er. Doch seit Montag richten SPD und Servos den Blick vor allem nach vorne. Und dort steht ein Datum dick unterstrichen im Kalender: Die ersten Sondierungsgespräche mit der CDU sollen voraussichtlich am Freitag stattfinden. Servos geht sie mit einer ordentlichen Portion Optimismus an. Schwarz-Rot für die kommenden sechs Jahre in Aachen? Dem 34-Jährigen passt dieses Farbenspiel gut in den Malkasten. „Wir sind bereit, wenn es inhaltlich passt.“ Und da, glaubt der Ratsherr, gebe es genügend Gemeinsamkeiten zwischen Sozial- und Christdemokraten, um in konkrete Koalitionsgespräche gehen zu können.

Die vergangenen knapp anderthalb Jahre seit dem Bruch der schwarz-grünen Koalition bewertet Servos als eine Zeit des Stillstands für Aachen. „Der Rat hat sich größtenteils an von der Verwaltung gesetzten Themen abgearbeitet.“ Dies müsse dringend anders werden. Er selbst stehe für eine Politik, die Prioritäten setzen will, um so gestalten zu können. Ganz oben auf dieser Liste steht das Thema neuer, bezahlbarer Wohnraum. Daneben müsse der Wirtschaftsstandort Aachen gestärkt und vor allem bundesweit besser vermarktet werden. Dazu gehöre auch, so Servos, dass sich Aachen dringend als Kongressstadt verbessern müsse.

Servos sitzt seit 2009 im Rat. Die politischen Spielregeln hat er längst verinnerlicht. Er weiß: Neben Inhalten kommt es auf die persönliche Ebene an. Mit Aachens CDU-Chefin Ulla Thönnissen, nennt Servos ein Beispiel, habe er bisher erst zwei-, dreimal gesprochen. Gelegenheit, die Kontakte zu Christdemokraten auszubauen, wird Servos bald bekommen. Denn beim Polit-Poker wird vor allem eins: gesprochen. Daran ändert der Wechsel Höfken/Servos nichts.

Mehr von Aachener Zeitung