SPD Aachen will Kultur- und Mobilitätszentrum am Bushof

Neue Pläne für Aachens Bushof : Nicht kleckern – SPD mit ganz großen Visionen

Es gibt vielleicht keinen hässlicheren Flecken Erde in Aachen als diesen. Brutal-Architektur aus den 1970er Jahren, ein beliebter Treff für alle dunklen Gestalten dieser Welt, Kriminalität, Dreck, Probleme ohne Ende – mit einem Wort: Bushof.

Dass sich das ändern soll, ist gemeinsamer Wille aller, die ein Wörtchen in Sachen Zukunft mitreden wollen. Getan hat sich allerdings bisher so gut wie nichts. Was sich ändern soll. Sagt die Aachener SPD. Und hat zum ganz großen Wurf ausgeholt.

An diesem Donnerstag sieht es eigentlich so schlecht nicht aus rund um den Bushof. Die Sonne scheint, immerhin. Mitten im Herzen dieser Stadt muss man (leider) halt mit Kleinigkeiten zufrieden sein. Auf den Treppen zu St. Peter genießen zwei Menschen ein fröhliches Morgenbier, kurz daneben tuscheln zwei dubiose Gestalten, tauschen Geld gegen Ware. Es braucht nicht viel Phantasie um zu erkennen, welchem Wirtschafszweig hier gefrönt wird.

Auf der anderen Seite der Peterstraße steht Flaschenbier hoch im Kurs, daneben warten Schüler, keine zwölf Jahre alt, auf ihren Bus. Ein einsamer Mensch des Ordnungsamtes patrouilliert die Couvenstraße entlang. Ein trostloser Ort, benannt nach einem großen Baumeister. Kontraste: Die Stadtbibliothek ist dort beheimatet, daneben die VHS. Das hat mit Kultur zu tun. Man kann es sich hier kaum vorstellen.

Sind die Tage des Bushofs gezählt? Für die SPD ist jetzt sogar ein Abriss nicht mehr tabu. Foto: ZVA/Harald Krömer

Was hilft? Vielleicht nur die Abrissbirne. So weit will Mathias Dopatka (noch) nicht gehen. Obwohl er den weitestgehenden Lösungsansatz auch nicht ausschließen will. Aber weitgehend in ganz besonderem Maße ist schon, was der Aachener SPD-Vorsitzende jetzt präsentierte. Eine neue Vision für die City, radikal auf den ersten Blick. Und auf den zweiten sowieso.

„Leuchtturm der Bildung am Mobilitätszentrum statt Betonbunker“ ist das Papier, das die Sozialdemokraten jetzt in die politische Diskussion einbringen, etwas sperrig überschrieben. Man könnte es auch einfacher formulieren: Weg mit der Tristesse, weg mit diesem Angstraum in einem richtig großen Akt. Der könnte laut SPD so aussehen: Die Stadtbibliothek, Volkshochschule, St. Peter – auf der Suche nach neuer, nicht-kirchlicher Nutzung – und der Bushof (nicht als Bau, sondern als ÖPNV-Knotenpunkt) werden als Einheit entwickelt. „Wir haben hier eine einzigartige Situation mit drei Grundstücken mit hohem Potenzial“, so Dopatka, der angesichts der sozialdemokratischen Ideen schwer ins Schwärmen gerät.

Investitionen seien bei allen Dreien nötig, daher mache es keinen Sinn, zu flickschustern. Die langfristige, nachhaltige Lösung müsse her. Eine, die auch das nähere Umfeld im Auge hat: Die City-Passage, den möglichen Haltepunkt der Euregio-Tram (Dopatka: „Von dort aus muss man das Schienensystem weiterentwickeln“), die Klangbrücke am Alten Kurhaus, den Übergang zum ehemaligen Lust for Life, zur Adalbertstraße. Alles in allem sind das weitaus mehr als 22.000 Quadratmeter Fläche, die einer intelligenten Stadtentwicklung harren – inklusive ganz neuer Verkehrskonzepte. Weniger Individualverkehr, Vorfahrt für ÖPNV und Zweirad, Raum für Fußgänger.

Kultur statt Kirche? Für St. Peter wird ebenfalls in neue Nutzung gesucht. Foto: ZVA/Harald Krömer

Lernen in einem Neubau für VHS und Stadtbibliothek (“Haus der Bildung“), Kultur in St. Peter (Konzerte, Lesungen, Kulturprojekte) und Mobilität und Handel auf dem Areal des jetzigen Bushofes – so lautet der von der SPD komponierte Dreiklang. Und damit erteilt man dem CDU-Vorstoß, Bibliothek und VHS am Büchel zu beheimaten, eine klare Absage. Dass am Büchel vieles auf Anfang gesetzt sei, biete die Chance, auch am Bushof ganz neu zu denken, ist Dopatka überzeugt.

Bis Herbst nächsten Jahres hofft er, einen Grundsatzbeschluss hinzubekommen. „Wir möchten den heutigen Aufschlag als Auftakt zu einer intensiven Innenstadtdebatte sehen, die wir mit allen relevanten Akteuren führen wollen.“ Gespräche, die auf viele Fragezeichen Antworten liefern müssen. Welche Architektur soll Beton ersetzen? Wie teuer ist das Projekt? Auf wie viele Jahre ist die Entwicklung angelegt? Stemmt die Stadt das allein? Oder mit privaten Investoren? Welche Rolle spielt das Bistum bei der Planung für St. Peter? Und: Wo kann es Zwischenlösungen für VHS und Bibliothek geben, wenn wirklich alles umgekrempelt, abgerissen, neugebaut wird? Dopatka fordert: „Wir müssen jetzt die Diskussion beginnen. Die Chance müssen wir nutzen.“

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