Spaziergang durch die Aachener Galerien

Kunstgeschichten : Die dunklen Seiten der Kunst

Verhängt sind das Schaufenster und die gläserne Eingangstür der Produzentengalerie Artikel 5, um nicht einen einzigen Einblick in die Kunst der Darkroom-Schau zu gewähren. Kleine Lampen in Lila und Rot verheißen Geheimnisvolles, und der Hinweis auf Ausweiskontrolle macht die Sache noch spannender.

Stockdunkel muss es draußen sein, damit es drinnen richtig aufregend wird, und zur Sicherheit gehen auch noch die Jalousien runter, wenn die Besucher in einer kleinen Gruppe angekommen sind. Dann werden Taschenlampen ausgegeben, mit denen die Freunde der Dunkelheit die Kunst entdecken und erkunden können.

Ein gewisses „Einbrecher-Feeling“ kommt auf, wenn im funzeligen Licht der kleinen Lampen die Wände abgesucht und Bilder wie Objekte ins Visier genommen werden. Automatisch werden die Schritte leiser und die Augen größer. Niemand will etwas übersehen, und man erschrickt angesichts der Geräusche, die plötzlich den Raum füllen. Rabenvögel scheinen in nächster Nähe zu krächzen, Toilettengeräusche verweisen auf Benutzer, die nicht zu sehen sind. Der kleine Grusel macht sich breit, aber auch ein gewisses Amüsement, denn keiner weiß, wonach er eigentlich sucht. Ein stattlicher Lenin, mit tiefstem Schwarz im Großformat gezeichnet von Ela Schwartz, scheint von der Wand zu grüßen, doch er ist es gar nicht. Verwechslung! Irritationen löst auch eine Krakenzeichnung von Zeichner Bommel aus, der ebenfalls eine stattliche Unterwasserwalküre geschaffen hat. Voyeuristische Lust lösen die kleinen „Guckis“ der Fotografin Doro Flatau aus, während Gabriele Prill scheinbar Seifenblasen aufsteigen lässt und Menschen in den Fotos von Anett Hoffmann auf schmalen Brücken balancieren. Spiegelung und Durchblick zugleich erlaubt ein Raumobjekt von Peter J.M. Schneider, das eine geheimnisvolle Figur sichtbar macht ...

Mit der Ausstellung von Kunst im Gruselspaß-Darkroom laufen die Künstler von Artikel 5 zu einer für Aachen neuen Präsentationsform auf. Damit machen sie ihre kleine Galerie zu einem Kunstort der anderen Art, wo Schreien und Flüstern, aber auch Kindergeburtstags-Heiterkeit ihren Platz findet.

Zu erleben ist der Darkroom am Freitag, 8. Februar, Samstag 9. Februar, Freitag, 15. Februar, und Samstag, 16. Februar, von jeweils 20 bis 22 Uhr an der Bahnhofstraße 33. Die Besucher werden vor der Eingangstür abgeholt und handverlesen eingelassen.

www.artikel-5.com

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