Spaziergang durch Aachens Galerien

Kunstgeschichten : Zwei Künstler, die sich neu erfunden haben

Überraschend anders präsentieren sich die beiden Aachener Künstler Francois du Plessis und Jupp Linssen mit ihrer Ausstellung in der Galerie Freitag 18.30 bei Robert Mertens.

„Drag and Drop“ – Ziehen und Loslassen – hat sich Jupp Linssen verschrieben; er zeigt auf gewaltigen, nur scheinbar quadratischen Formaten aufwendige Schichtenmalerei vor allem in Cremeweiß mit Grün- und Petroltönen. Spielerisch, ziehend und loslassend, deuten sich Bewegungsprozesse an und übertönen die Morbidität der Farbschichtungen zugunsten einer souveränen Aufbruchsstimmung in der Dekadenz. Gelassen und unbeirrbar nimmt die Bewegung ihren Lauf und kreiert einen Lösungsprozess, der sich fast heiter auf den Betrachter überträgt. Regelrecht neu erfunden hat sich auch Francois du Plessis. Zwar bleibt er seinen angestammten Arbeiten mit Büchern treu, setzt aber mit dieser Ausstellung auf „Letters from unknown Friends“, Briefe von unbekannten Freunden. Mittels Wandinstallationen zeigt er teils an Schwitters erinnernde Collagen, in die uralte Buchdeckel, Innenseiten und zerlesene Bibeln eingearbeitet sind, die in ihrer Dreidimensionalität enorme Energien zum Fließen und eine cineastische Note in die Arbeiten bringen. Bibliophile Kostbarkeiten verbinden dank kühner Anschnitte und Montagen Zeiten und Kulturen und beziehen sich in ihrer Dynamik sowohl auf sich selbst als auch auf die Arbeiten von Jupp Linssen.

Zu sehen sind die beiden neuen und frischen Ausstellungen noch bis zum 25. Oktober an der Steinkaulstraße 11. Geöffnet ist die Galerie donnerstags von 14 bis 21 Uhr, freitags von 18.30 bis 21 Uhr und samstags von 14 bis 21 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0163/6066622.

Ein Gepard und ein Rehbock, märchenhaft gemalt, eröffnen die Ausstellung der Aachener Künstlerin Azam Abrisham im Franziskushospital. So romantisch die beiden Tiere auf den ersten Blick auch wirken, so sehr verweist der vom Aussterben bedrohte Gepard auf seinen schwindenden Lebensraum und seine todgeweihte Schönheit. Insgesamt sind mehr als 20 Arbeiten zu sehen, die sich Naturthemen, Farbstudien und dem Menschen allgemein widmen. Die Ausstellung hängt noch bis zum 8. November auf der ersten Etage des Krankenhauses am Morillenhang 27 und kann täglich von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden.

„Zeit schichten“ nennt die Aachener Malerin Susanna Soro-Weigand ihre Porträt-Ausstellung in der BBK-Schaufenstergalerie. Mehr Bildnis als Antlitz sind die Arbeiten, die wie alte Fresken in vielen Lagen morbide Farben zeigen und in ihrer Fragilität an archäologische Schätze erinnern. Physisch fassbar ist nur der Kopf, durch den gesenkten Blick, das Weglassen der Münder und teils auch des Haars findet eine Entindividualisierung statt, die die Frage nach dem Menschen an sich in der Vergänglichkeit der Zeit aufwirft. Betrachtet werden können die aufwendigen Mal- und Siebdruckarbeiten noch bis zum 30. Oktober am Adalbertsteinweg 123cd freitags von 15.30 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 14 Uhr sowie nach Absprache unter Telefon 0241/4465564.