Spaziergang durch Aachens Galerien

Kunstgeschichten : Ein Rad der Zeit und eine Erde ohne Wasser

Der Klimawandel und seine Folgen bewegt das Aachener Künstlerpaar Susanne und Rolf Jägersberg, auch der Aachener Künstler Günther Beckers setzt sich in seinen Werken intensiv mit dem Thema auseinander. Zu erleben sind sie in Kürze in der Galerie 45 in der Ludwigsallee.

Ist die Menschheit demnächst nur noch auf dem Fahrrad zu Hause? Ist Mobilität tatsächlich so ein wichtiges Thema, dass ein „mobil home“, installiert auf einem Miniatur-Fahrrad, das Wohnen und Leben der Zukunft auf den Punkt bringt? Für die Aachener Künstlerin Susanne Jägersberg, die gemeinsam mit ihrem Mann Rolf Jägersberg in der Galerie 45 ausstellt, scheint das so oder ähnlich zu sein. Angesichts der Massen von Klimaflüchtlingen, die es bereits gibt und zunehmend geben wird, regt ebenfalls ein weiteres, zuerst an Spielzeug erinnerndes Objekt namens „Rad der Zeit“ zum Nachdenken an.

Auch ein kleiner Astronaut, der auf eine Erde ohne Wasser schaut, wirkt zunächst harmlos. „Sieht nett aus, ist es aber nicht“, sagt Susanne Jägersberg und verweist mit einer großen, mit einem Handfeger gemalten Kalligrafie auf den nötigen Aufbruch zur Rettung der Natur. „Black Bird“ nennt sie die kraftvolle Arbeit, die an einen fliegenden Vogel erinnert und auf die weitere kalligrafieähnliche Bilder in Blau Bezug nehmen. Blau sind auch die Leuchtstoffröhren in einem Drahtgebilde, die die Malerei- und Objekt-Ausstellung mit den Fotografien von Rolf Jägersberg verbinden, die teilweise erst vor kurzem in der Normandie aufgenommen wurden. Stimmig hängt eine Ansicht des Kirchturms des Städtchens Etretat über dem Klimafahrrad und wirft einen dramatischen Schatten auf das Dach, während am Himmel eine Wolke wie zufällig, aber gekonnt als Highlight im wahrsten Sinne des Wortes in die Komposition eingefügt ist. Streng wie der Schatten steht eine große Skulptur im Hafen von Le Havre, geometrisch spiegelt eine Deckenkonstruktion auf der Museumsinsel Hombroich deren kompromisslos durchstrukturierte Architektur.

Weitere Aufnahmen zeigen Stimmungen in der Natur, rätselhafte Spiegelungen in Pfützen und immer wieder überraschende Momente, die Jägersberg zur richtigen Zeit am richtigen Ort festhält. Zu sehen ist die Ausstellung „Schwarz-Weiß mit einem Schuss Blau“ noch bis zum 20. Oktober an der Ludwigsallee 45, die Öffnungszeiten der Galerie sind freitags bis sonntags von jeweils 14 bis 19 Uhr.

Mit der Erdkugel als Symbol der Globalisierung und der weltweiten Klimakrise beschäftigt sich der Aachener Maler und Musiker Günther Beckers. „Wir führen Krieg mit der Natur“, formulierte er bereits vor 30 Jahren in einem künstlerischen Manifest und setzt sich nun in seinen neueren Gemälden und schwarz-weißen Duplex-Zeichnungen mit der Darstellung des Globalen auseinander. Hier beeindrucken vor allem die diskreten Bleistiftzeichnungen auf doppelt gelegtem Transparentpapier, die die Erdkugel in verschiedenen Kreis- wie Tondo-Anschnitten in der Schönheit ihrer Form und der Schönheit der Linie zeigen. Weitere Bilder zeigen farbige Format-Spiegelungen mit dem Planeten Erde, zwei Großformate von 1,80 mal 2,70 Meter sind in Arbeit, ebenso musikalische Werke mit dem Titel „Klanggebilde eines Planeten“, die sich auf Haydns „Schöpfung“ beziehen. Die Vernissage zur Ausstellung findet am Samstag, 5. Oktober, 16 Uhr, an der Ludwigsallee 79, statt. Die Arbeiten hängen bis zum 31. Dezember und können nach Vereinbarung unter Telefon 0241/158846 besichtigt werden.