Aachen: Sparvorschläge bringen Theater-Chef in Rage

Aachen: Sparvorschläge bringen Theater-Chef in Rage

Ausgerechnet das ewige „Problemkind” Theater ist nach den aufgeregten Finanzdebatten der jüngsten Zeit weitgehend aus der Schusslinie der politischen Punktesammler genommen worden - könnte man meinen.

Der Generalintendant sieht das ganz anders. Und geht nach der neuerlichen Spar-Offensive des CDU-Nachwuchses einmal mehr zum geharnischten verbalen Konter über. Vor allem den jungen CDU-Ratsherrn Michael Janßen (32) nimmt Michael Schmitz-Aufterbeck dabei ins Visier. Der hatte im Schulterschluss mit den Chefs der Jungen Union, wie berichtet, auch eine Schließung des Mörgens zwecks Entlastung des Stadtsäckels um runde 200000 Euro gefordert.

„Ich bin sehr verwundert, dass ausgerechnet für die Parteijugend so wichtige Aspekte wie Kultur, Bildung und Integration - für die das Mörgens in besonderem Maße steht - offenbar keine besondere Rolle spielen”, zürnt der Intendant. Dabei habe Janßen als Mitglied der viel zitierten Strukturkommission, die etliche Konsolidierungsvorschläge fürs Theater geprüft habe, besten Einblick ins komplizierte wirtschaftliche Gefüge des Kunsthorts erhalten.

Dessen Vorsitzender, Janßens Partei- und Ratskollege Hubert Bruynswyck, hatte am Donnerstag bekräftigt, dass die Spielstätte nicht zur Disposition gestellt werde. „Sollte das doch der Fall sein, müssten wir betriebsbedingte Kündigungen vornehmen”, wettert Schmitz-Aufterbeck. Und empfiehlt den (Nachwuchs-)Politikern, sich in Sachen Kostendämpfung an die eigene Nase zu fassen. „Sie sollten mal darüber nachdenken, ob wir einen so großen Stadtrat benötigen.” Auch da - NRW-Gemeindeordnung hin oder her - gäbe es aus seiner Sicht „mit Sicherheit Sparpotenziale”.

Überhaupt zeuge das aktuelle „Gebaren nach dem Motto: nicht lange fragen - einfach handeln” nicht eben von sozialem Verantwortungsbewusstsein und Sinn für die essenziellen Fundamente einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft: Verzicht auf den Integrationsrat, Reduzierung des Ausstattung für das Haus der Integration in der Nadelfabrik - solche Forderungen erschienen gerade jetzt „sehr bedenklich”.

Ganz zu schweigen vom Ansinnen der Nachwuchs-Christdemokraten, die finanzielle Axt in der Museumslandschaft anzulegen. Schmitz-Aufterbeck: „Ein völlig inkompetenter Vorschlag!” So lasse sich die Liste der unverständlichen Forderungen fortsetzen - Fazit: „Ich habe den Eindruck, dass hier über die Menschen - nicht zuletzt die Beschäftigten der Stadt - einfach hinweggegangen wird.”

CDU-Ratsfrau: „Bitte pro Kultur klicken”

Was die Bürger von den Sparvorschlägen zur Etat-Konsolidierung halten, soll bekanntlich seit Donnerstag per Internet-Umfrage ermittelt werden (http://www.aachen.de). Bemerkenswerte Reaktionen zeitigt das Projekt gleich zum Start allerdings auch in den Kreisen seiner politischen Urheber.

So fordert CDU-Ratsfrau Dr. Margrethe Schmeer, Vorsitzende des Kulturausschusses, im Fazit eines Beitrags für das Parteiblatt „CDU Intern”: „Klicken Sie bitte zahlreich pro stabile Kulturfinanzen!” Denn: Mit 4,8 Prozent des Haushalts bzw. 36 Millionen sei das Kulturbudget der Stadt „gut angelegt”. Schmeer: „Auch angesichts der Chancen und Ambitionen des Campus-Projekts kann man nicht zulassen, dass wir im Städte-Ranking weiter nach hinten rutschen, weil wir kulturell nichts zu bieten haben.”